Martin Popoff
Black Sabbath - Hohepriester des Doom
Black Sabbath - Hohepriester des Doom Text: Martin Popoff
Übersetzung: Andreas Schiffmann
Coverfoto: Jörg Schulz
256 Seiten, Broschiert
Zahlreiche s/w und Farbfotos
Medium: Buch
Antje I.P. Verlag Jeske / Mader GbR, 2009
ISBN: 978-3-931624-491-51-4
EUR 19,90

Review vom 13.03.2010


Jürgen Bauerochse
Als sich am 9. August 1969 vier junge Musiker aus Birmingham entschlossen, ihre Band mit dem Namen Earth in Black Sabbath zu ändern, ahnte noch niemand, dass damit auch gleich eine neue Musikrichtung entstanden war, die zukünftig zu einem festen Begriff in Metal-Kreisen werden sollte.
Alle vier Protagonisten waren Schulfreunde und hatten schon Erfahrung in lokalen Gruppen rund um die englische Metropole sammeln können, wobei sie die verschiedensten Coverversionen auf der Bühne präsentierten, ohne sich auf eine bestimmte Schiene festzulegen. Eine ihrer ersten Eigenkompositionen war der Song "Black Sabbath", der auf einem Film mit Boris Karloff in der Hauptrolle beruhte und auf den Namen "Black Sabbath: The Three Faces Of Fear" (dt. Titel: "Die Drei Gesichter der Furcht)" hörte. Auf diesen Song waren die Jungs besonders stolz. Warum also nicht gleich diesen Titel als unverwechselbaren Bandnamen benutzen? Somit war eine der bekanntesten Truppen der harten Rockmusik geboren, die man später als die Väter des Doom Metal bezeichnete.
Vierzig Jahre später wurde es nun höchste Zeit, die Historie von Black Sabbath für die Nachwelt festzuhalten, und wer würde sich dazu besser eignen als der Metal-Experte Martin Popoff, der uns ja schon zahlreiche Bands näher gebracht hat. Hier sei nur die UFO-Biografie Lights OutůSpot An erwähnt.
Durch persönliche Interviews mit Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Bill Ward, Geezer Butler, Ronnie James Dio, Ian Gillan, Tony Martin, Glenn Hughes, Vinny Appice und Neil Murray gelang es dem Autoren perfekt, die Geschichte der Sabs aufzuarbeiten und von allen Seiten zu beleuchten. Der mühsame Aufstieg zur stilprägenden Band, der immer wieder durch Drogen- und Alkoholausschweifungen gebremst wurde, ist ebenso ein Thema, wie die Verwirrungen der einzelnen Mitglieder angesichts ihres Rufs als Satansanbeter. Auch die zahlreichen Personalwechsel und die damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten werden angesprochen, denn oftmals gingen die Musiker in Unfrieden auseinander.
Bill Ward beschreibt seinen Kampf gegen die Alkoholsucht und setzt sich auch sehr kritisch mit den einzelnen Leadsängern der Nach-Ozzy-Ära auseinander, wobei er auch unverholen zum Ausdruck bringt, dass für ihn Osbourne und die Sabs einfach zusammen gehören und die ultimative Einheit bilden.
Ozzy selbst äußert sich ebenfalls zu seinem Ausstieg aus der Band und beschreibt die auftretenden Probleme bei der Reunion der Originalbesetzung. Es ist also jede Menge Zündstoff in dieser Biografie, zumal natürlich auch Dio seine Sichtweise zu den restlichen Sabs darlegt und so zu begründen versucht, warum eine dauerhafte Zusammenarbeit nicht möglich war. Und wenn dann auch noch der oftmals geschasste und nicht so ganz ernst genommene Tony Martin zu Wort kommt, dann kann sich jeder Black Sabbath-Fan lebhaft vorstellen, dass hier jede Menge interessante Aussagen getätigt werden.
Zahlreiche Tour-Anekdoten und etliche Fotos runden dieses Buch ab und bieten reichlich Lesespaß aber auch sehr viele Informationen über die Interna dieser Band im Laufe von vier Jahrzehnten.
Den größten Teil des Buches aber nehmen die neunzehn regulären Studio-Alben von Black Sabbath ein. Geezer Butler gibt Einblicke ins Songwriting, bei dem er sich bei jedem der ziemlich egozentrischen Leadsänger immer wieder auf andere Persönlichkeiten und Arbeitsweisen einstellen musste, was ja auch zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann.
Des weiteren wird jeder Longplayer, ja fast jeder einzelne Song seziert und besprochen, wobei keine Unzulänglichkeiten unter den Tisch gekehrt werden. Ganz klar, dass auch erwähnt wird, welche Teile der Alben auf den dazugehörigen Tourneen den Weg in die Setlist fanden. So ergibt sich für mich eine durchaus kritische Beurteilung der Titel, denn es ist ja nur logisch, dass auf fast jedem Album mal die eine oder andere überflüssige Länge enthalten ist. Nobody is perfect - und Black Sabbath schon gar nicht!
Nachdem man die lückenlose Diskografie mit allen Titeln und Besetzungen, sowie allen 'Besonderheiten' beim Cover oder der Songreihenfolge gelesen hat, wird mir der geneigte Leser zustimmen, wenn ich von einem hoch interessanten und lesenswerten Buch spreche, das wirklich hervorragend recherchiert und prima zusammengefügt ist. Einziges Manko ist die meiner Meinung nach viel zu kleine Schrift, die ein durchgängiges Lesen doch erheblich erschwert. Trotzdem hat Black Sabbath hier eine verdiente und objektive Würdigung erhalten!
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