Sterling Koch / Let It Slide
Let It Slide Spielzeit: 47:58
Medium: CD
Label: Full Force Music, 2013
Stil: Slide Blues, Blues Rock

Review vom 25.06.2013


Joachim 'Joe' Brookes
"Let It Slide" ... der Albumtitel ist hier Programm. Sterling Koch (sprich: Cook) kommt aus Pottsville (Pennsylvania) und hat inklusive vorliegender Platte bereits dreiundzwanzig Tonträger veröffentlicht. Es begann 1982 mit "Don't Need You Anymore", einer in Eigenproduktion erschienenen 7". Die B-Seite enthält ein Cover des Beatles-Songs "Tomorrow Never Knows". Neben LPs wurden auch Kassetten auf den Markt gebracht. Die Vorgänger von "Let It Slide" waren "Victory In Heaven Blues" (2009), "Steel Guitar Blues" (2010) und "Slide Ruler"aus dem Jahr 2011. Letztgenanntes Album wurde zusammen mit Double Trouble-Bassist Tommy Shannon (Stevie Ray Vaughan) sowie Schlagzeuger Chet McCracken (Doobie Brothers) eingespielt. Sterling Koch ist eine echte Entdeckung, auch wenn man hier nicht mit großen Namen der Blues-Szene aufwarten kann. Tieftonzupfer Gene Babula und Drummer John Goba erweisen sich als eine tolle Rhythmusabteilung. Der Lap Steel-Gitarrist hat Konzerte von Blackfoot, Rick Derringer oder Savoy Brown eröffnet und hatte auch schon Kontakt mit Robert Randolphs Mentor Calvin Cooke.
Wenn man "Let It Slide" in Rotation versetzt, kommt unweigerlich Stimmung vor den Lautsprechern auf. Ganze dreizehn Songs werden geboten. Davon sind acht Eigenkompositionen. Wenn es ganz allgemein um die Slide-Gitarre geht, darf ein Elmore James nicht fehlen. Sterling Koch hat einen seiner sehr bekannten Titel ("It Hurts Me Too") im Programm. Außerdem zitiert er unter anderem zweimal Lieder von Doyle Bramhall (einmal mit Doyle Bramhall II geschieben) beziehungsweise Rick Vito ("My Baby's Hot").
Ohne Zweifel, die Songs haben Anspruch und gehen sehr geschmeidig ins Ohr. Ganz gleich ob mit seinen eigenen Kompositionen oder den Coversongs, Sterling Koch baut richtig gute Laune auf. Er verbindet sein dynamisches Slide-Spiel auch noch mit dem Einsatz von diversen Soundeffekten. Der so erzeugte Druck in den Nummern ist unverkennbar. Bassist Gene Babula sowie John Goba am Schlagzeug kreieren einen mächtigen Beat und von dem Groove kann sich keiner entziehen.
Klar, den "Mercury Blues" haftet man wohl in erster Linie David Lindley, ebenfalls einem Slide-Könner, ans Revers. Sterling Koch lässt dem Stück in Sachen Tempo etwas mehr Zeit, sich zu entfalten. So oder so gibt es ein willkommenes Wiederhören mit diesem Lied. Wie aus der Biografie des Musikers hervor geht, hat er sich auch auf den Chicago-Style des Blues spezialisiert. Ohrenfällig schwappt einem da in "Blow My Mind" gleich eine große, mit tollen Klangspielereien ausgestattete Welle Blues aus der Windy City entgegen. Sterling Koch ... der Mann ist richtig gut und kann obendrein auch noch mit seiner guten Stimme punkten.
Mit "I Don't Know Why" gleiten wir in den nächsten vom Künstler geschriebenen Track und spätestens hier ist man vom 12-Takter-Gefühl des Musikers überzeugt. Mit seinem voll auf Slide-Gitarre eingestellten Temperament haut er einen aus den Schuhen. Sterling Koch ist einer der richtig guten Lap Steeler der Szene. Respekt! Alles was rockt ist klasse. Und was ist mit Balladen? Er schiebt das Instrumental "Lonely Avenvue" zwischen zwei Uptemponummern und jetzt lässt er sein Arbeitsgerät echt sentimental klingen. Hut ab, hier kommt Freude auf. Freunde dieser Spielart kommen bei "Let It Slide" voll auf ihre Kosten. Der Zwölftakter fließt mit Schmackes aus jeder Pore des Musikers. Selbst beim mit einem Spritzer Rock'n'Roll versehenen Eigengewächs "I Wanna Be Your Driver" passt alles sehr gut zusammen. Der Schlusspunkt der Platte "Working Man's Blues" drückt voll auf die Tube. Nach dem letzten Ton ist dann wieder der schnittige, zweiteilige Opener "Shape I'm In" angesagt.
Ganz allgemein wäre von Interesse, wie der Amerikaner ein ganz spezielles Thema aufbereitet, denn im Jahr 2000 hat er "Acoustic Christmas" auf den Markt gebracht. Blues im weihnachtlichen Gewand war immer schon etwas Besonders.
"Let It Slide" ist ein tolles Album. Mit seinem Slide-Spiel synchronisiert Sterling Koch die vielfältige Welt des Blues.
Line-up:
Sterling Koch (lap steel guitar, vocals, guitars)
Gene Babula (bass)
John Goba (drums)

With:
Larry Adam (keyboard - #12)
Jennifer Dierwechter (backing vocals - #13)
Tracklist
01:Shape I'm In (Part 1) (1:00)
02:Shape I'm In (Part 2) (3:50)
03:Wrong Side Of The Blues (3:28)
04:Mercury Blues (3:55)
05:Blow My Mind (3:47)
06:It Hurts Me Too (4:18)
07:Too Sorry (3:42)
08:I Don't Know Why (3:17)
09:Lonely Avenue (3:25)
10:My Baby's Hot (4:59)
11:I Wanna Be Your Driver (3:07)
12:I Only Want To Be With You (5:36)
13:Working Man's Blues (3:31)
Externe Links: