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Der mittlerweile in Los Angeles beheimatete Ted Russell Kamp machte eigentlich von Anfang an sein eigenes Ding. Zumindest, was seine Solo-Karriere betrifft. Zur Veröffentlichung seines ersten
Albums "Dedications" (1996) gründete er sein eigenes Label PoMo (Poetry Of The Moment) Records und bringt seine eigenen Geschichten grundsätzlich eigenständig unters Volk. Davon abgesehen hat er in mittlerweile nicht mehr zählbaren Bands gespielt und sich vor allem einen Namen als superber Bassist gemacht, der nicht nur für viele Studio-Sessions, sondern auch für die Hausband von TV-Shows verpflichtet wurde.
Ein weiterer Meilenstein seines musikalischen Weges war Shooter Jennings im Jahr 2003 kennen zu lernen und seither in dessen Band zu spielen. Neben der Studiozeit und den endlosen Tourneen mit Jennings fand er aber immer wieder Zeit, um seine eigenen Alben auf die Reihe zu bekommen. So erblickten der Reihe nach "North South" (2005), "Nashville Fine Line" (2006) und schließlich das mir nun vorliegende "Divisadero" (2007) das Licht der Welt.
Kamp gewinnt dabei fast von vornherein durch sehr geschicktes, eingängiges Songwriting, einen wunderbar warmen Sound und das gewisse Etwas in der Stimme. Dazu bemerkt der erstaunte Leser des Booklets, dass Ted Russell Kamp bis auf das Schlagzeug und einige Gastbeiträge sprichwörtlich das komplette Album eigenständig eingespielt hat. Eine locker riffende Gitarre gepaart mit relaxtem Western-Swing gefällt bei "Another One Night Stand", bei dem man die Geister von Leon Russell und Guy Clark sprichwörtlich über den Boxen der Anlage aufleuchten sieht.
Viel Gutes bietet uns der Meister Kamp mit Gassenhauern wie dem flotten Opener "Swinging Doors", einem nachdenklichen "Gypsy's Tune" oder auch spritzigerem wie "Can't Go Back" und "Broke And Still Breaking". Mit Jessi Colter steht der erste Gaststar bei "Looking For Someone" auf der Matte. Gebracht wird eine getragene Ballade, inklusive einer Gänsehaut fabrizierenden, geradezu flennenden Lap Steel. Der Track profitiert durchaus aufgrund der Mitwirkung einer Ausnahme-Sängerin wie der Colter (die leider fast ein wenig zu sehr in den Hintergrund gemischt wurde).
Eine Selbsterklärung und praktisch die Ode an sein Ego stellt "Music Is My Mistress" dar, gebracht in feinstem Country-Balladen-Stil. Walzer-ähnlich rollt Kamp hier sein inneres Ich von hinten auf. Was den Mann so gut macht, ist, dass er nie prätenziös oder aufgesetzt, sondern vielmehr immer ehrlich zu sich selbst wirkt. Als zweiter Gast-Star greift dann noch sein Hauptbrötchen-Geber Shooter Jennings bei "Better Before You Were Big Time" ins Geschehen ein. Eher ironsich (und mit Witz) setzen sich die beiden Protagonisten hier mit dem ewigen Vorwurf von gewissen Fans der ersten Stunde auseinander, dass man doch alles soviel besser gemacht hätte, als man noch unbekannt und Underground war.
Den Abschluss einer starken Scheibe bildet "The Road Keeps Getting Longer", eine typische Ballade über die zu einem gewissen Punkt einsetzende Orientierungslosigkeit, wenn man für zu lange Zeit auf Tour ist und irgendwann einfach nicht mehr weiß, wo, wer und warum man eigentlich ist. Das bestimmende Instrument ist hier eine gefühlvolle Dobro, die das Album neben anderen akustischen Saiteninstrumenten eher nachdenklich und melancholisch ausklingen lässt.
Auf seiner MySpace-Seite hat Ted Russell Kamp seine Einflüsse aufgezählt. Neben den bereits erwähnten Guy Clark und Leon Russell finden sich da auch noch viele weitere RockTimes-Lieblinge wie etwa Little Feat, The Band, Kris Kristofferson, Lucinda Williams, The Bastard Sons Of Johnny Cash oder Delaney & Bonnie. Seltsamerweise fehlt dort aber ein Name, dem Kamp vom Stil und seinem Gesang eigentlich am nächsten steht. Nämlich kein geringerer als Steve Earle, der aber sicherlich auch nichts anderes als lobende Worte für den Wahl-Kalifornier übrig hätte.
"Divisadero" verdient sich durch eine saubere und gefühlvolle Einspielung, überdurchschnittliches Songwriting, die warme und clevere Produktion sowie seine sympathische Ausstrahlung gute 7,5 von 10 RockTimes-Uhren. Ich kann dieses Album besten Wissens empfehlen! Und wer Gefallen daran findet, der darf sich bereits auf das brandneue Werk "Poor Man's Paradise" von Ted Russell Kamp freuen, das bereits im nächsten November erscheinen wird.
Line-up:
Ted Russell Kamp (lead vocals, bass, guitars, lap steel, bouzouki, mandolin, accordion, wurlitzer electric piano, Hammond organ, percussion, trumpet, trombone)
Eugene Edwards (6- and 12-string guitars #1 - 5, 7 - 10)
Eric Heywood (pedal steel #2, 3)
Bryan Keeling (snare drum #11)
Tony Paoletta (pedal steel #5, 9)
Leroy Powell (dobro #11, background vocals #6)
Mike Sessa (drums #1,2, 7, 8, 9, 10)
Avi Sills (drums #3, 4, 5)
Gina Villalobos (background vocals #5, 8)
Michael Webb (Hammond organ #9, 10)
Brian Wheelan (electric piano #4, 5, 7, 10, background vocals #1, 7)
Jessi Colter (lead vocals #9)
Shooter Jennings (lead vocals #10, electric piano #11)
| Tracklist |
01:Swinging Doors
02:Gypsy's Tune
03:Broke And Still Breaking
04:The Last Time I Let You Down
05:Close Your Eyes
06:Music Is My Mistress
07:Another One Night Stand
08:Can't Go Back
09:Looking For Someone
10:Better Before You Were Big Time
11:The Road Keeps Getting Longer
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Externe Links:
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