Louisiana Red & Little Victor's Juke Joint
Back To The Black Bayou
Back To The Black Bayou Spielzeit: 39:08
Medium: CD
Label: Bluestown Records/Ruf Records, 2009
Stil: Blues

Review vom 07.04.2009


Norbert Neugebauer
Mit seiner Biografie ist Louisiana Red prädestiniert für das, was üblicherweise als 'authentisch', 'Original' oder 'legend' bezeichnet wird. Geboren wurde er 1932 im tiefsten US-Süden, früh verwaist, der Vater wurde vom Klu Klux Klan ermordet. Ein entsprechend trauriges Kindheitsschicksal, das später auch noch seine leidensvolle Fortsetzung fand. Wenn das keine Voraussetzungen für einen 'echten' Bluesmann sind, was dann?
Er wurde einer, ging nach Chicago, spielte mit allen bekannten und einer Menge unbekannteren Größen, trat schon 1975 in Montreux auf und kam mit dem American Folk Blues Festival nach Deutschland, wo er hängen blieb und seither zunächst in Nürnberg, später dann in Norddeutschland lebt. Er bekam 1983 einen W.C. Handy Award als bester traditioneller Musiker und pflegt seinen erdigen Stil bis heute. Aber trotz aller Reputation, diversen wohlbeachteten Comebacks in seiner Heimat und kaum mehr zu zählenden Gigs in Europa - zu einem der wirklich (anerkannt) Großen des Blues hat es irgendwie nicht gelangt (dass er sich selbst als 'Gigant' auf seiner Homepage bezeichnet, ist vielleicht eine Art Trotzreaktion).
Mittlerweile ist er auch in Skandinavien zuhause, tritt dort öfters bei Festivals auf und hat seine jüngste Platte in Norwegen mit der dortigen Band Little Victor's Juke Joint eingespielt. Little Victor hat das Album im eigenen Studio produziert, wozu ein Haufen 'vintagemäßiges'-Equipment samt Aufnahmetricks eingesetzt wurden und entsprechend 'downhome' klingt das auch.
Gleich vornweg gesagt, Louisiana Red kann's noch immer, "Back to The Black Bayou" ist ein mehr als ordentliches Blues-Album geworden, das sich unter den aktuellen Scheiben der jüngeren Generation durchaus behaupten kann. Wir hören ihn mit seiner grummeligen Stimme, die zwar nicht mehr so fest wie früher ist, aber immer noch in die höheren Lagen kommt und dieses 'klassische' Timbre mit Feeling aufweist. Und natürlich mit seiner herausragenden (elektrischen) Gitarrenarbeit, vorzugsweise mit dem Bottleneck. Typisch 'Old School' (haben wir jetzt alle Klischees beieinander?), aber keineswegs altmodisch. Für einen 76-jährigen lässt er sogar sehr beachtlich die Muskeln spielen. In den Seniorenklassen gewinnt er damit sicher ein paar Preise.
Louisiana Red und seine toughe Truppe spielen vorzugsweise einen sehr hippen Chicago-Blues, der wirklich abgeht. Daran haben auch die Gäste ihren gehörigen Anteil. Für diese Produktion wurden bereits bekannte LR-Nummern neu arrangiert. In der ersten bläst Kim Wilson seine geschätzte Harp, Bob Corritore ist auf "Alabama Train" keinen Deut schlechter. Bei "Crime in Motion" lässt Red seine Gitarre in Elmore James-Manier jaulen, der einen großer Einfluss auf ihn hatte. Die Piano-Arbeit von Dave Maxwell passt hervorragend dazu. The Hawk liefert beim altbekannten "Ride On Red" ein schönes Gitarrenbrett ab. "Sweet Leg Girl" ist der erste Slow Blues, ein schweres Kaliber à la Howlin' Wolf und gibt einen weiteren Beweis für Reds exzellente Slide-Kunst. Mit "The Black Bayou" legt er gleich nach, diesmal geht's allerdings hinunter ins Delta, zu den catfishes im muddy water.
Das gern benutzte "Wanna Make Love To You"-Thema wird in "Too Poor to Die" aufgewärmt. Dass Red auch eine gute Figur als Gospel-Shouter macht, hören wir im puristischen "Don't Miss That Train". Dafür werden bei "You Done Quit Me" wieder die dicken Eisen ausgepackt, ein untertouriger Chicago-Shuffle bei dem Red sogar jodelt. "I Come From Louisiana" ist ein weiterer autobiografischer Bluesrocker aus seiner frühen Zeit bei Roulette Records, der richtig abgeht. Zurück ins Delta führt "Roamin' Stranger" im Stil Robert Johnsons mit diesmal einem ebenfalls großartigen Harp-Spieler Little Victor. "At The Zanzibar" ist der krönende Abschluss der Sessions, ein röhrender Instrumental-Boogie, erneut mit Kim Wilson und der Band (Rhythmussektion: Robert Alexander Pettersen - drums, William Troiani - upright bass) in Hochform.
"Back To The Black Bayou" ist 'vintage' durch und durch - der Blues der 50/60er Jahre, nochmals glänzend vorgestellt von einem der wirklich letzten Großmeister der Generation, die wir (neben
B.B. King) noch live erleben können. Aber keine tränige Nostalgie, sondern kochend heiß neu aufbereitet. Sogar so getrimmt, dass diese 2009er Scheibe mit ihrem dumpfen Sound kaum von den alten zu unterscheiden ist. Und das ist eigentlich zuviel der Authentizität, fehlt nur, dass noch ein paar Knackser und Kratzer hinzugemischt worden wärenů
Nichts Neues, aber sehr vital, der alte Herr Blues.
Tracklist
01:I'm Louisiana Red
02:Alabama Train
03:Crime In Motion
04:Ride On Red, Ride On
05:Sweet Leg Girl
06:The Black Bayou
07:Too Poor To Die
08:Don't Miss That Train
09:You Done Quit Me
10:I Come From Louisiana
11:Roamin' Stranger
12:At The Zanzibar
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