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Oliver Benz - wer ist das eigentlich? …Jemand, auf den man achten sollte! Aber der Reihe nach.
Zuallererst ist er gebürtiger Schaffhausener und Pianist. Nach Matura und klassischer Ausbildung (unter anderem an der Jazzschule St. Gallen) sammelte er Erfahrung in verschiedensten Formationen und Genres. Für mich persönlich am interessantesten, dass er dabei auch die harten Töne nicht gescheut hat - 2005 spielte er mit den Prog-Metallern von Neverland das Album "Schizophrenia" ein.
Neben der Tätigkeit als Lehrer an zwei Musikschulen spross offenbar so langsam der Solo-Keim in ihm. Das Resultat haben wir jetzt vorliegen - es heißt "The Curtain".
Den Anfang macht ein die Stimmung etablierendes Stück namens "The Regret". In den ersten Sekunden meint man fast, man hätte sich zu Black Sabbath verirrt, so bekannt kommt einem das Gewitter und der Regen vor - aber schon bald erklingt das Piano und bildet den Auftakt zu einem tollen, ruhigen, aber spannenden Stück, das bald Lust auf mehr macht.
"InstrumMental" fungiert sozusagen als Opener 1b. Die Dramatik und Geschwindigkeit wird angezogen, bevor alles wieder etwas gedrosselt wird und ein Cello eine Zeit lang die Führung übernimmt. Schon hier wird klar, dass es zusammen mit dem Piano die treibende Kraft auf "The Curtain" ist. Gitarren sucht man vergebens.
"The Awakening" stellt dann offiziell die Stimme vom Olli vor, die eine sehr schöne, passende und eigene Färbung hat und immer leicht wehmütig wirkt. Bei den ersten Klängen von "The Accusation" meint man zunächst, die Fortsetzung von "The Regret" zu hören; aber es entwickelt sich zu einem völlig anderen Stück. Unaufgeregt, ruhig - und unspektakulär.
Der Titelsong bringt dann wieder die schönen Chöre hervor, die einige Male zuvor schon positiv aufgefallen waren, bleibt dann aber leider ebenfalls blass. Man hat ständig das Gefühl, dass vom Songwriting mehr drin wäre - so, wie es sich zu Beginn auch schon angedeutet hatte.
Der richtige Zeitpunkt also, um einen Knaller reinzuschmeißen - mit "A Poor Man's Muse" folgt mein Lieblingssong auf dem Album, der sehr schön verdeutlicht, welche Vorzüge ein Piano innerhalb der Rockmusik haben kann. Ein herrlicher Refrain mit einer brennenden Leidenschaft; absolut mitreißend und mein Höhepunkt.
Danach werden all die auf ihre Kosten kommen, die ruhige, ungefährliche Klänge bevorzugen. Durchaus findet man gute Ideen und man merkt Oliver Benz seine Ausbildung natürlich an - über viele gute Ansätze kommt er allerdings nicht mehr hinaus. Schade, denn hier schwirrt unheimlich viel Potenzial durch die Luft. Es wirkt wie ein Soloalbum eines Künstlers, der in einer genialen Band gewesen ist und jetzt, nach all den Jahren, seinen eigenen Weg finden möchte, ohne damit an die alten Erfolge anknüpfen zu können. Da wir wissen, dass Ersteres noch nicht wirklich passiert ist, empfehle ich, den ausgelassenen Schritt nachzuholen! Er bräuchte noch einen guten, etwas verrückten Partner, um alles ein wenig ungewöhnlicher zu machen, und - schwupps - hätten wir eine Band von erhabener Qualität.
Ungefähr die Hälfte von "The Curtain" ist interessant, spannend, mitreißend - die andere eher mittelmäßig. Es lässt auf alle Fälle hoffen - einen neuen Frederik Sioen haben wir hier noch nicht, aber ich freue mich auf Neuigkeiten!
Line-up:
Oliver Benz (lead vocals, grand piano, keyboard, Hammond)
Francesco Gasparini (drums)
Giordano Macrì (drums)
Micky Guaglio (bass)
Nathalie Manser (cello)
Andreas Canzani (bass, loop)
Myriam Hofer (lead vocals on "The Accusation")
The Brainwashed Children Choir (vocal harmonies)
| Tracklist |
01:The Regret
02:InstrumMental
03:The Awakening
04:The Accusation
05:The Curtain
06:A Poor Man's Muse
07:A Lovesong
08:Lullaby
09:Brainwashed Child
10:Not The End Of The World
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