Lisa Loeb / No Fairy Tale
No Fairy Tale Spielzeit: 38:19
Medium: CD
Label: 429 Records, 2013
Stil: Rock/Pop/Alternative

Review vom 06.03.2013


Udo Gröbbels
Mehr als nur ein One-Hit-Wonder?
Erinnert ihr euch noch? Vor knapp 20 Jahren war Grunge das große Ding und alle rannten in Karohemden rum und waren ach so traurig drauf. Dieser Trend blieb auch der Filmindustrie nicht verborgen und so erschien 1994 der passende Film dazu mit "Reality Bites". Auf dem sehr erfolgreichen Soundtrack zu diesem Streifen befand sich auch "Stay (I Missed You)" von der damaligen Newcomerin Lisa Loeb. Mit Kassenbrille im Video war sie damals so etwas wie das 90er-Gegenstück zu Nana Mouskouri. Trotz Streberlook verkaufte sich das Lied sehr gut und als einzige Künstlerin bisher hatte sie ohne Plattenvertrag einen Nummer 1-Hit in den USA. Das ist aber alles wie gesagt lange her und an großen Hits folgte nichts mehr. Trotzdem hat Lisa Loeb fleißig weiter musiziert und nach fünf Jahren Pause erscheint nun "No Fairy Tale".
Kumpel Chad und die 90er
Mit Hilfe des ehemaligen New Found Glory-Gitarristen Chad Gilbert entstanden die zwölf Songs der CD. Dabei kann und will die Dame ihren musikalischen Ursprung in den 90ern gar nicht leugnen. Der Sound der Scheibe erinnert doch sehr an College Rock/Alternative-Rock aus eben diesem Jahrzehnt. Direkt der Opener "No Fairy Tale" könnte ebenfalls als Soundtrack für eine College-Komödie dienen. Das nachfolgende "The 90s" ist nicht nur mein persönlicher Favorit, sondern auch eine herrlich ironische Abrechnung mit den 90ern inkl. diverser Klischees. Als Beispiel sei nur die Textzeile »So alternative just like everybody else in the mainstream« genannt. Dazu eine tolle Melodie und fertig ist der Ohrwurm. Leider verflacht das Niveau aber danach etwas.
Es fehlt einfach die Abwechslung. Alle Stücke sind ähnlich arrangiert und verfügen leider nicht über herausragende Melodien, die einen Song nun mal von der Masse abheben. Daher klingen die restlichen knapp 30 Minuten sehr nett und gefällig, aber tun auch ehrlich gesagt keinem weh. Einzige Hoffnungsschimmer sind die schönen Gitarrenmomente, wenn Chad sich mal wieder an seine Vergangenheit bei der Punkband New Found Glory erinnert und kurz immer mal wieder die Bratgitarre aufheulen lässt. Ansonsten herrscht aber leider doch gepflegte Langeweile.
"No Fairy Tale" hätte so auch problemlos 1994 erscheinen können. Für alle Leute, die immer noch musikalisch in den 90ern hängen geblieben sind, ist dies eine prima Platte mit ganz viel Retro-Feeling. Ansonsten aber fehlt es aber einfach über die gesamte CD verteilt an packenden Stücken, wie dem Titelsong oder "The 90s". Daher eher eine Platte zum Nebenbeihören als wirklich packende Musik, auf die man sich einlassen muss.
Line-up:
Lisa Loeb (vocals, guitar)
Chad Gilbert (guitar, bass, backing vocals)
Paul Miner (bass)
Colin Strahm (drums)
Brad Wood (piano)
Tracklist
01:No Fairy Tale
02:The 90s
03:Weak Day
04:Walls
05:A Hot Minute
06:Sick, Sick, Sick
07:Matches
08:Married
09:Swept Away
10:He Loved You So Much
11:Ami, I'm Sorry
12:The Worst
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