El Hijo De La Aurora / The Enigma Of Evil
The Enigma Of Evil Spielzeit: 42:23
Medium: CD
Label: Minotauro Records, 2015
Stil: (Experimental) Doom Metal

Review vom 19.04.2015


Andrea Groh
Nach Eingabe des Bandnamens El Hijo De La Aurora in eine bekannte Suchmaschine bekam ich auch eine spanische Wikipedia-Seite zum Thema Luzifer angeboten. Denn in der spanischen Bibel ist folgender Satz zu finden »Cómo has caído del cielo, Lucero, hijo de la Aurora!« (deutsche Übersetzung: Wie bist du vom Himmel gefallen, Luzifer, du hell leuchtender Morgenstern!) Zu finden ist das Ganze bei Jesaja 14,12.
2008 in Lima, Peru, gründete Joaquin Cuadra eine okkulte (wen wundert das…) Doom-Band und nannte sie El Hijo De La Aurora. Joaquin blieb über die Jahre der Fixstern/-punkt, während der Rest der Besetzung sich änderte.
2009 erschien das Debüt "Lemuria", gefolgt von "Wicca: Spells, Magic And Witchcraft Through The Ages" (2010) und nun, fünf Jahre später, "The Enigma Of Evil". Inhaltlich geht es auf dieser Scheibe um den Ursprung des Kosmos und die Beziehung zur spirituellen Welt. Als Inspirationsquelle dienten u. a. die Bücher "Isis Unveiled" und "The Secret Doctrine" von Helena Petrovna Blavatsky - zwei Werke, die großen Einfluss auf die Theosophie und Esoterik hatten, wobei manche ihrer Lehren/Aussage nicht unumstritten sind. Interessant, im Zusammenhang mit El Hijo De La Aurora, finde ich zwei Punkte: Ihre Gründung einer Zeitschrift mit dem Titel "Lucifer" und die Reisen nach Tibet. Letzteres weil auf "The Enigma Of Evil" auch tibetanische Klangschalen und Kehlkopfgesang zum Einsatz kommen.
Allerdings erst in der zweiten Hälfte der CD. Die ersten drei Songs könnten durchaus noch als nicht so ungewöhnlichen Doom, mit Gesang in spanischer Sprache, einstufen (netterweise gibt es abgedruckte englische Übersetzungen).
Erst danach wird es recht experimentell und esoterisch. Obwohl alles zusammenhängt, lässt sich die Scheibe schon in zwei Hälften teilen. Das ist auch daran zu spüren, dass bei den ersten drei Songs Jorge Cortes (Mazo) singt, der auch schon beim Vorgänger bei einem Song dabei war, während danach Indrayudh Shome (Queen Elephantine) das Mikro übernimmt, um es schließlich an Ziko Franco Rockefeller zu übergeben, im finalen Track "Guard Of Two Thrones", der auf gewisse Weise einen Ausgleich der beiden vorangegangenen 'Hälften' und damit einen Abschluss schafft.
Bereits die ersten drei Songs haben einen deutlichen 70er-Einschlag und heben sich damit von traditionellem oder Epic Doom ab. Der Sound ist recht rau, die Musik wirkt unsanft, stellenweise fast schon aggressiv, nur teilweise ruhiger, dann mit gewisser okkulter Ausstrahlung. Ist also eher wie ein ungezügeltes Ritual statt doomig-düster oder verträumt.
Wobei "The Buddha From Mars" schon etwas gebremster wirkt als die beiden davor und damit einen Übergang zur nächsten Phase von "The Enigma Of Evil" schafft. Ab "The Awakening Of Kosmos" wird es deutlich sphärischer, der fernöstlich-esoterische Aspekt gewinnt die Oberhand. Die 'Söhne der Dämmerung' lassen das Irdische hinter sich und begeben sich auf andere Ebenen. Die Klangschalen kommen zum Einsatz und das Ganze wird recht abgefahren. Was keineswegs negativ gemeint ist - im Gegenteil, es erfordert jedoch gewisse Aufgeschlossenheit. Dann ist das Außergewöhnliche schon faszinierend.
"Guard Of Two Thrones" zieht dann den Kreis um das Yin und Yang. Zwei Throne, zwei Seiten - der Weg (des Lebens) führt durch viele Dualitäten, die doch Teil des Gesamten sind.
El Hijo De La Aurora haben uns mitgenommen auf eine spirituelle Reise. Es bleibt natürlich jeder/m Hörer/in selbst überlassen, sich tiefer mit dem inhaltlichen Hintergrund zu beschäftigen oder sich einfach nur an einer Doom-Scheibe mit ungewöhnlichen und experimentellen Ansätzen zu erfreuen.
Line-up:
Joaquin Cuadra (drums, fx, bowl)
Anthony (guitars, bass, tibetan bowl, throat singing)
Jorge Cortes (vocals - #1,2,3)
Indrayudh Shome (vocals - #4,6)
Ziko Franco Rockefeller (vocals -#7)
Miguel Angel Yance (Hammond, Woodruffe, Moog)
Tracklist
01:Fohat (6:06)
02:Kyrie Eleison (6:36)
03:The Buddha From Mars (5:26)
04:The Awakening Of Kosmos (4:49)
05:Spirits Of Will (4:35)
06:The Advent Of Ahriman (7:31)
07:Guard Of Two Thrones (7:38)
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