Brad Colerick / Lines In The Dirt
Lines In The Dirt Spielzeit: 43:35
Medium: CD
Label: Back 9 Records, 2007
Stil: Country

Review vom 15.08.2008


Markus Kerren
Das Leben eines/r Musikers/in ist ein Ungewisses. So gut wie nie zu Hause, keine Garantien, auf Tour nahezu abgeschnitten von der Familie und stets darauf angewiesen, wie die konsumierende Masse auf die eigenen Songs anspricht. Genaue Erklärungen gibt es nicht, aber vielleicht war dies der Grund, warum Brad Colerick sich in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre nach ein paar Alben dazu entschied, die eigene Karriere als Zugpferd ruhen zu lassen und sein Geld mit Musik für Werbung zu machen. Langweilig? Kommt drauf an, aber sicherlich weniger aufregend, als sich jeden Abend vor einer gespannten Meute auf der Bühne zu präsentieren.
Und dennoch, etwa 20 Jahre später kam die Lust auf dieses so prickelnde Ungewisse zurück und Colerick veröffentlichte sein Comeback-Album "Cottonwood". Im Jahr 2007 legte er dann mit dem mir nun vorliegenden "Lines In The Dirt" nach. Dem Hörer erschließt sich ein Bild von traditionellem Country. Kein New Country, kein Outlaw Country und auch kein Alternative Country. Purer Country ohne Zusätze, so wie man ihn sich beim bloßen Erwähnen dieses Stils vorstellt. Inklusive aller positiven und negativen Assoziationen.
Ohne Zweifel zugestehen darf man dem Mann, dass er ein sehr guter Songwriter ist und den weit gestreuten Fettnäpfchen geschickt und weit aus dem Weg geht. Colerick bleibt zwar zielsicher im für alle Fraktionen 'akzeptablen' Bereich, schafft es aber dennoch, sich seine ganz eigenen (nicht immer superscharfen) Kanten zu behalten. Es gibt Referenzen an andere Größen des weit gestreuten Country-Genres wie Jimmy Buffett bei "We're Gonna Laugh", Steve Earle bei "Dismal River Rain" oder Guy Clark bei "Sweet Corn". Seinem größten Idol Johnny Cash zuliebe nahm er gar das bereits zig-fach gehörte "Ring Of Fire" noch einmal auf.
Selbst wenn Brad Colericks Version diesem Track nicht unbedingt neue Aspekte abgewinnen kann, so ist das Duett mit Suzy Bogguss dennoch sehr nett anzuhören. Weiter erwähnenswert ist der Titelsong, der sich (in der konservativen Country-Szene ein Tabu) sehr kritisch mit der amerikanischen Außenpolitik bezüglich des Nahen Ostens auseinandersetzt. Nachdenklich, mit tollen Melodien, einer gewinnenden Pedal Steel und Ehrlichkeit wird hier auf ein Ende des Wahnsinns gehofft. Wesentlich heimeliger, aber nicht weniger gut wird die Geschichte des lokalen "Paperboy" erzählt. Und auch das ein oder andere Persönliche scheint Brad Colerick bei Stücken wie "Remember Me", "My Ex-Wife" oder "My California" verarbeitet zu haben.
"Lines In The Dirt" ist ein sehr melodisches, eingängiges und auf den ersten Eindruck eher oberflächlicheres Country-Album, dessen (versteckte) Abgründe und Ecken man erst ergründen muss. Aber nur wenn man will, denn man kann es auch als ganz entspanntes Feierabend-Relikt auf sich einrieseln lassen. Was das Songwriting betrifft also ein ganz großer Clou, da es, wenn man sich darauf einlassen möchte, jede Menge zu entdecken gibt.
Country-Freunden wird dieses Album ganz sicher jede Menge Freude bereiten, denn eingespielt wurde alles mit 'echten' Instrumenten, wobei die Farbtupfer vor allem von der Fiddle und der Pedal Steel kommen. Dazu ist das Teil mit einem astreinen Sound ausgestattet. Wir verteilen ganz relaxte 7 von 10 RockTimes-Uhren für den gemütlichen Abend mit einem guten Cognac vor dem brutzelnden Kamin oder Lagerfeuer.
Line-up:
Brad Colerick (lead vocals, guitar)

Mit:
Bob "Boo" Bernstein, Brian Clune, Tom Corbett, Gary Ferguson, James Gillard, Steve Hanson, Larry Klein, Rob Laufer, Paul Marschall, Herb Pedersen, Jim Pipher, Taras Prodaniuk, Dave Ristrim, Ed Tree, April Verch, Nick Vincent, Charlie White, Ken Wild, Suzy Bogguss, Eric Lowen, Dan Navarro, Kathrin Schorr, Julia Waters, Maxine Waters, Oren Waters
Tracklist
01:We're Gonna Laugh
02:Let Her Fall In Love
03:Lines In The Dirt
04:Dismal River Rain
05:Juarez
06:Remember Me
07:Paperboy
08:Sweet Corn
09:My Ex-Wife
10:Ring Of Fire
11:My California
Externe Links: