Helstar / The Order Of Chaos / Emerald
07.09.2012, Live-Music-Hall, Mörlenbach-Weiher
Live-Music-Hall, Weiher
Helstar, The Order Of Chaos, Emerald
Live-Music-Hall
07.09.2012
Konzertbericht
Stil: Heavy Metal


Artikel vom 24.10.2012


Marius Gindra
Tourbus Mindestens einmal im Jahr ist es für meinen Kumpel Giovanni und mich schon geradezu Pflicht, der rustikalen Live-Music-Hall in Weiher, einer der wohl gemütlichsten und schönsten Konzertlocations dieser Republik, einen Besuch abzustatten. Nachdem wir James Rivera bereits 2010 dort bewundern durften, als er mit seiner Coverband
Sabbath Judas Sabbath auftrat, kehrte er 2012 mit seiner Hauptband Helstar zurück, was natürlich nicht ohne unsere Anwesenheit über die Bühne gehen durfte. Anlass für die Europa-Rundreise war das 30-jährige Jubiläum des Quintetts, das man wohl kaum besser feiern kann, als in einem der Metal-fanatischsten Länder dieses Planeten. Es sollte zudem mein erstes vollständiges Konzert der US Metal-Götter werden, weil ich meine erste Chance auf dem HOA 2009 mehr oder weniger in den Sand setzte, da man sich in der jugendlichen Naivität lieber ein paar Hopfenkaltschalen als einer der besten Metal-Bands jenseits des großen Teiches hingab. So, here we go!
Emerald Den Anfang machten an diesem Abend um halb 9 Emerald aus der Schweiz, die mit "Unleashed" gerade ein sehr feines Album über Pure Steel Records herausgebracht haben. Leider war die Spielzeit mit rund 30 Minuten ziemlich knapp bemessen, sodass gerade mal ein paar Songs des neuen Scheibchens und - wenn mich nicht alles täuscht - noch ein Song des Vorgängerwerkes Re-Forged zum Zuge kamen. Die Bühnenoptik wirkte professionell; seitlich aufgestellte Banner hat nicht jede Band, die gerade mal den Opener mimen darf. Ihr neuer Frontmann Thomas Winkler entpuppte sich außerdem auch live als talentiertes Goldkehlchen, das stimmlich zum melodischen Power Metal des Sextetts (zwei Gitarren, ein Keyboarder...) wie angegossen passt; mal abgesehen von der schrecklichen Seitenscheitel-Frisur.
Anschließend folgten The Order Of Chaos; eine Band, die ich seit der ersten Begegnung mit ihrem Zweitwerk "Burn These Dreams" völlig grausam finde und im Metal Command-Review mit 4,5 Punkten abgestraft habe. Ihre Frontdame Amanda (an diesem Abend mit Rammstein-Shirt...) ist optisch sicherlich nicht zu verachten, doch der mir viel zu moderne, abgedrehte Kreisch-Flenn-Metal will mir einfach nicht ins Ohr gehen. Nach dem Opener "Sexwitch", ein neuer Song, habe ich mich lieber aus der Halle verzogen und das vereinbarte Helstar-Interview mit James und Gitarrist Jerry Barragan wahrgenommen.
Helstar Um etwa 22:20 Uhr wurde es dann jedoch ernst: Lichter aus, Intro an. Ganz schnell in die erste Reihe, an den Monitorboxen festgeschnallt und für rund 100 Minuten alles andere auf dieser Welt vergessen! Mit "Angels Fall To Hell", dem Opener des letzten Albums Glory Of Chaos, stiegen die Texaner ein, es folgte gleich darauf die "Dark Queen" von "Remnants Of War". Sicherlich sind die thrashigeren, neuen Songs ebenso allerfeinste Hausmannskost, doch wenn etwas von Album eins bis vier angestimmt wurde, flippte der Saal, mit schätzungsweise 100 Gästen zufriedenstellend gefüllt, erst richtig aus! Die Setlist an sich war gut durchmischt: Sowohl die Reunion-Phase als auch die alten Sachen kamen in etwa gleichberechtigt zum Zuge, der 95er-Output "Multiples Of Black" wurde jedoch - bis auf "Good Day To Die" - komplett übergangen. Mein Show-Highlight war eindeutig mein persönlicher Lieblingssong der Band: "Winds Of War"! Eine solch ergreifende, kraftvolle US-Power Metal-Halbballade können wirklich nur ganz wenige schreiben und wenn das dann selbst 24 Jahre später mit solcher Hingabe und Feingefühl intoniert wird, muss sich bei einem echten 'Metalwarrior' doch eine meterdicke Gänsehaut bilden! Am Sound gab es auch nichts auszusetzen, James war stimmlich fast immer auf der Linie und kommunizierte viel mit den vorderen Reihen, Bassist Larry sprang wie von der Tarantel gestochen und bangend über die Bretter und Jerry konzentrierte sich zwar meist auf sein Gitarrenspiel, wirkte dabei aber völlig entspannt und cool.
Setlist Nach der letzten Zugabe "Run With The Pack" hätte dann eigentlich laut Setlist endgültig Feierabend sein sollen, doch da die Rufe nach mehr nicht enden wollten, entschlossen sie sich, außerplanmäßig den Titeltrack ihres "Burning Star"-Debüts nachzuschieben, was dann auch die allerletzten Kraftreserven forderte und uns um ziemlich genau Mitternacht durchgeschwitzt, mit steifem Nacken, aber rundum glücklich in eine kurze Nacht entließ. Am nächsten Tag sollte nämlich noch das Swordbrothers Festival in Andernach anstehen.
Fazit: Wollen wir mal hoffen, dass uns der 'Höllenstern' noch dreißig weitere Jahre erhalten bleibt und auf der nächsten Tournee dann auch wieder mehr von "Remnants Of War" ins Set aufnimmt. Denn gerade mal zwei Songs dieses Klassikers ("Dark Queen", "Evil Reign") sind doch eine etwas schwache Quote, was jedoch auch den einzigen Kritikpunkt des Abends darstellte.
Wie jedes Mal in Weiher war auch dieses Package wieder ein Abend, an den ich mich auch noch in einigen Jahrzehnten sehr positiv zurückerinnern werde. Wer gerne mal der unterstützenswerten 'Hall' einen Besuch abstatten möchte, kann auf unten stehenden Link gehen. Vielen Dank an Caschi für den Eintrag auf der Gästeliste!
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