The Madden Brothers / Greetings From California
Greetings From California Spielzeit: 51:02
Medium: CD
Label: Capitol Records/Universal Music, 2014
Stil: Pop

Review vom 24.11.2014


Daniel Daus
Manchmal ist das Leben wirklich von Zufällen geprägt. Eigentlich wollte ich interessehalber auf der Universal-HP nur mal kurz in die Soundfiles der neuen Taylor Swift-CD (ihre totale Abkehr vom New Country, der lieben Kohle wegen, finde ich ehrlich gesagt ziemlich enttäuschend) hineinhören und blieb dann aber bei ein paar ganz vielversprechend klingenden Schnipseln eines Werkes der Madden Brothers hängen, deren Name mir bis dato überhaupt nichts sagte. Der Titel "Greetings From California" suggerierte dazu noch Westcoast-Feeling.
Der Bemusterungsanfrage bei Universal Music folgte die prompte Lieferung. Sowohl die gestalterische Aufmachung (die Texte und Infos des Booklets lassen sich übrigens zu einem Poster auf der anderen Seite auseinander falten) als auch der musikalische Inhalt des Werkes entpuppten sich dann als nicht alltägliche Kost und ziemlich irreführend für mich. Die beiden Protagonisten Benji und Joel Madden, Zwillingsbrüder, geben sich auf den Fotos (großflächig tätowiert und mit diesen unsäglichen schräg aufgesetzten Basecaps), warum auch immer, rein äußerlich eher als Gangster-Rapper.
Ihre Musik hat damit aber Gott sei Dank überhaupt nichts zu tun. Die Recherche ergab, dass sie zuvor Part der überaus erfolgreichen Pop Punk-Band Good Charlotte waren, die immerhin über zehn Millionen Tonträger verkauft hat. Also keine 'musikalischen Nobodies', mit denen man es hier zu tun hat.
Ihr Debütwerk ist sehr von Retro-Einflüssen aus dem damaligern Pop- und Rockbereich der 70er Jahre geprägt und so wurde der Aufbau ihres Werkes, wie zu guten Zeiten der alten LP, in eine A- und B-Seite gesplittet, die dann auch jeweils von zwei unterschiedlichen Produzenten komplett betreut wurden. Beide Parts werden jeweils durch Intros eröffnet, bei denen eine Sendersuche im Radio simuliert wird und man landet dann irgendwie auf ganz unterschiedlichen Kanälen.
Für Seite A zeichnet sich Eric Valentine verantwortlich, der im Rahmen von Good Charlotte bereits mit den beiden gearbeitet hatte. Sämtliche Tracks wurden vom Dreier-Gespann komponiert, wobei Valentine, fast den gesamten Instrumentenbereich übernahm.
Alles ist hier gnadenlos auf Chart-Erfolge gebürstet. Eher weniger Stoff für unsere überwiegende RockTimes-Klientel. Drumloops, momentan im Radio angesagte poppige 'Ohohoh'-Hamoniegesänge, weitestgehend euphorische Refrains, kombiniert aber immer mit Retro-Pop-Einflüssen. Da hört man wie beim Opener "Dear Jane" beatleske-Untertöne, bei "Brixton" im Refrain die einstigen ELO oder bei der Single "We Are Done" (Nr.-1-Hit in Australien und Neuseeland) The Mamas And The Papas durchschimmern. Mit "U R" (gemeint ist 'You Are') gibt es einen soulig-groovenden, balladesk angehauchten Ohrwurm, der ebenfalls sehr hitverdächtig erscheint.
Bei Seite B gibt Joe Chiccarelli den Ton an. Hier klingt alles (mit kleinen Ausnahmen) wesentlich wärmer, organischer und weniger nach Computer, es sind auch unterschiedliche Musiker an den diversen Instrumenten eingebunden. Allein schon die überwiegend gespielten Drums und auch mal E-Gitarren-Solo-Einlagen machen einen hörbaren Unterschied aus.
Auch hier gibt es einen Haufen Zitate aus der Vergangenheit. Das wunderbar atmosphärische "Cailfornia Rain" hat die unverkennbare Note der Eagles, "Brother" erinnert fast an die vergessenen Firefall, "Bad" hat ein bisschen bei Steve Millers "The Joker" gespickt und rockt ganz gut. Das relaxt groovende "Good Gracious Abbey" lässt sogar fast alte Steely Dan-Zeiten aufleben, wäre da nicht der völlig deplazierte, mit überlaut polternden Drums versehene Refrain. Da hat man fast den Eindruck, die Village People hätten im Aufnahmestudio die falsche Tür erwischt...
Das kammermusikartig gebrachte "Empty Spirits" (nur Gesang zu schönen Akustikgitarren- und Cello-Klängen) lässt dann den zweiten Part ruhig und atmosphärisch ausklingen.
"Greetings From California" der Madden Brothers ist - wie bei Brüdern, wenn auch nicht unbedingt bei Zwillingen - ein Werk mit zwei Gesichtern. Die Jungs sind, was kompositorische Fähigkeiten angeht, zweifellos hochtalentiert (sonst wären sie vermutlich nicht bei Capitol Records untergekommen), auch gesanglich gibt es nichts auszusetzen. Irgendwie hat man aber den Eindruck, dass die beiden musikalisch noch nicht sicher sind, wohin ihr Weg führen soll. Ein klare Linie ist trotz allem Retro, nicht ganz erkennbar. Im Moment ist wohl erst mal Unverbindlichkeit und Diversität angesagt. Die Erfolge in Australien und Neuseeland sowie Platz 57 in den US-Billboard-200-Album-Charts stehen aber erst mal zu Buche. Für mich persönlich ganz nett, die beiden Madden-Burschen mal kennengelernt zu haben!
Tracklist
Side A:
01:Dear Jane (Intro)
02:Dear Jane
03:Brixton
04:Out Of My Mind
05:We Are Done
06:U R
07:Jealousy (All Your Friends In Silverlake)
08:Love Pretenders
Side B:
09:California Rain (Intro)
10:California Rain
11:Brother
12:Bad
13:Good Gracious Abbey
14:Suddenly
15:Empty Spirits
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