Janet Martin Band / 17.06.2010, Bluesgarage, Isernhagen
Bluesgarage
Janet Martin Band
Bluesgarage, Isernhagen
17. Juni 2010
Stil: Blue Grass, Country Blues


Artikel vom 21.06.2010


Jürgen Bauerochse
Janet MartinWirft man mal einen Blick auf die Entwicklung der Rock- und Bluesmusik in den letzten Jahren, so wird sehr schnell klar, dass sich immer mehr Frauen in den Vordergrund spielen und mit guten Alben und ständiger Bühnenpräsenz eine stetig wachsende Fangemeinde um sich scharen können. Namen wie
Ana Popovic, Dana Fuchs, Beth Hart, Erja Lyytinen, Joanne Shaw Taylor und Dani Wilde sind inzwischen wohl fast jedem Musikhörer dieses Genres ein fester Begriff und ziehen so immer mehr Publikum in ihre Konzerte. Auffällig dabei ist die Tatsache, dass die Damen sich zum größten Teil nicht auf den Gesang beschränken, sondern auch durch ein exzellentes Gitarrenspiel überzeugen können.
Janet MartinNächstes Beispiel dafür ist die in Virginia geborene und jetzt in New York City lebende Janet Martin. Ihre aktuelle CD Passage verleitete meinen geschätzten Kollegen Joe zu der Aussage »Die Frau macht mich ganz wuschelig…«, wobei er sich natürlich nur auf die musikalische Vielseitigkeit der Musikerin bezog. Und wenn der 'Frauenversteher' in Reihen der RockTimes-Redaktion schon so ins Schwärmen gerät, dann muss an den Fähigkeiten der Dame eine ganze Menge dran sein. Jedenfalls gab dieses Review letztendlich den Ausschlag dafür, dass sich das RockTimes-Team Südniedersachsen wieder mal innerhalb der Woche auf den Weg nach Isernhagen machte, ohne die Songs der Künstlerin so richtig zu kennen. So etwas nennt man wohl blindes Vertrauen, oder so ähnlich, und das ist ohne Zweifel bei unserem Haufen in ganz hohem Maße vorhanden!
Janet MartinUnd wieder erlebten wir einen besonderen Gig mit einer ganz persönlichen Atmosphäre. Diesmal waren nicht Power und Dynamik gefragt, die bei den meisten Konzerten ganz wichtig sind, sondern es war ein konzentriertes Zuhören gefordert. Und das lag weiß Gott nicht an den komplizierten Sounds, die auf der Bühne produziert wurden, sondern an den Details bei diesen hervorragenden Songs. Einen großen Teil des zweistündigen Sets bestritt Janet Martin mit der akustischen Gitarre. Teilweise stand sie sogar in schönster Singer/Songwriter-Manier ganz alleine auf der Bühne und zog das kleine aber feine Publikum trotzdem fast mühelos in ihren Bann. Egal ob mit oder ohne Bottleneck auf dem Finger bot sie die hohe Schule des Gitarrenspiels. Hier wurde ganz deutlich, dass die Amerikanerin seit frühester Kindheit mit dem Instrument vertraut gemacht wurde.
Janet MartinBesonderer Höhepunkt unter diesen Solo-Songs war ganz unbestritten die Coverversion des Led Zeppelin-Songs "Bron-Y-Our Stomp" vom Album "Led Zeppelin III". Und wer sich ganz allein mit der Akustischen an Jimmy Page heranwagt, der kann nun wirklich nicht an mangelndem Selbstvertrauen leiden. Ganz großes Kino! Übrigens wurden die Zeps im Laufe des Konzertes noch einmal bemüht und hervorragend interpretiert, und zwar mit dem Klassiker "Over The Hills And Far Away" vom "Houses Of The Holy"-Longplayer. Auch das war ein absolutes Highlight dieses beeindruckenden Auftrittes.
