Fahrlässig / Adrenalin
Adrenalin Spielzeit: 44:40
Medium: CD
Label: Better Than Hell, 2012
Stil: Punk

Review vom 24.07.2012


Nadja Feickert
Kennt ihr eigentlich Fahrlässig? Nein? Kannte ich auch nicht, bis deren neues Album "Adrenalin" seinen Weg in meinen Briefkasten fand.
Nach dem ersten Hören die große Frage: Warum kannte ich diese Band nicht? Erst dachte ich, die fünf Jungs aus Rheinberg in Nordrhein-Westfalen seien ein neuer Stern am Himmel der Punkmusik, doch der Schein trügt. Schon seit 2008 lassen es Sänger Benny Götzken, der vom Drummer zum Leadgitarristen umgeschulte Sascha Ehresmann, Gitarrist Pascal Zockoll, Bassist Tobias Närdemann und Drummer Nikita Gollan ordentlich krachen.
Im Gründungsjahr entstand auch Fahrlässigs erste EP "Schluss mit lustig", im Oktober 2009 folgte ihr Longplayer-Debüt "Jede Sekunde zählt". Und nun, 2012, ihr neues Album "Adrenalin", ein Sampler mit zwölf genialen Songs. Einprägsame Texte in Kombination mit fetziger Musik gestalten die Platte abwechslungsreich und hörenswert, seien es nun gesellschaftskritische, Liebes- oder Spaß-Lieder. Was die Kritik an der Gesellschaft anbelangt, drücken Songs wie "Ich hab es satt", "Nichts zu verlieren" und "Stück für Stück" aus, dass man man sich selbst bleiben und sich gegen den ganzen Rest durchsetzen soll.
Ein nennenswertes Zitat aus "Stück für Stück" ist auf jeden Fall »Wenn wir uns einfach fügen, sind wir umsonst geboren«, was man durchaus als Motto der Band ansehen könnte. Ebenfalls finden sich sehr emotionale Songs, beispielsweise "1000 Worte", das einen inneren Konflikt beschreibt, in den man sich sehr gut hineinversetzen kann.
Die Band widersetzt sich dem Klischee des '08/15-Punk-Geschrammels' und zieht vollkommen ihr eigenes Ding durch. Ein Song fällt irgendwie aus dem Rahmen – ein, meiner Meinung nach, sehr schönes und emotionales Liebeslied namens "Kuss" mit Textzeilen wie »Nur ein Kuss von dir und alles ist normal«. Ich kann mich sehr gut in das Lied hineinversetzen, begann beim Hören zu träumen und fühlte mich danach einfach gut. Generell hat man allen Grund, sich bei der Musik der Jungs wohlzufühlen, da sie jedem klar machen, dass er ein Individuum ist und man wird aufgefordert, dies auch zu bleiben und zu sich zu stehen.
Der erste Song, der den Namen des Albums trägt, bewegte mich sofort zu Taten und weckte in mir den Drang nach Adrenalin. Noch dazu lernt man direkt die chemische Formel:
»C9H13NO3 setze ich jetzt frei! Überwältigt von dem Anblick, der den Puls zum rasen bringt. Geleitet durch das Feuer, das durch meinen Körper dringt. Nun betrete ich die Bühne und verspüre diesen Kick. Es ist in mir drin: Adrenalin!«
Das Lied drückt die Leidenschaft am Hobby Musik aus, Spaß an Live-Auftritten, dem Jubel der Fans. Da würde man am liebsten selbst mit auf der Bühne stehen… ;-)
Wobei durchaus zu bemerken wäre, dass Fahrlässig dieses Jahr auf dem Punk im Pott-Festival in Oberhausen dabei sind und die Turbinenhalle hoffentlich ordentlich rocken werden! Ich persönlich werde mir diese Chance nicht entgehen lassen und die Gelegenheit nutzen, mir das Ganze mal live anzusehen und -hören. Bis dahin erfreue ich mich weiterhin am neuen Album.
Lange Rede, kurzer Sinn – einfach ein geniales, individuelles, hörenswertes und rundum gelungenes Album.
Daumen hoch! Iro hoch!!!
Line-up:
Benny Götzken (Gesang)
Sascha Ehresmann (Gitarre)
Pascal Zockoll (Gitarre)
Tobias Närdemann (Bass)
Nikita Gollan (Schlagzeug)
Tracklist
01:Adrenalin
02:1000 Worte
03:Ich hab es satt
04:Für Dich
05:Die Besten
06:Weiter gehen
07:Auf dein Wohl
08:Nichts zu verlieren
09:Traumata
10:Stück für Stück
11:Kuss
12:Feuerrot
Externe Links: