Laneslide / Flying High
Flying High Spielzeit: 46:41
Medium: CD
Label: Avenue of Allies, 2013
Stil: Melodic Rock

Review vom 19.05.2013


Jochen v. Arnim
Brunorock im neuen Gewand? Neuer Sänger, neuer Name? Oder doch alles ganz anders? Klären wir mal auf.
Anno 2009 brachte der Italiener Bruno Kraler unter dem Namen Brunorock das Scheibchen
War Maniacs auf den Markt, das nach dem vorausgegangen Live-Album bereits sehnlich erwartet worden war (aber auch die drei Alben davor konnten sich durchaus sehen lassen). Alle damals involvierten Musiker finden wir nun bei der vorliegenden Produktion von Laneslide wieder, die brandheiß in den Regalen steht. Es wurden ein paar Namen verschoben, aber im Grunde ist einzig Hauptsänger Frank Vestry für den seinerzeit noch singenden Kraler hinzugekommen. Dann verdinge man noch ein paar Gastmusiker und schon sieht das sehr imposant aus. Das Kind heißt nun Laneslide und macht, oh Wunder, Melodic Rock. Neues Spiel, neues Glück!
Eigentlich könnte ich jetzt mit dem Tippen aufhören und einfach nur sagen: Ziel erreicht, sehr gut, setzen! Die Jungs sind erfahrene Musiker, kennen einander seit Jahren und haben auch in einer Vielzahl von weiteren Bands und Projekten ihre Meriten eingefahren. Kraler und Vestry haben wir schon angesprochen und dann kommen noch John Billings am Bass hinzu, der auch schon bei Brunorock den Tieftöner bediente, sowie der in den letzten Jahren immer wieder in Erscheinung tretende Alessandro Del Vecchio an den Keyboards (u. a. Eden's Curse, Hardline, Lionville und ganz aktuell in der Live-Formation bei Voodoo Circle auf Tour) und Dominik Hülshorst (u. a. ex-Bonfire) an den Drums. Bobby Altvater rutschte aus dem Musikerstamm von Brunorock bei Laneslide auf die Liste der Gastmusiker und durfte Gitarrenarbeit sowie Backing Vocals abliefern. Unterstützt wird er an den Äxten noch vom Argentinier Lino Gonzales und für weitere Gastrollen hat man die Vokalartisten Erik Mårtensson (u. a. Eclipse) und Michael Bormann (u. a. Jaded Heart) engagiert. Der geneigte Leser erkennt bei diesen Namen sofort, dass die Kombination dieser Musiker im Ergebnis nur eines zulassen kann, nämlich Melodic Rock der Spitzenklasse - Punkt, Ende, Aus.
Trotzdem wollen wir noch ein paar Worte zum Eigentlichen verlieren, nämlich der Musik. Die Band bietet zehn satte Tracks auf einer guten Dreiviertelstunde Spielzeit und ich kann, vorab gesagt, eigentlich keinen Ausfall vermelden. Schon der Opener und Titeltrack "Flying High" lässt wenig Spielraum für Kompromisse: melodiös arrangiert, eingängiger Refrain, feine Gitarren- und Keyboardarbeit. Im selben Stil geht es direkt mit einem Pärchen der besten Songs des Albums weiter. "Hangin' Out There" schießt mich in eine Zeit zurück, in der ich noch den großen Stadion-Rockern nachgefahren bin, wenn sie mal in Europa auf Tour waren. Und auch "You Can Make It" muss sich nicht dahinter verstecken. Beide Tracks sind mit im Grunde großartigen Melodie- und Gesangslinien ausgestattet, der Fronter macht eine richtig, richtig gute Arbeit und 'seine' Truppe unterstützt ihn standesgemäß mit kerniger und dennoch nicht zu harter Rhythmusarbeit. Dazu natürlich die Keyboards, immer wieder die Keyboards. Del Vecchio darf nicht umsonst auf ein sattes Portfolio seiner Tätigkeit blicken, der Junge hat es echt drauf, was ich selbst schon mehrfach auch live erleben durfte. Immer wieder schleichen sich seine Läufe unaufdringlich, aber unüberhörbar in die Songs, sei es bei "River Of Love" oder dem Intro zu "Dancing Girls"; ganz toll ist auch sein Beitrag in "Look The Other Way" und "Your Fight".
Dass man aus einem für mich unsäglichen Ohrwurm dann doch noch etwas Feines machen kann, beweist die Band mit ihrer Coverversion des Songs "Self Control", der uns vor knapp 30 Jahren von Laura Branigan ständig um die Ohren gehauen wurde (eigentlich aber vom Italiener Raf stammt) und die Pop-Landschaft Mitte der Achtziger dominierte.
Zweimal wird danach noch gerockt, bevor wir am Ende der Scheibe die unausweichliche Ballade bekommen (gerechnet hätte ich ja mit mindestens zwei oder drei), die allerdings hier hauptsächlich aus Gesang und Flügelbegleitung besteht und nicht dem üblichen elektronifizierten Power-Balladen-Schmalz zugerechnet werden darf. Hier sei nochmals die Gesangsleistung Frank Vestrys hervorgehoben, der mit diesem "Washed Away" ein weiteres Mal seine Qualitäten und seine Variabilität in den Vordergrund stellt.
Wer auf AOR & Co. steht, der sollte bei diesem Album zugreifen. Ich verspreche Euch, dass ihm kein Dasein in den hintersten Ecken Eurer Plattensammlung beschert sein wird.
Line-up:
Frank Vestry (vocals)
Bruno Kraler (guitars)
John Billings (bass)
Alessandro Del Vecchio (keyboards, grand piano)
Dominik Hülshorst (drums)
sowie:
Lino Gonzales (guitars)
Bobby Altvater (guitar, backings)
Michael Bormann (backings)
Erik Mårtensson (backings)
Tracklist
01:Flying High
02:Hangin' Out Here
03:You Can Make It
04:River Of Love
05:Dancing Girls
06:Understand
07:Self Control
08:Look The Other Way
09:Your Fight
10:Washed Away
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