Janet MartinWar das Trio komplett auf der Bühne, dann stand des Öfteren Country Blues im Vordergrund, wobei gleich mehrmals Songs des legendären Robert Johnson gecovert wurden. Es kann ja auch nicht schlecht sein, wenn man sich mit dem Mann gut stellt, der seine Seele an den Teufel verkauft hat, um ein perfekter Gitarrist zu sein…! Jedenfalls bewies Janet Martin dabei ein sehr hohes Maß an Bluesfeeling und wurde von Bassist Michael Muller perfekt unterstützt, mit dem sie sich auch oftmals den Gesang teilte. Dieser Mann war außerdem mit seinen etwas unorthodoxen Bewegungen und dem sehr eigenständigen Spiel auf den dicken Saiten, das mich doch sehr an Andy Fraser zu Zeiten von Free erinnerte, für die Action auf der Bühne zuständig, denn ansonsten verlief der Gig eher ohne große Effekte ab. Hier überzeugte einzig und allein die Musik. Unnötige Showeinlagen gab es nicht, und die wären auch völlig unpassend gewesen.
Janet MartinWechselte Janet Martin an die elektrische Gitarre, so ging der Gig dann etwas mehr in den Bluesbereich ab. Doch auch hier herrschten die leiseren Töne vor, mit denen sie das Publikum auch weiterhin zum konzentrierten Zuhören verdonnerte, denn nur so konnte man die ganzen Feinheiten dieses perfekten Slide-Spiels überhaupt erkennen und genießen. Jedes einzelne Solo war ein echtes Erlebnis für die Ohren. Da saß absolut jeder Ton. Besonders bemerkenswert fand ich dabei Janets Version des Muddy Waters-Klassikers "I Can't Be Satisfied", das mit einem unglaublichen Feeling gebracht wurde. An dieser Fassung hätte auch Herr Morganfield garantiert seine helle Freude gehabt. Auch hier passte jede Kleinigkeit optimal zusammen.
Janet MartinNatürlich stand bei den Eigenkompositionen das aktuelle Album im Mittelpunkt des Gigs, und auch hier wirkte die Band perfekt aufeinander abgestimmt. Janets Stimme kam prima rüber und wurde immer wieder durch den Harmoniegesang von Muller ganz stark unterstützt. Von diesen Songs konnte mich vor allem "Snakebit" voll überzeugen und ist mir so sehr in angenehmer Erinnerung geblieben. Auch "Holy Water" war sehr stark. Alle diese Titel konnten belegen, wie gut auch das Songwriting bei Janet Martin klappt. Hier ist eine wirklich große Künstlerin am Werk, die sicher noch öfter auf sich aufmerksam machen wird.
Janet MartinIch persönlich hätte mir allerdings bei einigen Songs noch etwas mehr Improvisationen gewünscht, denn die Soloeinlagen hätten durchaus länger ausfallen dürfen. Die Klasse für einen weiteren Ausbau haben sie allemal, und dann wird es auch nicht mehr vorkommen, dass ein Solo, nachdem ich mich gerade so richtig darauf eingestellt hatte, schon wieder zu Ende war. Daran könnte also durchaus noch gearbeitet werden.
Bei der Zugabe "Dust My Broom" gab es dann auch noch einmal etwas mehr Druck, was dem Gig ebenfalls sehr gut tat. Auch das hätte ich sehr gern noch ein paar Mal mehr gehört. Jetzt war der Country-Rhythmus, der davor all zu oft eingesetzt wurde, verschwunden und der Blues Rock kam ungeschminkt auf. So kann auch dieser abschließende Song als ein weiteres Highlight dieser sehr unterhaltsamen einhundertzwanzig Minuten bewertet werden.
Hut ab, Janet Martin! Das war ein wirklich sehenswertes Konzert.
Line-up:
Janet Martin (vocals, acoustic and electric guitar)
Michael Muller (bass, vocals)
Oliver Steinwede (drums)
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