The Dukes / Lonesome Highway
Lonesome Highway Spielzeit: 47:37
Medium: CD
Label: Fuego, 2010
Stil: Rockabilly, Rock, Country Rock, Rock'n'Roll

Review vom 12.07.2010


Wolfgang Giese
Das Cover, die Atmosphäre, die es verbreitet, der Plattentitel … sofort weckt das Assoziationen. Für mich bedeutet das erst einmal Country/Country Rock, vielleicht Alternative Country. Ist es aber eigentlich nicht.
Die Band aus Bremen benutzt das Element Country aber dann doch, und insofern - gar nicht mal so weit gefehlt! In der Pressemitteilung wird es so dargestellt:
»Lonesome Highway ist das zweite Album der Bremer Band The Dukes. Die Band mischt dabei Roots-Musik, als da wären Rockabilly, Rock'n'Roll, Country und auch erdigen Rock«. Bereits im Jahr 2004 gab es eine CD ("Wrong Side Of The Tracks), mit angeblich 'Anti-Mainstream Country-Outlaw'-Musik.
Mit dem bekannten Titel "Matchbox" von Carl Perkins geht die Reise los. Wir stoßen auf einen tollen Mittelteil, in dem Gitarren und Bass eine rockige Einlage bieten, ich war immer am Überlegen, warum mir das so bekannt vorkommt, bis der Groschen fiel. Bei "Radar Love" von Golden Earring habe ich das gehört.
Typische Countyrstücke sind das nicht, es regiert der Rockabilly, aber mit ganz moderner Ausprägung. Herrlich, wie sich auf "Blue Train" die Gitarre in den Soloparts schön 'schräg' einbringt, das geht eindeutig über das hinaus, was die frühen Rockabilly-Gitarristen zum Besten gaben.
Auf "Lonesome Highway" kann man bereits nach zwei Tracks eine gewisse eigene Ausprägung des 'Themas' feststellen. Nicht ganz überzeugen kann mich der Gesang, obwohl er letztlich als wesentlicher Bestandteil der Musik mit seinem ebenfalls leicht schrägen Ausdruck dann wohl doch stimmig ist. Jedenfalls passt es hundertprozentig auf "Roll Roll Train" des Rock'n'Rollers Hasil Adkins, das sich anhört, wie eine Mischung aus stark rockenden Stray Cats, die eine Session mit Link Wray bestreiten. Ganz hervorragend ist für mich in diesem Zusammenhang das stark an den Becken orientierte Spiel des Schlagzeugers. Dieses 'Scheppern' bringt genau jene Frische der Fünfziger, dieses hohe Maß einer gewissen Authentizität, das mich begeistert.
"Beggin' Time" geht dann doch schon mehr in Richtung Country. Unterstrichen wird das noch durch den Einsatz der Pedal Steel. Der Titel passt in jene Zeit des Aufbruchs, als Gram Parsons und Kollegen einst versuchten, die Country-Szene aufzumischen.
Erste Eigenkomposition, neben weiteren, ist "Careless Man", das sich nahtlos in das Gesamtkonzept einfügt - die bislang sanfteste Nummer. Aber auch hier wunderbar, wie das alles so frisch 'scheppert'.
Der federnd abgehende Track "Honky Tonk Bar" erscheint mir von einem bekannten Stück abgekupfert. Auf jeden Fall kommt er mir sehr bekannt vor. Nicht nur dieser Titel beweist, dass man in der heute hochtechnisierten Studiowelt noch solche unkomplizierte und mit viel Atmosphäre ausgestattete Musik machen kann, die große Leidenschaft atmet. Ein Lob an dieser Stelle von mir!
Track sieben: Das kennt man doch! Genau, war mal ein Hit für Eddie Rabbitt, kennt den noch jemand? Obwohl das Stück relativ gut integriert ist, ist es für mich der einzige 'Fremdkörper'. "Motorbike" ist dann wieder 'direkt auf den Punkt' gespielt, mit einfachen Mitteln kann man auch punkten, hier wird es bewiesen. Ähnliches kenne ich, in etwas brachialerer Form, von den finnischen Hurriganes oder auch die Niederländer New Adventures hatten das drauf.
Noch ein Fremdtitel der ungewöhnlichen Art ist "Straight From The Heart" von Bryan Adams, hier sozusagen 'umgebaut' in ein wildes Rock'n'Roll-Stück. Das hat jedoch den Hauch einer Parodie und sagt mir im Gesamtkontext auch nicht so zu.
Besser kommt da schon das Cover von Hank Williams' "Move It On Over", das näher am Original klebt, als seinerzeit die Interpretation von George Thorogood, der dem Titel eher ein Bluesrock-Gewand verpasste. Perfekt natürlich wieder der Einsatz der Pedal Steel!
Nach dem Instrumental "Chicken", das aber nicht leichtfüßig flattert, sondern sich eher behäbig stampfend durch die Gegend wälzt,. wird mit einem gewissen Augenzwinkern, so scheint es, mit der Eigenkomposition "Lonesome Highway" noch mal ordentlich Präriefeuer gezündet. Nach einem eingespielten Motorstart und einer Radiosendersuche sind wir 'on the road'. Der Song ist klassischer Country-Natur mit 'Herz/Schmerz-Gefühl', die Steel wimmert und begleitet uns auf dem Highway. Dieser Titel steht im Gesamtumfeld dann etwas abseits, belebt aber auch angenehm und gefällt mir gut.
Vornehmlich bleibt jedoch der Eindruck eines modernen Rockabilly-Albums, mit Anklängen an Country-Musik. Aus meiner Sicht ist der Band eine sehr gute Platte gelungen, die von Leidenschaft und Spielfreude zeugt und in ihrer Ausprägung starken Livecharakter aufweist.
Live dürfte die Musik viel Spaß bringen, vielleicht verirrt sich die Band ja einmal hierher, so weit ist es ja nicht ...
Line-up:
Marc Weber (drums, backing vocals, lead vocals - #7)
Markus Nehring (guitar, acoustic guitar, mandolin, backing vocals)
Jens Mörling (lead vocals, guitar, acoustic guitar, harp)
Daniel Fokke (slapbass)
Torsten Gluschke (intro & tambourine - #5, acoustic guitar - #11)
Wolfgang Höfer (pedal steel - #4, 10, 14)
Tracklist
01:Matchbox (C.Perkins)
02:Blue Train (B.Smith)
03:Roll Roll Train (H.Adkins)
04:Beggin' Time (R.Spears)
05:Careless Man (Lipinski/Fokke/Mörling)
06:Honky Tonk Bar (Fokke/Nehring/Mörling)
07:Drivin' My Life Away (Rabbitt/Stevens/Malloy)
08:Motorbike (Fokke/Mörling)
09:Straight From The Heart (Adams/Kagna)
10:Move It On Over (H. Williams)
11.Rock On The Moon (J.Stewart)
12:Long Distance Man (Benz/Starker)
13:Chicken (Lipinski/Fokke/Mörling)
14:Lonesome Highway (Fokke/Mörling)
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