Man mag es für größenwahnsinnig halten, man kann es aber auch genial finden. Auf jeden Fall klingt das, was da aus den Lautsprechern kommt, mehr als episch. Man weiß sich vor lauter Harmonien oder Background-Stimmen nicht mehr zu retten. Mit dieser Dynamik kann man kinderleicht ganze Arenen ausfüllen.
Queen lässt grüßen.
Was noch außergewöhnlich ist, sind die Haare ihres Sängers
Steven Battelle. Die sind nämlich knallblau. Es gibt eigentlich nur eine Sache an
LostAlone, die ich niemals verstehen werde: Warum versuchen sie mit aller Kraft, dieses kalte Image zu haben? Auf ihren Bildern wird selten gelacht, dagegen werden sie meist per Bearbeitung blasser, dunkler, verwaschener oder ähnliches gemacht.
Das passt zwar zu den Bands mit denen
LostAlone bisher getourt sind (
My Chemical Romance,
Evanescence,
30 Seconds To Mars,
The Blackout,…), weniger aber zu der Musik des Trios. Die ist fast durchgehend optimistisch. Die meisten Songs versprühen positive Laune. Also why so serious?
Nun aber zur Lobeshymne auf ihr neuestes Album "Shapes Of Screams". Ohne offensichtliches Motto hauen LostAlone einen Hit nach dem anderen raus. Sie klingen wie aus einem Guss, perfekt aufeinander abgestimmt. Trotz der Spielzeit von knapp 45 Minuten hätte man nichts dagegen, wenn noch mehr käme. Gleich am Ende des ersten Liedes, "Crusaders", erklingt eine süßliche Kinderliedmelodie, die beruhigt und für mentale Entspannung sorgt. Dann läuten die Glocken zu "The Bells! The Bells!" und schon ist man entweder wieder wach oder aber längst in den eigenen Träumen versunken. Los geht die Show! Spätestens wenn bei "G.U.I.L.T.Y." anscheinend Massen brüllen, haben LostAlone den Zuhörer gepackt. Entgegen jeder Erwartung folgen ein freundlicher Song mit dem eher beunruhigenden Namen "Mental Health" und das ganz und gar nicht apathische "Apathy". Erst ab "Scarlet Letter Rhymes" passt der Titel wieder zum Inhalt. Wir kommen in den Genuss, einen Kirchenchor zu hören ("Requiem") und am Ende müssen alle ihr Feuerzeug rausholen bis "Breathing In The Future Exhaling The Past" mit einem Trommelwirbel aufhört. Eine einzige Sekunde, in der die normalen Sprechstimmen der Bandmitglieder zu hören sind (vermutlich im Studio zum Ende der Aufnahmesession), holt einen wieder auf die Erde zurück.