The Clem Clempson Band / In The Public Interest
In The Public Interest Spielzeit: 57:00
Medium: CD
Label: Repertoire Records, 2013
Stil: Rock

Review vom 30.08.2013


Jürgen Bauerochse
Dave 'Clem' Clempson gehört schon seit Jahrzehnten zur Champions League unter den Rockgitarristen. Bereits Ende der Sixtees begann seine Karriere im Power Blues-Trio Bakerloo. Doch es war vor allem seine Mitgliedschaft bei der Jazz Rock-Legende Colosseum, der der Gitarrist in ihrer Hoch-Zeit Anfang der siebziger Jahre, sowie bei der Reunion von 1994 bis 2011 angehörte, die seinen Kultstatus ermöglichte. Auch die Zusammenarbeit mit Steve Marriott bei Humble Pie, als Nachfolger von Peter Frampton, ließ den Bekanntheitsgrad des Mannes aus Tamworth bei Birmingham noch weiter ansteigen.
Außerdem wirkte Clempson auf unzähligen Alben befreundeter Kollegen mit und schrieb außerdem diverse Film-Soundtracks (u. a. "Notting Hill" und "Sweet Home Alabama"). Trotz dieser Erfolge blieb der Wunsch nach einer Solokarriere immer bestehen. Und die Gelegenheit bot sich im Jahr 2012, als Clempson bei der Hamburg Blues Band ausstieg. Dabei konnte er auch gleich noch deren Keyboarder Adrian Askew (Ex-Atlantis, Ex-Lake) von seinem Projekt überzeugen und mitnehmen. Die Gruppe komplettierten Eddie Fillip am Schlagzeug sowie der Bassist Reggie Worthy, die beide ebenfalls schon überall und nirgends gespielt hatten und als Studiomusiker aktiv waren. Die erste eigene Band von Clem Clempson nach über vierzig Jahren war nun endlich komplett.
Schon am 1. März dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, die neue Clem Clempson Band
live in der Bluesgarage zu erleben, und bereits da zeigte sich das Quartett als perfekt eingespielte Einheit. Als Gast dabei war der alte Colosseum-Kumpel Chris Farlowe, der auch auf "In The Public Interest" auf zwei Titeln zu hören ist. Auch Maggie Bell ließ es sich nicht nehmen, auf diesem Silberling mit einem Solo-Song und einem Duett mit Chris dabei zu sein. Und was sich schon bei dem Konzert andeutete, bestätigt sich nun auch auf dem Album: Die neuen Songs (neun der elf Titel sind Eigenkompositionen von Clempson, teilweise in Zusammenarbeit mit anderen Bandmitgliedern) lassen durchaus aufhorchen, obwohl sie auf der Bühne noch etwas hinter den alten Klassikern zurückstehen mussten. Zudem beweist Clem Clempson in den Studioversionen eine unglaubliche Vielseitigkeit bei den Kompositionen, die er natürlich perfekt umsetzt.
Zunächst fällt die hervorragende Klangqualität auf. Glasklar kommen die Instrumente rüber, was bei einem Könner wie Clempson zu einem richtigen Hörerlebnis wird. Schon der Opener "Think About Me" überzeugt durch eine tolle Slide-Gitarre, und auch Clempsons Stimme ist ganz stark. Beim folgenden Titelsong kommt die wichtige Rolle von Adrian Askew in der Band voll zur Geltung, dessen Orgel perfekt ins Konzept passt. Irgendwie kommt mir bei diesen beiden Songs immer wieder Blind Faith in den Sinn.
"Route 69" sieht dann Maggie Bell an den Lead Vocals. Starke Percussions sorgen für einen tollen, unheimlich dichten Rhythmusteppich mit enorm viel Drive. Und auch hier gibt die Orgel ein starkes Gastspiel. Das folgende Instrumental "Can't We Try Again" bewegt sich deutlich auf den Spuren von Peter Green zu seinen "In The Skies"-Zeiten oder auch in Richtung Snowy White mit seinem einfühlsamen Spiel. Dieser zarte Song ist ganz große Gitarrenkunst!
Und nun gibt es auch den 12-Takter. "Dancing With The Blues" - der Name ist Programm. Man kann sich an dieser Gitarre einfach nicht satt hören. Freddie King würde seine helle Freude an diesem Stück haben. Genau wie an der Willie Dixon-Komposition "Who", bei der Chris Farlowe den Gesang übernimmt. Hier bestimmt der Rhythmus und Askews Orgel das Geschehen.
"Waiting For The Day" ist dann der absolute Anspieltipp. Dieser Slow Blues ließ mich schon beim Gig in der Bluesgarage mit weit offenem Mund dastehen und kommt auch in der Studioversion großartig rüber. Für mich persönlich ein 'Inselsong' der feinsten Sorte, leider nur etwas über fünf Minuten lang. Das zweite Instrumental des Albums ist "Leopold's Great Escape". Doch hier geht es wesentlich schwungvoller zur Sache als im ersten Song ohne Vocals. Groovend und swingend reiht Clempson einen Gitarrenlauf an den nächsten.
Mit "I Don't Need No Doctor" folgt ein weiterer Song aus dem Auftritt der Band in Isernhagen. Hier dargeboten in einer Funkversion und mit ständig wechselndem Gesang zwischen Clem, Chris und Maggie. Es ist schon erstaunlich, was die Band aus dem Humble Pie-Klassiker gemacht hat. Müßig zu erwähnen, wie stark die Orgel eingebunden ist. Mit "7th Blues" steht das dritte Instrumental an, bei dem die Keyboards sich ein ständiges Wechselspiel mit der Gitarre liefern. Clempson und Askew verschmelzen zu einer Einheit!
Mit "The Way You Waved Goodbye" klingt das Album aus. Noch einmal wird es etwas rockiger, und im Mittelteil hängt sich Clempson noch mal voll rein. Ein würdiger Abschluss eines tollen Albums.
Line-up:
Clem Clempson (guitar, vocals)
Adrian Askew (Hammond organ, piano, Fender Rhodes, Wurlitzer, Mini Moog)
Eddie Fillip (drums, purcussion)
Reggie Worthy (bass)
Ronnie Leahy (piano, organ - #1, piano, bass - #3)

With:
Chris Farlowe (lead vocals - #6)
Maggie Bell (lead vocals - #3)
Chris, Maggie, Clem (lead vocals - #9)
Tracklist
01:Think About Me (5:33)
02:In The Public Interest (5:11)
03:Route 69 (3:48)
04:Can't We Try Again (7:13)
05:Dancing With The Blues (4:57)
06:Who (4:22)
07:Waiting For The Day (5:30)
08:Leopold's Great Escape (5:39)
09:I Don't Need No Doctor (4:58)
10:7th Blues (4:05)
11:The Way You Waved Goodbye (5:11)
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