Circa Zero / Circus Hero
Circus Hero Spielzeit: 60:42
Medium: CD
Label: : 429 Records, Caroline, Universal 2014
Stil: Rock

Review vom 05.05.2014


Günther Klößinger
Wie wäre es einmal mit einem kleinen Gedankenspiel? Stell Dir vor, Du wärst Sänger einer relativ erfolgreichen Band und gäbest ein Konzert in Deinem Stammclub. Der Laden ist brechend voll, die Massen toben. Nach dem Gig stehst Du noch am Bühnenrand und plauschst mit den Fans, schüttelst viele Hände, gibst Autogramme und guckst nach Groupies. Da steht plötzlich ein Typ vor Dir und meint, er wäre Gitarrist. So weit, so gut. Was aber würdest Du denken, wenn der Typ vorschlüge, man könne doch mal gemeinsam musizieren? Gib's zu - in Dir würde ein trockenes 'Träum weiter!' aufblitzen.
Zumindest wäre diese Reaktion sehr verständlich. Würdest Du aber ebenso denken, wenn Du in dem Klampfentypen vor Dir einen weltbekannten Rockstar erkennen würdest? Und genau diese Situation war der Startschuss für das neue Bandprojekt Circa Zero.
Niemand geringerer als Ex-Police-Gitarrero Andy Summers besuchte ein Konzert von The Rescues. Die Musikalität des singenden Drummers und Bassisten Rob Giles beeindruckte ihn nachdrücklich. So sprach er den Multiinstrumentalisten kurzerhand an und lud ihn zu einer Session in das eigene Studio ein. Eigentlich logisch, dass Giles die Einladung nicht ausschlug.
Beim gemeinsamen Jammen entdeckten Giles und Summers sehr schnell, dass sie bezüglich Songwriting und Sound sehr ähnliche Vorstellungen hatten. Man verstand sich traumwandlerisch und wollte sich diese traute Zweisamkeit nicht durch weitere Musiker verwässern lassen. Und so entstanden alle Songs des vorliegenden Albums ausschließlich in Duo-Arbeit. Giles sang und spielte sämtliche Bass- und Drumtracks ein, während Summers sich ganz und gar seiner Gitarre widmete. Damit stand schon mal fest: Überproduziert würde die so entstandene Scheibe nicht klingen.
Tatsächlich atmet "Circus Hero" den Geist junger Garagenbands, und das im besten Sinne. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass sich hier nicht ein paar 'junge Wilde' zusammenschlossen, um mit bescheidenen Mitteln an einer unwahrscheinlichen Karriere zu basteln, sondern vielmehr zwei Vollprofis und Vollblutmusiker in voller Blüte ihrer kreativen und virtuosen Fähigkeiten agieren. Und die Devise lautet, deutlich vernehmbar: 'Let's rock!'
Summers ist ein begnadeter Musiker und bei Weitem nicht nur auf ein Genre festgelegt. Er tummelte sich in den Police-freien Jahren in jazzigen, weltmusikalischen und avantgardistischen Unternehmungen, spielte mehrere Filmsoundtracks ein und ist auch purer Kopfmusik nicht abgeneigt. Natürlich sind auch die Riffs und Soli auf "Circus Hero" höchst einfallsreich und intelligent gestrickt, und dennoch ist das eher Musik aus dem Bauch heraus. Und von dort geht sie direkt in die Beine.
Das Album ist ein gutes Beispiel für erdigen, ehrlichen Gute-Laune-Rock, ohne altbacken oder abgegriffen zu klingen. Auch der Gedanke 'zurück in die guten, alten Zeiten' trifft den Nagel nicht auf den Kopf. Sicher haben Giles und Summers das Rad des Rock'n'Roll nicht neu erfunden, aber die vorliegende Scheibe ist ein zeitgemäßes Beispiel dafür, dass auch alte Säcke auf der Höhe der Zeit bleiben können. Wer von einer aktuellen Rockproduktion aus dem Hause Summers eine fröhliche Urständ des Police-Sounds erwartet, wird ebenfalls angenehm überrascht. Klar klingt der ein oder andere Lick auch für Freunde der einstmaligen Eingreiftruppe vertraut, aber hier will niemand einen alten Aufguss neu verbraten. Wenn man schon Vergleiche bemühen möchte, wird man im Sound eher an U2 oder die früheren Simple Minds erinnert. Letztlich müssen solche Vergleiche aber nicht sein: Circa Zero haben jede Menge eigenes Profil.
Dass die Musiker mit gebührender Lockerheit an die Sache herangingen, ist schon dem Albumtitel zu entnehmen: Richtig ausgesprochen, sind Circa Zero und "Circus Hero" nämlich Homophone, soll heißen: Sie erklingen völlig identisch. Yes, die gealterten Jungs haben Humor. Und sie verstehen ihr Handwerk.
Bei dem ganzen Hype um den großen Star Summers sollte aber nicht vergessen werden, dass er mit Rob Giles einen kongenialen und gleichberechtigten Partner an seiner Seite hat.
Der Gesang des Mannes ist höchst ausdrucksstark, er ist ein wahrer Meister der Modulation und gibt jeder Note die richtige Prise Feeling mit. Er kann vom Shouter zum leisen Troubadour innerhalb eines einzigen Songs mutieren und klingt dabei zu jeder Sekunde überzeugend. Das Bassspiel ist unaufdringlich und virtuos, am Schlagzeug gibt Giles jedem Stück den richtigen Kick.
"Circus Hero" ist ein hörenswertes Beispiel dafür, dass 'Mainstream' und Ideenreichtum sich nicht ausschließen. Ja - das Album ist ein kommerzielles Werk, aber ich wünsche ihm auch dementsprechend Erfolg. Solch solide Rockarbeit würde man sich bei Weitem nicht nur von manch alten, sondern durchaus von wesentlich jüngeren Hasen erhoffen. Spannend dürfte werden, wie die Live-Umsetzung von "Circus Hero" ausfallen wird. Da werden Giles und Summers wohl nicht darum herumkommen, einen dritten Mann ins Boot zu holen. Doch lassen wir diesbezüglich die Gerüchteküche brodeln und warten es einfach ab. In jedem Fall verdienen diese dreizehn knackigen Songperlen, auch von der Bühne herab zu erschallen. Und, wer weiß, vielleicht steht nach irgendeinem Gig dann ein Keyboarder vor der Bühne, schüttelt Giles die Hand und meint: 'Wollen wir nicht mal zusammen jammen?' - 'Thanks, Mr. Wakeman, aber wir bleiben lieber bei straightem Gitarrenrock!'
Line-up:
Andy Summers (guitar)
Rob Giles (vocals, bass, drums)
Tracklist
01:Levitation
02:Underground
03:The Story Ends Here
04:Say Goodnight
05:Gamma Ray
06:Night Time Travelers
07:Shoot Out The Stars
08:Underwater
09:Summer Lies
10:No Highway
11:Light The Fuse & Run
12:Whenever You Hear The Rain
13:Hot Camel
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