Nektar / Book Of Days
Book Of Days Spielzeit: 54:52
Medium: CD
Label: Bellaphon Records, 2008
Stil: Prog Rock

Review vom 15.06.2008


Jürgen Bauerochse
Nun ist es tatsächlich so weit. Nach endlosen Verschiebungen und Verzögerungen ist jetzt endlich das neue Album "Book Of Days" der englischen Prog Rock-Band (oder soll ich schreiben Krautrock-Band?) Nektar bei mir eingetrudelt. Nachdem schon die letztjährige Tour nach dieser CD benannt worden war, ohne dass die Fans die Möglichkeit hatten, sie sich ins Regal zu stellen, deutete schon Einiges auf diverse Probleme bei dem neuen Silberling hin.
Auch die Angaben auf dem Cover, das übrigens wieder im typischen Nektar-Stil designt wurde, tragen nicht gerade zur Lösung dieser Probs bei. So ist zum Einen nur das aktuelle Live-Line-up (so steht es auf der Hülle) der Gruppe mit den beiden deutschen Musikern Peter Pichl (Ex-Jutta Weinhold Band, Ex-Running Wild, Ex-Uli Jon Roth) am Bass und Klaus Henatsch (Ex-Jane, Ex-Jutta Weinhold Band, Ex-Panzer) an den Keyboards angegeben, die erst im Jahr 2007 zur Band stießen. Des Weiteren gibt es keinerlei Informationen, wo und wann das Album eingespielt wurde. Diverse Internet-Recherchen deuten aber darauf hin, dass alle Songs schon aus dem Jahr 2006 stammen, also nicht von der aktuellen Besetzung eingespielt sein konnten. Und schließlich ist es mir tatsächlich gelungen, ein Line-up ausfindig zu machen, das ich zwar am Ende des Reviews angeben werde, ohne allerdings die letzte Gewähr für seine Gültigkeit zu übernehmen.
Wenn ich diese Ungereimtheiten vor meinem Interview mit Roye Albrighton auch nur erahnt hätte, wäre es mir vielleicht gelungen, etwas mehr Licht ins Dunkel rund um dieses Album zu bringen. Schade, so was nennt man wohl Pech.
Doch kommen wir nun zum Wichtigsten von "Book Of Days", der Musik. Der Opener "Over Krakatoa" beginnt mit Donnergrollen in bester Riders On The Storm-Manier. Es folgt ein recht rockiger Gitarren-Einsatz, der eigentlich so gar nicht zu Nektar passt. Lediglich die vereinzelten fetten Keyboards kommen in typischer Form rüber. Ansonsten verbreitet der Song in der Anfangsphase eine ziemliche Hektik, die sich erst im Schlussteil mit einem starken Gitarrensolo und den passenden Orgelklängen wieder legt und auch der verfremdete Gesang verstummt ist.
Schon eher 'Nektar-like' fällt "King Of The Deep" aus, der für mich auch gleichzeitig der Anspieltipp dieser Scheibe ist. Hier sind die Vocals klar und deutlich und enthalten auch Harmoniegesangsparts, die schon auf den ersten Alben der Band zum Markenzeichen wurden. Der Mittelteil des Songs steht ganz im Zeichen von Improvisationen, und unwillkürlich kommt mir "Remember The Future" wieder in den Sinn. Das ist original Nektar aus den Siebzigern, wie sie von unzähligen Fans geliebt werden.
Nach einem kurzen, rein instrumentalen Zwischenspiel an der akustischen Gitarre ("Lamorna") folgt mit "Doctor Kool" ein ziemlich leicht verdaulicher Track, der vor allem durch den mehrstimmigen Refrain auffällt, ansonsten aber keine großartigen Besonderheiten aufweist, sieht man mal von der feinen Lead-Gitarre ab, die sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück zieht. Allerdings ist auch hier klar festzustellen, dass sich Nektar ganz eindeutig an ihren Frühwerken orientiert.
"The Iceman" besteht im Wesentlichen aus ständigen Rhythmus- und Tempowechseln. Eingestreute Geräuschcollagen wechseln sich mit intensiven Riffs auf dem Sechssaiter ab und geben dem Song eine unheimliche Vielschichtigkeit. Dennoch bin ich bei diesem Titel etwas irritiert, denn die Drums klingen einfach nicht authentisch. Das hört sich verdammt nach Drum-Maschine an... .
Diese Stimmung ist bei "Where Are You Now" aber schnell wieder verflogen. Jetzt rockt es erneut kräftig und ungekünstelt. Dieses Werk macht Lust auf mehr.
Na ja, es kommt ja noch der zweiteilige Titelsong. Jetzt noch ein Kracher und das Album hat einen würdigen Abschluss. Doch mit diesen Gedanken liege ich komplett falsch. "Book Of Days" ist eine wunderschöne Ballade auf akustischer Grundlage im ersten Teilů, doch die erwartete Steigerung kommt nicht. Es gibt kein musikalisches Happy End, denn nach ein paar Piano-Akkorden und einem letzten Minisolo an der Gitarre ist der Song bzw. das Album zu Ende.
Nach dem Anhören von "Book Of Days" bleibt festzustellen, dass Nektar 2008 zu ihren Anfangszeiten zurückgekehrt sind und ihr Ding weiterhin gnadenlos durchziehen. Zwar fehlt ein absoluter Kracher und die durchgehende Grundstimmung, die auf den alten Klassikern zu erkennen war, ist auch nicht in allen Teilen hörbar. Dennoch hat die Band wieder einmal bewiesen, dass sie im Prog Rock-Bereich auch heute noch eine wichtige Rolle spielen kann.
Line-up (ohne Gewähr):
Roye Albrighton (lead vocals, guitars)
Ron Howden (drums, vocals)
Desha Dunnahoe (bass, vocals)
Steve Adams (guitars, vocals)
Steve Mattern (Hammond, keyboards)
Tracklist
01:Over Krakatoa
02:King Of The Deep
03:Lamorna
04:Doctor Kool
05:The Iceman
06:Where Are You Now
07:Book Of Days (Between The Lines)
08:Book Of Days
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