Mind The Gaep / Rock N' Roll Decadence
Rock N' Roll Decadence Spielzeit: 27:57
Medium: EP
Label: Eigenproduktion, 2008
Stil: Hard Rock, Blues Rock

Review vom 15.10.2008


Moritz Alves
Lässige Schritte und lockeres Pfeifen eröffnen diese Eigenproduktion, gefolgt von einem potenten Motorengeräusch, das mehr als amtlich in den ersten Song "Fever" einleitet. Die junge Frankfurter Band Mind The Gaep fackelt in der folgenden halben Stunde ein dreckig-rotziges Rock'n'Roll-Feuerwerk allererster Kajüte ab! Aber nichts anderes hatte ich nach den paar einleitenden Sekunden erwartet. Man nimmt diesen Jungs zu jeder Sekunde ab, dass sie authentische Gitarrenmusik quasi schon mit der Muttermilch aufgesogen haben. Denn die ganz große Zeit des Hard Rock haben die Musiker, die im Schnitt erst zweiundzwanzigeinhalb Jahre alt sind, ja gar nicht so richtig miterleben können.
Aber genau das macht sie so sympathisch. Hier wird nicht irgendwelchen lauwarmen Trends hintergelaufen, sondern die Essenz des harten Rock'n'Roll mit ganz viel Herzblut und ordentlich Attitüde zelebriert. Allein das herrlich schlichte Coverartwork spricht doch Bände: Eine Gibson Les Paul inmitten von Spielkarten, Bierflaschen und überquellendem Aschenbecher - genau so wird es bei den Hessen im Proberaum aussehen, wo echtes Kondenswasser auf verranzte Sofas tropft.
Mind The Gaep schreiten verdammt ehrlich zur Tat. Die Songs zünden von Anfang bis Ende und treten unermüdlich in den Arsch. Die unverhofft fette Produktion tut ein übriges, um die sechs Knaller gebührend in Szene zu setzen. Wohldosierte Einspritzer aus Blues, Sleaze und Southern Rock verleihen dem treibenden Hard Rock das gewisse Etwas und unterstreichen meterdick, dass auch in 'Frankfurt Rock-City' gerockt und gerollt wird. Haushohe Gitarrenwände und herrlich groovende Drums legen das Fundament, auf dem sich Sänger Crazy Matt austoben kann. Seine voluminöse Stimme ist ordentlich vom Rotz durchzogen, so dass man meinen könnte, die Pulle Jack Daniel's würde schon seit Jahr und Tag zu seinen besten Freunden zählen.
Es sind aber die melodiösen Gesanglinien, die das Songmaterial so unwiderstehlich machen. Es macht einfach Riesenspaß, bei Nummern wie "Fever" und "Losin' My Mind" aus voller Kehle mitzusingen. Denn man hat hier die zwei stärksten, griffigsten Stücke an den Anfang gestellt, finde ich. Der Opener glänzt neben wuchtigem Riffing mit kleinen, aber feinen Rhythmusvariationen, die ungemeinen Wiedererkennungswert haben. Dazu gibt es zwei erstklassige Gitarrensoli genauso zu hören wie einen bluesigen Schluss.
Der Nachfolger glänzt daraufhin mit geradlinigen Strophen-Akkorden, aber rotzigerem Gesang. Der Refrain kann alles: »Losin' my mind, ye-ye-yeeeeeeah« - so hat Hard Rock zu klingen, dann fliegen die Fäuste auch wie von selbst in die Luft! Abermals überzeugt hier die Lead Gitarren-Arbeit Brankos. Abgerundet wird das Ganze von einem ruhigen Mittelteil mit gesprochener Textpassage, die geradezu Western-mäßig daher kommt. Man möchte fast meinen, ein alter Cowboy würde in einem verlotterten Saloon, irgendwo im Mittleren Westen, eine seiner Lebensweisheiten zum Besten geben.
Aber auch die anderen Stücke des übrigens "Rock 'N' Roll Decadence" getauften Babys können überzeugen. Der Titeltrack, "Wastin' Your Time (Motherfucker)" und "Don't Stop The Booze" ziehen das Tempo etwas an und beweisen, dass man nicht nur im Midtempo grooven möchte. Die Jungs können es nämlich auch flotter. Besonderes Potential hat davon der 'Motherfucker-Song', der mit einer großen Portion Rotz'n'Roll ausgestattet ist. Schlussendlich leitet ein spacig-sphärisches Intro in den Rausschmeißer "Crumbs & Pipes" ein, bei dem es dann aber wieder etwas gemäßigter zur Sache geht. Passt aber irgendwie ganz gut ins Bild, denn wenn man sich den Titel so anschaut, wird es sich wohl irgendwie um Wasserpfeifen drehen.
Insgesamt haben die vier Rocker eine amtliche Scheibe produziert, die sich irgendwo zwischen Black Label Society, Down, Molly Hatchet, AC/DC und Konsorten pudelwohl fühlt. Wer auf monstermäßige Riffs und rotzige Vocals steht, der stattet Mind The Gaep bitte schnellstmöglich einen Besuch ab, denn so viel 'Rock'n'Roll-Dekadenz' hat man lange nicht mehr aus deutschen Landen gehört!
Line-up:
Fabian 'Ol' Boozeroony' Ortkamp (drums)
Stephan 'Branko' Ebert (guitar)
Matthias 'Crazy Matt' Diener (vocals)
Vjeran Wertag (bass)
Tracklist
01:Fever (5:21)
02:Losin' My Mind (4:48)
03:Rock 'N' Roll Decadence (2:47)
04:Wastin' Your Time (Motherfucker) (4:21)
05:Don't Stop The Booze (4:42)
06:Crumbs & Pipes (5:58)
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