The Crashers! Dieser Name weckt spontane Assoziationen an "old time
Rock&Roll". Als die Kometen um Bill Haley around the clock rockten,
nannten sich viele Bands einfach und unspektakulär mit "The" am Anfang und
mit irgendwas sonst dahinter.
Diesmal ist die Assoziation ein wirklicher Volltreffer. The Crashers
bieten Rock&Roll und zwar frisch, inspiriert, voller Spielfreude und mit
einem bomben Sound. Auf der Rückseite des Booklets findet man schnell den für
den Sound verantwortlichen Menschen. Es ist kein geringerer als Dan Baird, der ja schon bei so mancher Platte an den Knöpfen gedreht hat.
Unter dem (Band)-Namen The Heart of the Georgia Satellites bringt er
mit seinen Jungs regelmäßig die Clubs in Europa zum kochen. Und der
Herzschrittmacher jener Truppe gibt auch bei The Crashers den Takt
vor. Trommler Mauro Magellan entpuppt sich als wahres Multitalent. Er
hat als Mastermind der Crashers nicht nur gekonnt ins Songwriting
eingegriffen, sondern steuert auch Photos bei und hat das Coverdesign
entworfen. Diese Kostproben visueller Arbeit und kreativer Imagination
beweisen, dass Mauro nicht nur an den Knüppeln ein Künstler ist.
Ein weiteres Markenzeichen der Platte ist der Einsatz der schwarzen und
weißen Tasten. Jimmy Voegeli heißt der Mann am Klavier, respektive an
der Hammondorgel. Auf der CD ist kein Song vertreten, bei dem er das
Grundgerüst nicht wesentlich aufpeppt. Mal liegt der Schwerpunkt auf dem
Boogie-Piano, mal auf dem schweren Hammondsound. Jedenfalls ist er immer da.
Hörenswert ist ebenfalls die Gitarrenarbeit von Gary Hendrickson.
Dieser Knabe zeigt, wie man interessante Soli zelebrieren kann, ohne 1000
Noten pro Minute spielen zu müssen.
"Blues with femal vocals", hat mir der Verkäufer meines Vertrauens den
Inhalt der Scheibe beschrieben. Na, mit Blues landete er keinen Volltreffer,
obwohl Bluesfeeling auch darauf vertreten ist. Aber mit "femal Voice " hat er
sich selbst übertroffen. Jennifer Deprez singt nicht nur weiblich,
sondern echt scharf. Dabei wird sie von Donna Wooddall mit
Hintergrundgesang unterstützt. Diese Damen haben es nicht nötig zu brüllen,
aber wenn sie dazu ansetzen, ist das Ergebnis sehr gekonnt.
Es würde mich nicht wundern, den einen oder anderen dieser Songs irgendwann
mal im Erwachsenenradio zu hören. Solltet ihr euch fragen, welche Puppe denn
da so heiß singt und wer in Gottes Namen der coole Tastenmann ist, werden es
wohl die Crashers sein.
Die Anspieltipps:
Der Titeltrack "Love School" ist ein astreiner Rock & Roll. Mauro
schert sich einen Dreck um 2/4tel, 3/8-tel oder 5/12-tel. Er hämmert die
Betonung einfach auf jeden Beat und so wird aus dem Song ein richtiger
Wachrüttler.
"Let's Say" ist mein Favorit der Scheibe. Eine langsamere, bluesigere
Nummer, die vielleicht irgendwann das Stück sein wird, das die
Crashers bei jedem Gig spielen müssen. Selbst in 25 Jahren noch. Am
meisten freue ich mich immer wieder auf das Gitarrensolo. Hört es euch an und
ihr wisst warum.
Das 8-seitige Booklet bietet neben dem beiendruckenden Cover die Songtexte
und die üblichen sonstigen Inhalte. Es ist gut lesbar und die Songs sind mit
Nummer angegeben, was ich immer wieder lobenswert finde.
Das einzige Manko an der Scheibe ist die sehr geringe Spielzeit von 36:23
Minuten.
Na ja, vielleicht wird die nächste Platte doppelt so lang, denn soviel passt
mittlerweile locker auf eine CD.
Trotzdem meine Empfehlung:
Zuschlagen, einlegen, Spaß haben, auf Repeat drücken.
Spielzeit: 36:23, Medium: CD, Jerkin Crocus, 2004
1:Love School 2:Love Life 3:Make Him Mine 4:Let's Say 5:Say It With
Your Knees 6:Too Little Too Late 7:My Lovin' Baby 8:What Do I See 9:I Could
Do Better 10:Tonight
Olli "Wahn" Wirtz, 05.12.2004
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