Marsland Dot Com / Same
Marsland Dot Com Spielzeit: 36:06
Medium: CD
Label: Jazzhaus Records, 2011
Stil: Pop / Indie

Review vom 02.11.2011


Michael Gindra
Marsland Dot Com- nie gehört?! Das wird sich bald ändern. Marsland Dot Com (Übrigens, diese Domain ist noch frei: Wolle Marsland kaufe?) ist der erste Release des Solo-Projekts von Jens Kreuzer, seines Zeichens Mastermind der 1995 gegründeten Freiburger Band The Pleasure. Und diese haben sich voll und ganz dem britischen Gitarrenpop verschrieben, haben Beatles und Oasis auf eine Zeitreise eingeladen und in die Jetztzeit verfrachtet. Jens Kreuzer, Sänger, Bassist, Pianist und Gitarrist der bereits in diversen Musikzeitschriften hoch gelobten Band, hat mit vorliegendem Release die Gitarren etwas zurückgefahren und sich mehr auf das Piano, seine Stimme und vor allem auf seine songschreiberischen Qualitäten konzentriert.
Er legt hier ein Dutzend kleiner Meisterwerke vor, die einfach nur schön sind. Popmusik, die zum immer wieder hören verführt. Popmusik, bei der keine Note zuviel oder zu wenig erklingt. Popmusik, die melancholisch, ja nachdenklich stimmt. Leider hat der Begriff Popmusik bei der heutigen Radio-Dauerbeschallung und unerträglichen Castingshows einen etwas bitteren Beigeschmack, aber was hier im CD-Schacht rotiert, ist etwas völlig anderes: Popmusik für Fortgeschrittene sozusagen.
Zeitreise ins Jahr 1968: Die Beatles veröffentlichen ihr neuntes und einziges Doppelalbum, wegen seines Covers auch bekannt als das "Weiße Album", welches laut Wikipedia auch als eines der besten Alben der Musikgeschichte bezeichnet wird. Hier wurde geniale Pop-, Rock- und psychedelische Musik mit teilweise avantgardistischen Toncollagen zu einem Meisterwerk zusammengefügt.
Zurück in den Spätsommer 2011: Eine 17-sekündige, avantgardistische Toncollage erklingt, bevor "Seven Souvenirs" mit Jens Kreuzers charakteristischen Stimme, »Uuuhhh«-Backgroundgesängen und einer einprägsamen Melodie meine Gehörgänge erreicht. Als nächstes erklingt ein gemurmeltes Glaubensbekenntnis, das mit lieblichen Klängen einer akustischen Gitarre die nächste Nummer einleitet. Im vierten Track ("07732 - 151610") wird es sogar ein bißchen psychedelisch und mit dem ruhigen "Amsterdam" folgt das Meisterstück des ganzen Albums, eine Pianoballade ganz im Stil von "Let It Be" (Ja, ich weiß, das stammt nicht vom "Weißen Album"...), und trotz den einschlägig bekannten Klischees zur niederländischen Hauptstadt, eine Liebeserklärung an die Grachtencity. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, hat den Song nicht verstanden. Zu Recht wurde der Track als Single ausgekoppelt und auf YouTube kann man das entsprechende Video dazu genießen.
"Moonfire" ist eine Hommage an "Blackbird", wobei wir wieder beim 'Weißen Album' wären. Rockig wird es noch einmal gegen Ende der Scheibe mit "Too Bad", wo sogar ein bißchen Glam Rock vermauschelt wurde. Die ganze Platte versprüht jedoch den sympathischen Charme der Spätsechziger (was auch das CD-Cover treffend symbolisiert), als noch nicht die Devise galt: schneller, härter, lauter. Für Marsland Dot Com gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Unglaublich, dass Jens Kreuzer das ganze Album fast im Alleingang eingespielt hat, lediglich beim zweiten Track wurden die Drums von Michael Kerp eingespielt. Liegt es am meist sommerlichen Klima oder einfach nur an der schönen Stadt Freiburg selbst, dass einem dort solche Musik einfällt?
Gerne gönne ich dem sympathischen Endvierziger seinen Lebenswunsch: Eines Tages ausschließlich Musik machen zu dürfen. Mit diesem Album könnte es klappen.
Line-up:
Jens Kreuzer (all instruments)
Michael Kerp (drums - #2)
Tracklist
01:Marsland Dot Com
02:Seven Souvenirs
03:From Da Da Riots To Southside Tank
04:07732 - 151610
05:Amsterdam
06:I Know
07:Surviving
08:Good Luck
09:Moonfire
10:Thanks A Lot
11:Too Bad
12:Foolguide
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