Den Stempel hat er nun einmal weg.
Seit dem Album "The Soul Cages" ist Dominic Miller Stings Sideman sowie Gitarrist. Nach über tausend Konzerten mit dem Polizisten, steht Miller nun mit "November" zum achten Mal auf eigenen musikalischen Beinen.
Der Mann, 1960 in Buenos Aires geboren, zog mit seinen Eltern im Alter von zehn Jahren nach Wiscosin und später nach London. Er studierte das Gitarrenspiel (Berklee College, Boston/Guildhall School Of Music, London) und lebt mittlerweile in der Provence.
Vom Einmeterbrett sprang er durch seine Mitarbeit bei Phil Collins und seinem Album "But Seriously...". Bei Level 42 war er ebenfalls oft vertreten.
Als Sessionmusiker hat er eine ungemein lange Liste an Aktivitäten ohne festgelegte Richtung.
Allerdings taucht, neben Sting, immer wieder die Band Level 42 auf.
Zu dieser Gruppe scheint es dickere Fäden der Verbindung zu geben, denn für vorliegendes Album hat sich Miller unter anderem mit Mark King (bass) und Mike Lindup (keyboards) zusammengetan.
Na ja, wo wir schon einmal dabei sind... das "November"-Grundkorsett vervollständigen Ian Thomas ( Paul Carrack, Seal, Judie Tzuke, Thea Gilmore, Eric Clapton) am Schlagzeug. Die komplette Liste der Musiker befindet sich im Line-up.
Der herbstliche Dreiviertelstünder erscheint im Frühling und Millers selbst komponierte Musik passt sehr wohl in jede Jahreszeit.
Aus der Sicht des Protagonisten steht nicht die nylonbesaitet akustische Gitarre im Vordergrund des Geschehens. Miller hat die E-Gitarre geschultert und tummelt sich mit seiner Studioband hauptsächlich im modernen Jazz.
Die elf Songs sind nicht unbedingt ausschweifend lang. Allerdings beschreitet der geschulte Gitarrist mit seinem komplett instrumentalen Album keine ausgetretenen Pfade und er ist ja bekanntlich ein Meister an den Saiten.
Trotz des Schwerpunktes auf der elektrischen Gitarre kommt die Akustische nicht zu kurz.
Verstreut über die gesamte Platte setzt er sie ein und "Chanson II", mit einem vortrefflichen Klassikambiente, steht zum Beispiel ganz im Zeichen des unverstärkten Sechssaiters, der auch in vielerlei Art als Begleitinstrument zum Einsatz kommt.
Neben sehr sphärischen Songs lässt es Miller auch ordentlich rocken und er macht sich in keiner Weise zum Zentrum des Geschehens. So stellen sich der Israeli Yaron Herman (Piano), Flötist Dave Heath oder der Saxofonist Stan Sulzmann als Einzelakteure vor. Letzterer spielte auf Platten von Savoy Brown, Paul McCartney, Grace Jones, Van Morrison, Kenny Wheeler oder Stan Getz mit. Darüber hinaus stehen das Hilversum Radio Orchestra und die NDR Bigband auf seiner Visitenkarte.
Miller ist mutig.
Er eröffnet "November" mit einer herrlich dahin gleitenden Ballade. "Solent" ist sanft und verträumt. Über den wenigen, aber lange anhaltenden Basstönen eines King sowie dezent wirkungsvollem Thomas-Drumming fließen die Gitarrentöne erhaben aus den Lautsprechern. Feine Keyboards verfehlen nicht ihre Wirkung.
Gleich danach offenbart Miller seine am Jazz ausgerichtet rockige Se(a)ite. Hier spielt Herman am E-Piano eine gewichtige Rolle mit. Sein Solo hat nun gar nichts mit Rock zu tun. Prächtig spielt er über einer fett rockenden Band. "W3": das hat Stil, das gefällt!
Dazu gesellt sich auch das quirlige "Ripped Nylon". Angereichert wird die fetzige Nummer durch Dave Heath an der Querflöte. Bei dem Instrument muss es nicht immer gleich nach Ian Anderson klingen.
Miller kreiert tonale Landschaften.
Auch das funktioniert im Zusammenhang der Kompositionen hervorragend. Musik zum Entspannen und Genießen. Stellvertretend dafür stehen Songs wie "Still" und "Gut Feeling". Der Hörer darf erstaunt sein, wie unterschiedlich die beiden aufeinanderfolgenden Tracks sind.
Eine heiße Funkinjektion hat man "Sharp Object" verpasst. Hermans Synthesizersolo ist lecker abgefahren und in "Marignane" setzt Sulzmann zu einem famosen Alleingang an. Der kommt zum sonstigen Outfit des Songs wie Phönix aus der Jazz-Asche. Toll!
Die Platte endet mit dem von einer wechselnden Dynamik geprägten Titeltrack in einer ähnlich bestechenden Atmosphäre wie der Opener.
Insgesamt hat Miller der Platte, zusammen mit dem renommierten Hugh Padgham einen tollen Sound verpasst.
Dominic Miller legt mit "November" ein klasse Album vor.
Ohne Tendenzen zur Selbstdarstellung und verliebt in Details schickt uns der Gitarrist auf Entdeckungsreise in seinen ureigenen Kosmos der Musik. Geprägt von vielen verschiedenen Elementen kann dieses Album empfohlen werden.
Line-up:
Dominic Miller (guitars, keyboards)
Mike Lindup (keyboards - #1,2,3,5,6,7,8,9,11, moog solo - #6, piano - #11)
Yaron Herman (electric piano solo - #2, electric piano - #4, synth solo - #5,7)
Jason Rebello (piano solo - #8)
Dave Heath (flute - #5)
Stan Sulzmann (saxophone - #9)
Mark King (bass - #1,2,3,5,6,7,8,9,11)
Lawrence Cottle (bass - #4)
Ian Thomas (drums - #1,2,3,5,6,7,8,9,11)
| Tracklist |
01:Solent (4:58)
02:W3 (3:32)
03:Still (4:34)
04:Gut Feeling (5:36)
05:Ripped Nylon (3:25)
06:Racine (4:21)
07:Sharp Object (4:05)
08:Chanson I (4:32)
09:Marignane (3:33)
10:Chanson II (3:06)
11:November (5:40)
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