Monokel-Kraftblues / Blues Rock aus dem Osten der Republik
Monokel-Kraftblues Kurzbiografie
Stil: Blues Rock

Artikel vom 16.07.2008


Matthias Ziegert
Es war 1975, als sich Sebastian Baur (heute bekannt als Buzz Dee von Knorkator) und Peter Schneider im Berliner Franz-Klub, dem damaligen Domizil der Ostberliner Bluesszene, kennenlernten. Mit Vai Hu und der Engerling Blues Band waren die ersten Blues Rock-Bands entstanden und eine ganze Szene begann sich zu etablieren. Gemeinsam mit Horst Trümpelmann, Wilfried Borchert und Michael Mirek gründeten sie die Monokel Blues Band. Doch bevor es richtig los gegangen war, brach die Truppe wieder auseinander.
1976 startete Baur einen neuen Versuch und im Oktober 1976 erhielten sie die Einstufung als Amateurband (Spielerlaubnis). Zur Gründungsbesetzung gehörten Sebastian Baur (guitar, vocals), Wilfried Borchert (guitar, vocals), Frank 'Gala' Gahlert (harp, vocals), Mario Janek (drums) und Jörg 'Speiche' Schütze, der zuvor schon mit Achim Mentzel (heute Volksmusikstar aus dem Osten) in der wohl verrücktesten Beatband, dem Diana Show Quartett, gespielt hatte.
Neben Engerling, der Jonathan Blues Band, der Hof Blues Band, Passat und der Stefan Diestelmann Folkblues Band gehörte Monokel zu den erfolgreichsten Formationen der 'Blueser- und Kundenszene' in der DDR. Während es andere Bands wie die Engerlinge, Jürgen Kerth und Stefan Diestelmann bis in die Wertungssendungen von Rundfunk und Fernsehen der DDR schafften, bewahrte sich Monokel die Bodenständigkeit und blieb eine Live-Band. Ihr Song "Bye, Bye Lübben City" aus dem Jahre 1979 von Rainer 'Lollo' Lojewski wurde nicht nur Kult, sondern war Inbegriff einer ganzen Subkultur in der DDR.
Lojewski war 1979, gemeinsam mit Bernd 'Kuhle' Kühnert von Engerling gekommen, nachdem Baur, Borchert und Janek die Band verlassen hatten. Ihnen waren die Engerlinge zu professionell geworden. Dritter neuer Mann bei Monokel wurde Michael 'Lefty' Linke, der zuvor deren Techniker war. Die messerscharfen und harten Gitarrenriffs von Kuhle und Lefty sind bis heute das Markenzeichen der Band geblieben. Als Gala zu NO55 gegangen war und Lollo die DDR verlassen hatte, kamen Gerd Pöppel von Berluc und Bernd Damitz von Metropol in die Band. Neuer Sänger wurde Bernd 'Zuppe' Buchholz, der zuvor bei Passat gespielt hatte.
Ende 1989 kam es zu einer Krise. Das Schicksal der Formation hing an einem seidenen Faden. Auslöser waren nicht nur die politische Wende in der DDR und die Tatsache, dass der ehemalige Bandmanager die offenen Grenzen genutzt hatte, um sich samt Kasse ins Ausland abzusetzen. Auch war die Blütezeit des Blues längst vorbei. Verzweifelt versuchte Speiche die Band am Leben zu erhalten. Erst nachdem Gala in die Band zurückgekehrt war, war auch die Krise überwunden.
1995 stieg Gala erneut aus und ging später ins Ausland. Pünktlich zum Jubiläumskonzert am 16. Juli 2006 stand er erstmals wieder gemeinsam mit Monokel auf einer Bühne und ist heute wieder öfters als Gastmusiker mit auf Tour. Auch 'Speiche' hatte noch vor Veröffentlichung der ersten CD die Band verlassen. Er eröffnete in Berlin-Prenzlauer Berg eine Musikkneipe, engagiert sich heute bei Rockradio.de und gründete gemeinsam mit Zuppe die Monokel Blues Band. Achtung Verwechslungsgefahr! Beide Combos beanspruchen nicht nur das musikalische Erbe, sondern auch den Namen. Seit einer gerichtlichen Entscheidung führt Monokel den Zusatz 'Kraftblues' im Bandnamen und Speiches Formation nennt sich Speiches Monokel Bluesband.
Aktuelle Besetzung:
Michael 'Lefty' Linke (guitar, vocals)
Bernd 'Kuhle' Kühnert (guitar)
Christoph Frenz (bass)
Dicki Grimm (drums)

Weitere ehemalige Mitglieder:
Cornelius Löwenstein (vocals)
Diskografie:
LP
1986: Monokel - Fünf nette, junge Herren die 1a Kraftblues machen (Amiga)

CDs
1995: Monokel (Buschfunk)
1996: M.O.N.O.K.E.L. - Möchten ohne Not oder Kummer ewig leben (Grauzone)
2001: 25 Jahre Monokel - Live im Kesselhaus Berlin (Das Ohr)
2006: Das Monster vom Schilkinsee - Sampler (1610)
2007: Monokel&Gäste - Live in Köpenick am 16. Juli 2006 (Buschfunk)

DVD
2006: 30 Jahre Monokel
Externe Links: