Schwermetall aus Polen? Da denke ich an die mir bisher schon häufig begegneten Bands, die gut amerikanischen Death Metal nachspielen, doch nun habe ich Evangelist, bei denen die Vorlage (schwedischer) Doom Metal zu sein scheint.
Wenn es ein Lehrbuch gibt, in dem es Anleitungen zum Punkt (Epic) Doom Metal, vor allem in schwedischer Tradition, gibt, dann haben die Musiker dort nachgelesen und die ihnen am wichtigsten erscheinenden Punkte abgehakt.
Hm, stand da auch dabei 'Du sollst Dich nicht zu erkennen geben?' - oder ist es in Polen nicht erlaubt, diese Sparte zu spielen? Man möchte anonym bleiben und nur die Musik wirken lassen. Daher gibt es keine Line-up-Informationen.
Gegründet 2008 in Krakow (immerhin das dürfen wir erfahren) erschien 2011 das Debüt "In Partibus Infidelium", gefolgt von "Doominicanes" (cooles Wortspiel aus Doom und Dominicans, also Dominikanern).
Klingt christlich, oder? Ja, tut es. Scheint eins der befolgten Gebote sein: 'Du sollst Doom mit christlichen Texten und ebensolchem Bandnamen spielen'.
Man könnte stellenweise meinen, Evangelist gehen sonntags zusammen mit Griftegard in die Kirche
Schon der erste Track "Blood Curse" basiert auf biblischen Geschichten (inklusive einer gesprochenen Sequenz, die eine Szene aus dem Leben von Jesus wiedergibt), "Pain And Rapture" handelt von der Inquisition und "Militis Fidelis Deus" vom ersten Kreuzzug.
Nächstes Gebot: 'Die Songs sollen mindestens sieben Minuten lang sein'.
Okay, "Pain And Rapture" liegt knapp darunter, dafür hebt das letzte Stück "Militis Fidelis Deus" mit über zwölf Minuten den Durchschnitt.
'Die Musik soll episch und schleppend, dabei harmonisch und melodisch sein. Der Gesang klar und ausdrucksstark. Aber scheue Dich nicht, auch mal ein schönes, gut gespieltes Gitarrensolo einzusetzen'.
Alles wirklich ordentlich erfüllt,
Evangelist haben ihre Lektionen gelernt und beherrschen sie blind. Sie erinnern dabei manchmal an
Candlemass (das gilt ebenfalls für das Bandlogo) oder auch an
Forsaken - gerade der Gesang in "Militis Fidelis Deus":
»We sing Halleluiah Ierusalem Nostrum finem Ierusalem Sanguinamus « - ja diese Passage, die in verschiedenen Varianten vorkommt, hat etwas Erhabenes (man meint förmlich, die Ritter in ihren weißen Gewändern in ergriffener Andacht vor sich knien zu sehen), beeindruckend - selbst wenn man zu den Kreuzzügen eine differenzierte Meinung hat.
Die Inhalte auf "Doominicanes" sind sicher Ansichtssache und neu oder originell ist hier nichts, aber gut gemacht und es wird alles geboten, was der Genrefan sich wünscht, vor allem im großartig gelungenen Abschlusstrack.
Wer mal wieder so richtig in Epic Doom-Klischees baden will, bekommt hier gleich den ganzen See Genezareth geboten.
Schade, dass es das
Doom Shall Rise nicht mehr gibt,
Evangelist hätten nicht nur musikalisch gut auf das Festival gepasst, eine Kirche wäre zudem der perfekte Auftrittsort.