Csejthe / Réminiscence
Réminiscence Spielzeit: 41:47
Medium: CD
Label: Eisenton, 2013
Stil: Black Metal

Review vom 15.05.2013


Andrea Groh
Csejthe bzw. Čachtice ist ein Ort am Rand der slowakischen kleinen Karpaten. Bekannt wurde die Burg Čachtice als der Ort durch ihre Herrin Elisabeth Báthory, die dort der Legende nach 60 Jungfrauen umgebracht haben soll, um in deren Blut zu baden. 1611 wurde sie verurteilt und in ihrem Turmzimmer eingemauert, wo sie 1614 starb.
Ob die sogenannte 'Blutgräfin' wirklich dieser Taten schuldig war oder Opfer einer politischen Intrige, ist ungeklärt. Auf jeden Fall jedoch hat die Legende einige Filme und auch (vor allem Black Metal) Bands inspiriert, darunter die schwedischen Bathory.
Drei Kanadier wählten den Namen des Dorfes bzw. der Burg in ungarischer Schreibweise: Csejthe für ihre 2006 gegründete Truppe. Nun kann man raten, welchem Musikstil sie frönen… Black Metal ist die wahrscheinliche und richtige Antwort.
Textlich scheint man sich (soweit ich das mit meinen Französischkenntnissen beurteilen kann) mit der Dame zu befassen oder dazu passender Thematik wie Historischem und Okkultem.
Und dies wohl nicht erst seit gestern. Alle Veröffentlichungen scheinen in diese Richtung zu gehen. Ob auf der Split mit Ziel Bevrijd von 2007, beim Demo "L'écho des Ruines" von 2008, beim Debüt "La Mort du Prince Noir" (2009), bei der EP "Transcendance" (2010) oder bei der aktuellen "Réminiscence" (2013).
Schon das Cover deutet darauf hin, dass hierauf an die berühmt-berüchtigte Gräfin erinnert wird. Bei Dorko aus dem Song "Dorko, la malveillante" handelt es sich übrigens um eine mitangeklagte Kammerzofe, die nach der Verurteilung lebendig verbrannt wurde.
Kommen wir (endlich) zur Musik. Wie bereits angedeutet, handelt es sich um Black Metal, besser gesagt Epic Medieval Black Metal (so steht es auf dem passenderweise schwarzen Waschzettel). Das Intro "Oraison" leitet die Scheibe recht symphonisch ein, danach folgt gemäßigter Schwarzmetall, der genretypisch rumpelt, dabei allerdings im Midtempobereich bleibt. Man legt also wenig Wert auf Hochgeschwindigkeitsgeknüppel, ebenso wenig auf eher skandinavische Kälte. Die Gitarren klingen verhältnismäßig harmonisch (natürlich nicht im Sinne von Melodic Rock etc.) und nicht so schneidend.
Auch ist die Stimme recht unkeifig, dazu kommen stellenweise leicht sakral wirkende Gesänge (das meinen sie wohl mit 'Chants'), die mir ziemlich gut gefallen - hätten für meinen Geschmack sogar noch öfters eingesetzt werden können. Ebenfalls beeindruckend sind die ruhigen Parts im letzten Track "Chant des martyres" - unheimlich und gleichzeitig auf düstere Weise schön. Mit solchen Elementen zeigen Csejthe ihre Stärke, etwas, das sie zukünftig gerne noch ausbauen dürfen.
"Réminiscence" ist insgesamt tatsächlich etwas epischer als der Black Metal-Durchschnitt und das ohne auf kitschige Keyboardteppiche zu setzen. Dabei gelingt es, eine dunkel-majestätische Atmosphäre zu erzeugen, bei der man sich vorstellen kann, in einer mittelalterlichen Burg (bzw. im 17. Jahrhundert) in Osteuropa zu wandeln. Versetzt zu werden zu alten Mauern, die Geschichten eines Adelsgeschlechtes erzählen, von Größe und Erhabenheit ebenso wie von den Schattenseiten, von finsteren Geheimnissen.
Csejthe nehmen uns mit auf eine (musikalische) Reise zum namensgebenden Ort und zur sagenhaften Burgherrin, die sich gerade wieder ein Bad aus Jungfrauenblut einlässt...
Damit haben sie ihre morbide Mission erfüllt und bieten uns eine Scheibe mit meistens intensiver Musik, wenngleich nicht alle Momente darauf gleich stark sind.
Line-up:
Strigat (vocal, guitars, bass)
Fiel (percussions, chants)
Bardunor (guitars, chants)
Tracklist
01:Oraison (1:16)
02:Réminiscence (7:42)
03:Chasseresse (6:11)
04:L'antique blason (6:50)
05:Adjuration (0:37)
06:Dorko, la malveillante (4:17)
07:Maléfice (5:00)
08:Chant des martyres (9:55)
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