Brian Auger's Oblivion Express
A Better Land / Second Wind
A Better Land / Second Wind Spielzeit: 39:10 (CD 1), 44:10 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: Fresh Fruit (SPV), 2009 (1971/1972)
Stil: Jazz Rock, Fusion, Pop Rock


Review vom 20.07.2009


Wolfgang Giese
Nach Befour und dem Oblivion Express nun die nächste Kopplung von SPV. Wieder zwei Platten von Brian Auger, hier beide vom Oblivion Express: "A Better Land" aus 1971 und "Second Wind" aus 1972.
Auf "A Better Land" hatte sich einiges geändert im Verhältnis zum Vorgänger. Die rein jazz-rock-orientierten Anteile gerieten 'ins Hintertreffen'. Ob es daran lag, dass Gitarrist Mullen einen hohen kompositorischen Anteil hatte? Oder ob Auger einfach etwas ganz anderes machen wollte?
Mit meinen Worten: Weitestgehend halte ich die Musik dieser Platte für relativ belanglos. Im Verhältnis zum Vorgänger blitzt Augers Kreativität eigentlich nur noch auf "Fill Your Head With Laughter" sowie "A Better Land" auf. Das ist 'Auger-typisch', hier brennt noch das alte Feuer. Ansonsten plätschert das Album dahin. Sei es als 'belangloser Singsang mit akustischen Gitarren' auf dem ersten Stück, das erst im Mittelteil etwas an Fahrt gewinnt, sich dann aber schnell schon verabschiedet, oder sei es als schleppende und seichte Popmusik, wie auf "Trouble" oder "Fill Your Head With Laughter".
Die Adaption eines irischen Folksongs, "Marai's Wedding", erscheint mir hier völlig fehl am Platz - ganz nett, aber nichts, was ich mit dem Namen Auger in Verbindung bringen würde. "Women Of The Seasons", das kommt als seichter Westcoast-Sound, mitunter an die Band Bread erinnernd, die das aber besser können. "Tomorrow City", "All The Time There Is": Musik, die ein gewisser Michael Franks wesentlich besser produziert hat.
Alles in allem für mich eine sehr schwache Vorstellung der Band, die trotz ihrer Andersartigkeit grundsätzlich nicht schlecht sein müsste, doch haben die Kompositionen für mich wenig Profil, Tiefe und Substanz. Schade, wo es doch die gleichen Musiker wie beim Vorläufer sind. Schön, dass wenigstens das letzte Stück, "A Better Land", versöhnlich stimmt und somit elegant überleitet zur nächsten Platte in diesem Doppelpack: zu "Second Wind".
Ein möglicherweise wichtiger personeller Wechsel fand hier auch statt, denn als Sänger trat nun Alex Ligertwood auf. Unter anderem werden ihn einige aus einer späteren Santana-Besetzung kennen. Musikalisch gibt es nun eine Mischung aus "Oblivion Express" und "A Better Land".
Gleich der Opener "Truth" zeigt mit fast acht Minuten sofort, wo es lang gehen soll. Das kommt wieder so richtig locker und nicht mehr so verkrampft.
Der Jazz Rock-Anteil ist zwar auch nicht mehr vordergründig, das ist schon guter Pop Rock mit Fusion-Anteilen, jedenfalls mit packenden Elementen. Ligertwood hat das Stück geschrieben, und mir gefällt das so richtig gut, gefühlsmäßig springt mich das mit seinem Groove und der wieder erstandenen Spielfreude, auch von Mullen, gleich an!
Mit seinem Falsetto bringt Ligertwood auch viel Feuer in die Stücke, leidenschaftlich klingt das. Auch die weiteren Titel bringen eine elegante Fusion zwischen Jazz Rock, Rock und Pop zu Gehör. Sei es das fröhliche, fingerschnippende "Don't Look Away" mit dem jazzigen Mittelteil - so richtig 'sophisticated & cool'…, oder "Somebody Help Us", wo das alte 'Auger-Feuer' wieder lichterloh brennt!
Persönlicher Höhepunkt ist ein wieder von Eddie Harris gewähltes Stück, der schon viele Male gecoverte "Freedom Jazz Dance". Hier findet eine lasziv-groovende Mischung statt, die einfach so locker aus dem Handgelenk kommt, dass es eine wahre Freude ist. Eine fantastische Kombination, eine der gelungenen Interpretationen dieser Nummer.
Auch auf dem Titelsong bietet uns die Band noch einmal einen guten, regulären Abgang auf der Basis eleganten Jazz Rocks, bevor sich die Platte mit einer Liveversion des "Freedom Jazz Dance" verabschiedet, aber das in einer sehr schlechten und rumpelnden Tonqualität.
Wie schon auf "Oblivion Express" hätte ich auch hier gut auf diesen Bonus verzichten können! Übrigens: Der im Booklet angekündigte Bonustitel auf "A Better Land", nämlich die Liveaufnahme von "Marai's Wedding", fehlt auf der Platte.
Ist für mich aber nicht schlimm, denn ich denke, es wäre die gleiche schlechte Klangqualität gewesen.
Line-up A Better Land:
Brian Auger (organ, vocals)
Jim Mullen (guitars, vocals)
Barry Dean (bass, vocals)
Robbie McIntosh (drums, percussion)

Line-up Second Wind:
Brian Auger (organ, piano, vocals)
Alex Ligertwood (vocals, tambourines)
Jim Mullen (guitars)
Barry Dean (bass)
Robbie McIntosh (drums, percussion)
Tracklist
A Better Land:
01:Dawn Of Another Day [Auger, Mullen] (4:20)
02:Marai's Wedding [Traditional] (4:24)
03:Trouble [Auger, Mullen] (3:17)
04:Women Of The Seasons [Mullen] (5:05)
05:Fill Your Head With Laughter [Gorrie, Auger, Mullen] (3:53)
06:On Thinking It Over [Gorrie, Auger, Mullen]
(5:25)
07:Tomorrow City [Auger] (3:33)
08:All The Time There Is [Mullen] (3:35)
09:A Better Land [Gorrie, Mullen] (5:31)
Second Wind:
01:Truth [Ligertwood] (7:46)
02:Don't Look Away [Dean, Ligertwood, Mullen] (6:01)
03:Somebody Help Us [Auger] (6:32)
04:Freedom Jazz Dance [Harris] (5:25)
05:Just You, Just Me [Auger] (6:15)
06:Second Wind [Auger] (6:39)
07:Freedom Jazz Dance [Live] [Harris] (5:27)
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