Gamma Ray / Skeletons & Majesties Live
Skeletons & Majesties Live Spielzeit: 57:52 (CD 1), 56:45 (CD 2)
Medium: Do-CD
Label: earMUSIC, 2012
Stil: Power Metal

Review vom 30.11.2012


Jochen v. Arnim
Vier Live-Alben in 24 Jahren? Ist das zu viel oder kann man mit so einem Schnitt leben? Nun ja, ich denke, es gibt immer Gründe dafür oder auch dagegen und grundsätzlich bin ich, als absoluter Fan guter Live-Scheiben, für vornehme Zurückhaltung und gegen den Stakkato-artigen Output im Jahresrhythmus, wie wir ihn von manch einer Band kennen. Dabei spielt es für mich keine Rolle, ob es 'nur' DVDs oder reine Audioscheiben oder Kombinationen sind. Gibt es allerdings einen guten Grund für so eine Veröffentlichung und stimmen obendrein die Aufnahmen qualitativ noch, dann fällt mein Votum positiv aus.
Die Hamburger Power-Metaller von Gamma Ray haben sich einen eben solchen Grund überlegt und ich denke, man kann der Argumentationskette durchaus folgen, warum man nach 1996, 2003 und 2008 nun den vierten Live-Output auf den Markt schmeißt. Nicht nur Insidern dürfte es mittlerweile geläufig sein, dass der langjährige Drummer Daniel Zimmermann die Band zu Beginn des Jahres gegen ein ruhigeres Leben mit der Famile eingetauscht hat. Ersetzt wurde er zwischenzeitlich nach einigen 'Ersatzeinsätzen' nun auch ganz offiziell von Michael Ehré (u. a. Metalium, Uli Jon Roth, Firewind). Die letztjährige Tour stellte somit auch quasi seine Abschiedsvorstellung dar und man hat sich eine Show dieser Tournee herausgepickt, um sie audiovisuell für die Nachwelt festzuhalten. Das Z7 im schweizerischen Pratteln wurde ja schon öfter mal für solche Produktionen als geeignet erkoren und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Laden soundmäßig für alle Eventualitäten gerüstet ist. Am 29. April 2011 war es dann so weit und die Aufnahmegeräte zeigten allesamt grünes Licht.
Neben Zimmermanns Ausstieg war die vergangene Tour zudem mit einer etwas anderen Playlist gesegnet. Nix war's mit drei Songs vom aktuellen Album, einer Handvoll alter Kracher und dann noch einer schnellen Zugabe. Man hatte ganz bewusst einen Schwerpunkt auf Titel gelegt, die bei Live-Darbietungen in den vorausgegangenen Jahren immer etwas unterrepräsentiert gewesen waren. Natürlich wurde nicht komplett auf die Publikumslieblinge verzichtet und so gab es für die Anwesenden eine gute und ausgewogene Mischung zu hören und zu sehen. Mit dieser vorliegenden Doppel-CD erscheint das Konzert zeitgleich auch auf DVD und BRD, beide mit den üblichen Boni aus weiteren Songs, den obligatorischen Behind The Scenes-Aufnahmen und Interviews mit den Bandmitgliedern.
Zur Komplettierung griff man auch bei dieser Tour wieder auf den Keyboarder Corvin Bahn (u. a. PP's Jane, Crystal Breed) zurück, der sich ja auch bereits auf dem letzten Regelwerk der Band To The Metal verewigen durfte. Und weil man mit alten Traditionen und ebensolchen Freundschaften nicht brechen soll, ist Frontmann Hansens ehemaliger Helloween-Kollege Michael Kiske erneut als Gastsänger engagiert worden. Für drei Songs ("Time To Break Free", "A While In Dreamland" und "Future World") kommt er auf die Bühne und erweist der Band und dem Publikum die Referenz.
Die Mischung der Setliste ist in meinen Augen, bzw. Ohren sehr gelungen, wie mit den angesprochenen 'selteneren' Stücke wie z. B. "Wings Of Destiny" oder auch "The Spirit" aus den neunziger Jahren, ebenso wie "Hold Your Ground" vom Debütalbum "Heading For Tomorrow" aus 1990. Ein paar akustische Gitarren-Einsprengsel gibt es mit dem fast schon episch vorgetragenen "Rebellion In Dreamland" oder unmittelbar darauf bei "Send Me A Sign". Das Publikum singt hundertfach mit und die Abwechslung zum sonstigen elektronisch verstärkten Power Metal kommt richtig gut. Neben den alten Sachen wird natürlich auch Material aus der jüngeren Vergangenheit bedacht. So haben es "Insurrection" von der Land Of The Free II aus 2007 oder auch "Rise" vom bereits erwähnten letzten Album auf die Setliste geschafft. Mit "Gamma Ray" (was auch sonst) wird zudem gecovert, inklusive des prägnanten Synthesizer-Intros und allem Zipp und Zapp. Der altbekannte Song der deutschen Rock-Legende Birth Control hatte bereits 1993 einen Platz auf der Studioscheibe "Insanity And Genius" gefunden und wird hier in der Gamma Ray-Version echt kernig intoniert.
Mit der genialen Zugabe, bestehend aus "Insurrection" (auf die richtig guten mehr als zwölf Minuten ausgespielt) und dem nur unwesentlich weniger epischen endgültigen Rausschmeißer "Future World", erneut in Kiske'scher Begleitung und mit kleinen Anleihen beim King, geht eine tolle Show zu Ende, bei der ich gern zugegen gewesen wäre - ich kann es nicht anders sagen. Was für Gründe auch immer für die früheren Live-CDs gesprochen haben mögen, das neue Werk ist richtig gut gelungen und eignet sich natürlich nicht nur für den ausgewiesenen Gamma Ray-Fan. Der Sound in Pratteln schien stimmig gewesen zu sein, der auf dem silbernen Endprodukt ist es jedenfalls. Die Songauswahl passt ohnehin - endlich mal etwas anderes als der übliche Aufwasch altbekannter Hits, wie wir es ja in fast jedem Genre so überaus häufig finden. Etwas störend für das subjektive Hörempfinden und das 'echte' Live-Feeling sind die manchmal etwas zu deutlichen Übergänge bei den Songs - da gab es doch so einen Crossfade-Reglerů Ansonsten bleibt nur ein fettes: Well done, Rrrrrayzzzz!
Line-up:
Kai Hansen (vocals, guitar)
Henjo Richter (guitar)
Dirk Schlächter (bass)
Daniel Zimmermann (drums)
sowie:
Corvin Bahn (keyborads)
Michael Kiske (vocals - #1/9,2/5,9)
Tracklist
CD 1:
01:Welcome
02:Anywhere In The Galaxy
03:Men, Martians And Machines
04:The Spirit
05:Wings Of Destiny
06:Farewell
07:Gamma Ray
08:Money
09:Time To Break Free
10:Rebellion In Dreamland
11:Send Me A Sign
CD 2:
01:Induction
02:Dethrone Tyranny
03:Watcher In The Sky
04:Hold Your Ground
05:A While In Dreamland
06:Rise
07:Brothers
08:Insurrection
09:Future World
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