Floyd Lee & His Mean Blues Band
Full Moon Lightnin'
Full Moon Lightnin'
Eine Vielzahl von Bluesern begeben sich ins Studio und nehmen dort eine CD live auf, wenn möglich alle Musiker in einem Raum. Einige verwenden historische Aufnahmetechniken und ebensolches Equipment. Die Resultate sind beeindruckend, fühlt man sich doch in die guten, alten Zeiten des Blues zurück versetzt. Kein Hightech, kein Schnickschnack, neben dem Bluesfeeling einfach nur pures Studiofeeling...
Und nun kommt ein Floyd Lee mit seiner Mean Blues Band daher und krönt seine bisherige Karriere mit "Full Moon Lightnin'".
Am Schlagzeug Sam Carr (Jahrgang 1927), ansonsten Drummer bei den Delta Jukes, Brad Vickers am Bass, der einige Alben mit dem Muddy Waters-Pianisten Pinetop Perkins eingespielt hat und mal bei Hubert Sumlin den Tieftöner bediente und mit Joel Poluck, der bei weitem Jüngste im Bunde, an der elektrischen (Slide-) Gitarre.
Die Vorgeschichte eines Floyd Lee macht transparent, warum es zu den Aufnahmen zu "Full Moon Lightnin'" kam.
Geboren 1933, wuchs Floyd die ersten 10 Jahre seines Lebens in Lamar, Mississippi, unweit von Holly Springs, bei seinen Adoptiveltern auf. Seinen Adoptivvater, in der lokalen Bluesszene bekannt als Guitar Floyd, hörte er natürlich öfters spielen, u.a. zusammen mit dem jungen Guitar Slim.
Er ging in Memphis zur Schule, die sich in der 'Beale Street' befand. Anhänger des Blues, wissen, welch superbe Adresse das ist. Als Floyd im Kirchenchor sang, war der Prediger so überzeugt von ihm, dass Lee von ihm seine erste Gitarre geschenkt bekam, eine 'Gibson T125'. Den Verstärker baute er sich zu einer mobilen Anlage um, indem er das Teil an eine Batterie anschloss. So konnte er in den Straßen auch ohne elektrischen Strom spielen.
In den 70ern zog er nach New York (Harlem). Er machte sich dort einen Namen als King of Harlem, Mississippi Delta Blues oder Bluesman. Floyd Lee hat stets über die 30 Jahre in New York mit langem Atem und viel Geduld seinen Blues gespielt.
Auf der Suche nach seiner Familie kehrte er 2003 nach Lamar zu seinen Wurzeln zurück. Während eines Besuchs in Clarksdale ging er in Jimbo Mathus' Studio, das sich im legendären 'WROX'-Gebäude befindet. Von 1948 bis 1954 hatte Early Wright dort seine Blues-Radio-Show und Leute wie Robert Nighthawk, Sonny Boy Williamson (1 und 2), Robert Lookwood Jr., B.B. King, Elvis Presley und Ike Turner waren seine Live-Gäste.
Und in eben diesem Studio, in dem vieles noch an die damalige Zeit erinnert, nahm Floyd Lee zusammen mit der Band ein im wahrsten Sinne des Wortes klassisches Blues-Album auf.
Er wollte es so, es sollte so wie in seiner Jugend klingen, down-home eben.
Das ist ihm perfekt gelungen. Zwei Mikrofone, das Aufnahmegerät in Betrieb setzen und los ging's am 20.10.2003. Obendrein steht auf der CD dick und fett 'mono'.
Songtechnisch geht es die lange Liste der bekannten und weniger bekannten Blueser einmal rauf und wieder runter. John Lee Hooker, Tampa Red, Willie Dixon, Ray Charles und und undů
Im Zusammenhang mit Floyd Lees Vita und der Vorgeschichte zu diesem Album ist das allemal erlaubt. Diejenigen, die auf der Seite derer stehen, die sagen: "Schon wieder eine CD mit Coversongs...", sollten sich bei "Full Moon Lightnin'" bedeckt halten. Hier, in diesem Kontext macht das bedingungslos Sinn.
Joel Poluck hat "Lights Out (Baby I Don't Wanna Fight)" Lee auf den Leib geschrieben. Der Song reiht sich nahtlos in Reihe der traditionellen Tracks ein.
Der gesamte "Full Moon Lightnin'"-Inhalt ist durch die Bank empfehlenswert. Selbst die knappen 2 Minuten "Red Rooster" (Lee solo) haben es in sich. Sam Carr am Schlagzeug: Das klingt fast schon übertrieben weil er sein Arbeitsgerät höchst dezent einsetzt. Weniger ist hier mehrů
Auch Brad Vickers am Bass geschränkt sich auf das Notwendige.
Joel Poluck ergänzt Flody Lees Gitarre kongruent. Polucks Slide-Gitarre klingt so relaxt und dreckig und sorgt zusammen mit Lees Gesang (im Alter gereift) für die Highlights auf der Disc. Das kurze Intro in "It Hurts Me Too" sollte als Beleg heran gezogen werden.
Als Bonbon enthält die CD mit "Mean Blues" einen Bonustrack, knapp 8 Minuten lang, der auch als Video ('Quick Time') abgespielt werden kann. Das Video bleibt mir auf meinem Heim-PC leider vorenthalten. "Mean Blues" hören ist möglich und ein zusätzlicher Genuss. Wofür habe ich im Büro einen PC Marke 'angebissener Apfel'? Um "Mean Blues" in Wort und Bild zu genießen. Neben den Aufnahmen in Studio kann man sich an herrliche Impressionen aus dem Delta laben.
"Full Moon Lightnin'": Im Retro Gewand den Blick nach vorne gerichtetů
Uneingeschränkt empfehlenswert!!!!


Spielzeit: 47:13, Medium: CD, Amogla Records, 2004
1:Full Moon Lightnin' (3:52) 2:Lights Out (Baby I Don't Wanna Fight) (3:13) 3:Mean Ol' Frisco (4:04) 4:It Hurts Me To (4:25) 5:Crawlin' Kingsnake (3:19) 6:Don't Answer The Door (5:15) 7:Come Back Baby (3:41) 8:The Red Rooster (1:59) 9:You're So Sweet (2:35) 10:Key To The Highway (3:58) 11:You Don't Have To Go (2:05) Bonus Track & Video: Mean Blues (7:53)
Joachim P. Brookes, 08.05.2006