Coastland Ride / Coastland Ride + 3
Coastland Ride + 3 Spielzeit: 46:08
Medium: CD
Label: Avenue of Allies, 2011
Stil: Melodic Rock

Review vom 21.01.2012


Jochen v. Arnim
Mit gleich zwei Veröffentlichungen tun sich die drei Schweden von Coastland Ride aktuell hervor. Neben ihrem neuen Album On Top Of The World haben sie ihr Erstlingswerk von 2003, das auf den schlichten Titel "Coastland Ride" lauschte, unter Hinzufügen dreier Bonustracks remastert und neu auf den Markt geschmissen. Der alte Albumtitel wurde der Einfachheit halber schlicht um ein "+ 3" erweitert und bezieht sich damit natürlich auf den Bonus. Ursprünglich unter der Flagge des deutschen Labels AOR Heaven gesegelt, wandelt das Trio nun auf den Pfaden des Labels Avenue Of Allies, das uns im Folgeschritt mit der vorliegenden Veröffentlichung beglückt.
Die Schweden haben sich seit ihrer ersten Zusammenkunft im Jahre 1997 der Vermischung aus Westcoast, Pop und AOR verschrieben, wollten sich stilistisch nie auf eine der drei Richtungen festlegen. Ihre Songs beinhalten durch die Bank Elemente aller dieser Genres, mal etwas mehr von einem, mal etwas weniger. Ihr Sound wird zum Beispiel ab und zu mit dem von Toto und anderen Vertretern aus dieser Ecke verglichen. Nun ja, das hinkt etwas, und trotzdem gehören sie vom Stil her zweifelsohne dazu. Rein technisch wurde der Sound für die vorliegende CD überarbeitet, moderner aufbereitet, wobei die Frage nach dem Warum durchaus gerechtfertigt ist, denn das Jahr 2003 war nun wahrlich nicht das Mittelalter. Aber egal, wir haben es mit einem sehr ordentlichen Album zu tun, das qualitativ nicht viel vermissen lässt. Sauber produziert, perfekt abgemischt und handwerklich-musikalisch ohne große Ansatzpunkte für Kritik.
Beim Hören der kompletten Scheibe am Stück fällt der typische Easy Listening-Sound auf, der bei so einigen Vertretern dieser Grauzone zwischen diesen artverwandten Stilrichtungen gerne mal offensichtlich ist. Zwischendurch gibt es immer wieder mal kleine Ausflüge in rockigere Gefilde, wie z. B. direkt mit dem Opener "Let Me Let You Go", der uns prächtigen klassischen AOR bietet oder mit Gastmusiker Anders Ringman an der Sologitarre auf dem Track "Eyes", der positiv hervorsticht und somit ein Anspieltipp ist. Als reine Ballade kommt dagegen "Sleepless" rüber, verlässt die rockige Ecke und läuft dabei aber Gefahr, in diejenige gedrängt zu werden, in der sonst immer die Schnulzen sitzen. "Never The Same" ist vom Strickmuster her eigentlich zu poppig, mit seinem mehrstimmigen Refrain und den elektronischen Sounds, die eine ordentliche Rhythmusfraktion ersetzen sollen. Beim Stichwort Rhythmus fällt mir auf, dass ich vergeblich einen Schlagwerker im Promo-Text suche. Ein wenig mehr Organik würde gerade diesem Song zum Beispiel ganz gut tun.
Die drei Bonustracks sind während der ursprünglichen Aufnahmen zwar in der engeren Wahl gewesen, haben es aber nicht auf die Platte geschafft. Im Falle von "Jenny's Heart" mit seinem etwas stumpfen Rhythmus und dem elektronischen Einheitsgepiepse hätte ich seinerzeit wegen des Fehlens nicht unbedingt geweint. "The World Is Not Enough" dagegen reißt dieses Manko wieder raus, klingt nicht so leicht und frisch wie der Rest der Platte, aber das ist gerade Schöne an diesem Song. Wir bekommen noch einmal eine feine Gitarreneinlage geboten und können den Track in die Ecke mit den Rockern schieben. Auch beim letzten Bonus "Pitch Black Ride" geht es etwas deftiger zu. Nordenberg presst die Lyrics aus seiner Kehle, gibt sich weniger den Touch eines idealen Schwiegersohns. Sicherlich einer der besseren Songs auf dieser eine gute dreiviertel Stunde dauernden Wiederveröffentlichung, die damit durchaus einen zusätzlichen Gewinn verbuchen kann.
Line-up:
Markus Nordenberg (vocals)
Anders Rybank (guitars, keyboards, bass, programming)
Mikael Bohlin (guitars, keyboards, programming)

guests:
Per Stenvall (guitar solo - #7)
Anders Ringman (guitar solo #)
Tomas Coox (Rhodes piano - #8)
Mikael Cederholm (backing vocals)
Benka Jansson (backing vocals)
Tracklist
01:Let Me Let You Go
02:On The Path Of Greed
03:The Angels Must Have Missed A Turn
04:Never The Same
05:Second Hand America
06:Hearts To The Flame
07:Believe In Me
08:Eyes
09:Sleepless
10:Jenny's Heart (bonus track)
11:The World Is Not Enough (bonus track)
12:Pitch Black Ride (bonus track)
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