Peter Krause
A Rock 'N' Roll Fantasy
A Rock 'N' Roll Fantasy Text: Peter Krause
Illustrationen: Jan Borchert
127 Seiten, Hardcover
Medium: Buch
Erschienen im Parthas Verlag, Berlin, 2006
ISBN: 978-3-86601-432-9, EUR 19,80

Review vom 01.01.2008


Jürgen Bauerochse
Sie gehören seit ungefähr vier Jahrzehnten zum festen Stamm in der Rockmusik und schafften nie den Sprung nach ganz oben in die Eliteliga dieses Genres. Oft genug waren sie nah dran zu absoluten Superstars zu werden, doch immer wieder standen sie sich dabei selbst im Wege.
Die Rede ist von den Kinks, jener Band aus dem Norden Londons, die gleich am Anfang ihrer Karriere mit "You Really Got Me" einen der wegweisendsten Hits verbuchen konnte, den die Rockmusik je hervorgebracht hat. Dieser Song beeinflusste den Hardrock genau so, wie später den Heavy Metal und öffnete damit vielen Gruppen die Tür zu einer erfolgreichen Karriere. Es folgten noch zahlreiche andere Top-Hits, die den Weg in die Charts fanden. Hier seien z.B. "Lola", "Apeman" und "Death Of A Clown" erwähnt, um nur einige der bekanntesten Songs zu nennen.
So sah also alles nach einer weiteren 'Supergroup' in der Beat- bzw. Rockmusik aus, doch immer wieder gab es Probleme, an denen die Musiker, speziell Bandleader Ray Davies, oftmals selbst stark beteiligt waren. Vieles aus dem Umfeld der Kinks blieb aber auch undurchsichtig und geheimnisvoll und war für die Fans der Gruppe somit nicht zu verstehen. So tauchten immer wieder Gerüchte um personelle Umbesetzungen, Trennungsspekulationen oder einem Ausstieg von Ray Davies in der Presse auf und sorgten permanent für Unruhe.
In dieses Klischee passt auch die Frage, ob die Band überhaupt noch existiert, denn es gab nie ein offizielles Statement über einen Split, obwohl die letzte Tour im Jahr 1995 stattfand und seitdem musikalisch absolute Funkstille herrscht.
Darüber kann der Autor dieses Buches, Peter Krause, natürlich auch keine verbindliche Antwort geben, denn über das Thema sind sich wahrscheinlich nicht mal Ray und Dave Davies so richtig im Klaren.
Über alles Andere kümmert sich der Autor in dieser ersten deutschsprachigen Bandbiografie aufs Genaueste. In akribischer Feinarbeit geht er auf jede einzelne Single und jedes Album ein. Dabei vermittelt er nicht nur einen Überblick über die musikalischen Veränderungen, die von den Kinks in den dreißig Jahren ihrer Studioarbeit vollzogen wurden, sondern geht auch in aller Ausführlichkeit auf die Texte der Songs ein, die bei dem genialen Komponisten Ray Davies eine gewichtige Rolle spielten.
In aller Offenheit spricht Peter Krause aber auch die totalen Flops und alle zweitklassigen Produktionen an und lässt dadurch nie den Eindruck aufkommen, die Kinks seien eine Band ohne Fehl und Tadel. Diese Tatsache verleiht der Biografie ein hohes Maß an Objektivität und Glaubwürdigkeit, und macht das Buch zu einem wertvollen und lesenswerten Werk in Sachen Rockmusik-History.
Neben der musikalischen Aufarbeitung gibt es selbstverständlich auch einen Rückblick auf die bandinternen Probleme, mit denen die Kinks immer wieder zu kämpfen hatten. Das divenhafte Auftreten von Ray Davies, die gewalttätigen Ausbrüche seines Bruders Dave, die Degradierung der restlichen Musiker zu reinen Statisten ohne jedes Mitspracherecht, alles wird angesprochen und faktisch belegt.
Konzerte der Band, teilweise perfekt, teilweise unter aller Kanone, zeigen die Kinks in verschiedener Tagesform. So macht Peter Krause ganz deutlich, dass auch Musiker nur Menschen mit Stärken und Schwächen sind.
Einen wichtigen Teil dieser Biografie nimmt auch das Verhältnis zwischen den Künstlern und ihren Plattenlabels ein. Ein Problem, das wohl alle Rockbands hatten und bis heute haben. Auch hier gelingt es Krause perfekt, die Schwierigkeiten darzustellen, die die Kinks jede Menge Kohle kosteten und ihrem Aufstieg oft genug im Wege standen.
Nach dem Studium des Buches kann sich der geneigte Leser ein wirklich umfassendes Bild über eine Band machen, die eine wichtige Rolle in der Rockgeschichte spielte und vielleicht auch noch spielen wird. Es wurde allerhöchste Zeit für eine Kinks-Biografie in deutscher Sprache, denn die Gruppe hat auch in Germany jede Menge Anhänger gefunden. So hat Peter Krause eine weitere Lücke in der Musikhistory geschlossen und das ist ihm in nahezu perfekter Manier gelungen.
"A Rock 'N' Roll Fantasy" wird vervollständigt durch den kompletten Stammbaum der Band und der Diskografie aller Singles und Alben einschließlich der jeweiligen Chartplazierungen und Abbildungen der Cover. Außerdem enthält die Biografie zahlreiche Presseartikel und Werbeanzeigen aus dreißig Jahren Geschichte der Kinks. Begleitet wird der ganze Text mit sehr treffenden und gelungenen Illustrationen zum Thema von Jan Borchert.
Dieses Werk ist für Kinks-Fans ein Pflichtkauf, und auch alle Rockmusik-Anhänger sollten sich die Lektüre nicht entgehen lassen. Es gibt viel bisher Unbekanntes zu entdecken.
Glückwunsch zu dieser sehr gelungenen Arbeit!
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