Demon's Eye / Under The Neon
Under The Neon Spielzeit: 53:04
Medium: CD
Label: MMS, 2015
Stil: Hard Rock

Review vom 31.08.2015


Jochen v. Arnim
Mit Demon's Eye, dieser vormals ausschließlich als Purple-Tribute arbeitenden Band, ist das ja so eine Sache, speziell, wenn du sie live sehen willst. Fankompatibler geht es nämlich kaum, denn sie bieten für jeden individuellen Geschmack verschiedene Sänger. Magst du eher Purple mit geilem Gillan'schen Gesang, dann musst du dir eine Show mit Dario Velasco angucken. Kaum einer auf der Welt bekommt das gute alte "Child In Time" so hin wie er! Stehst du bei den Rainbow-Songs aber mehr auf Authentizität, dann ist Doogie White dein Mann, gehörte er der Truppe um den Schwarzen Mann doch selbst einmal an. Möchtest du einfach nur einen coolen Rundumschlag, guck dich nach Terminen mit David Readman um.
Das alles ist aber nur die halbe Miete, denn seit 2011 bietet die Band in Zusammenarbeit mit Doogie White obendrein noch ein Spektrum feiner eigener Songs, das man bis dato auch auf dem Debütalbum dieser Kooperation finden konnte. Und schon damals haben die Fans gehofft, dass es nicht nur eine einmalige Sache bleiben würde.
Nun wurde aus dem Hoffen auf eine Fortsetzung freudige Gewissheit: In Kürze wird das Zweitwerk in die Regale kommen und der Redaktion liegt jetzt schon eine Ausgabe von "Under The Neon" vor.
Eigentlich war sich die Band, die übrigens in Form von Gert-Jan Naus einen Besetzungswechsel an den Tasten zu verzeichnen hat, gar nicht sicher, dass ein Zweitwerk mit Doogie entstehen würde. Jener ist nämlich bekanntermaßen bei Schenkers Michael extrem eingespannt. Dennoch war es ihm ein freudiges Anliegen, seine knappe Zeit in diese Zusammenarbeit zu investieren - und das hat sich auch richtig gelohntů
Mit dem Intro namens "Epic" stellt sich dieser rund dreiundfünfzig Minuten dauernde Silberling wahrlich episch vor, zumindest ich hatte dieses Attribut beim kurzen Instrumentalsong im Kopf. Die sphärisch angehauchten Töne werden ohne spürbaren Übergang vom ersten Hammer der Scheibe vertrieben. Gitarre und Tasten entführen einen auf die 'Straße des Ruhmes', weiter und weiter getrieben von hämmernder Trommelarbeit. Schon hier wird klar, dass sich der schottische Sänger in Höchstform befindet und auch die Instrumentierung lässt keine Wünsche offen. Spinett-Klänge, Hammond-Sounds und ein Bass, der Roger Glover zu Ehren gereichen könnte, breiten einen idealen Nährboden für die Saitenhexerei Mark Zyks.
Ein weiteres Attribut, das dem Rezensenten schon ziemlich am Anfang des ersten Spins in den Kopf schießt: gereift (und dieses Wörtchen fiel mir ein, lange bevor ich den Waschzettel gelesen habe). Demon's Eye verleugnen zwar ihre Vorbilder nicht - das wäre auch sehr schade - gehen aber noch selbstbewusster mit eigenen Ideen zu Werke. Tempowechsel spielen dabei eine wichtige Rolle, wie es z. B. beim dritten Track, "Closer To Heaven", der Fall ist, wo wir balladeske, fast seichte Töne finden, aber auch kernige Parts mit mehr Speed.
Sehr eingängig und nach vorne preschend kommt der "Five Knuckle Shuffle" um die Ecke und auch hier gibt es wieder eine kräftige Ladung dominierender Hammond-Töne zur Untermalung. Im Anschluss wird der Hörer mit dem längsten Song der Scheibe verwöhnt. "Welcome To My World" mag auf den ersten Blick wie ein typisches Classic Rock-Stück anmuten, der aufmerksame Hörer wird aber zugestehen müssen, dass die eingeflochtenen Zutaten ganz unterschiedlicher Provenienz sind und sich erst in ihrer Gesamtheit zu einem beeindruckenden Kunstwerk mausern.
Bei "Finest Moment" lugt doch tatsächlich für einen Moment unser guter alter Gary Moore um die Ecke. Ein extrem intensives Stück, das neben den bluesgeschwängerten Tönen der Herren Keller, Zyk, Naus und Schneider speziell auch wegen des herausragenden Sangesvortrags Doogies seine besondere Klasse erhält.
Kaum dahinter verstecken muss sich "Fallen Angel", das nicht etwa ein Cover der Heep'schen Version von 1978 ist, sondern aus eigener Feder stammt. Wie auch "Closer To Heaven" und "Finest Moment" ist der gefallene Engel, der übrigens in einem fulminanten Finale gipfelt, noch mit dem früheren Keyboarder Florian Pritsch zusammen geschrieben worden - vielleicht deshalb auch die geilen Tastenparts?
Nicht minder überzeugend kommen danach "Master Of Destiny" und auch "Dancing On Air" daher, einmal mehr lebend von diesem typischen Wechselspiel zwischen Tasten und Saiten. Und mit "Blood Red Sky" hämmert die Band noch richtig gut einen raus - eingängig ohne Ende - bevor wir vom sanften Rausschmeißer, "The Messenger", unglaublich intensiv aus der Platte entlassen entlassen werden.
Anspieltipps dieses von Martin Mainschäfer aufgenommen und abgemischten Werks? Ganz klar: "Road To Glory" und "The Messenger" - kauft das Ding und hört selbst oder zieht Euch das offizielle Video zu dem anderen Kracher Welcome To My World rein. Ich freu mich auf jeden Fall wie Bolle auf die anstehende Tour (siehe auch unsere Tourtermine), könnt Ihr glauben!
Line-up:
Doogie White (vocals)
Mark Zyk (guitars)
Maik Keller (bass)
Gert-Jan Naus (keyboards, organ)
Andree Schneider (drums)
Tracklist
01:Epic
02:Road To Glory
03:Closer To Heaven
04:Five Knuckle Shuffle
05:Welcome To My World
06:Finest Moment
07:Fallen Angel
08 Master Of Destiny
09:Dancing On Air
10:Blood Red Sky
11:The Messenger
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