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Das war wohl ein Glücksgriff. Es lebe der Rock'n'Roll.
Night Horse heben den Rock'n'Roll auf ihr eigenes Podest und das ist bei den elf Songs von "Pedition Hymns" verdammt hoch. Okay, ein Fernglas braucht man nicht, aber das 2008 gegründete Quintett um den Sänger Sam James Velde beschwört die Geister des dick angerührten Hard Rock, verfeinert durch Blueswürzung. Mit dem spitzen Stiefel gibt es leckeren Boogie-Rock auf den Allerwertesten und das mit viel Action von den Gitarren.
Da vermag man an die Trendsetter der Sechziger- beziehungsweise Siebzigerjahre denken. Viele Classic- sowie Southern-Rocker und irgendwie sogar Wishbone Ash passen in das Sortiment von Night Horse.
Entsprechend dazu lässt uns Sänger Velde auch noch aufhorchen. Seine Stimme kann er vom Shouter über den Charmeur bis zur rauen Bluesröhre verändern und das passt so schön zu den trocken-rockenden Raketen, die Night Horse mit vollem Galopp auf uns loslässt. Na ja, es wird nicht durchgängig auf die Zwölf gezielt. Von Track eins bis vier geht es mit gespanntem Expander nur geradeaus. Bis "Goodbye Gone" ist man schweißgebadet und "Black Clouds" bringt dann die richtige Reaktion auf den vorherigen par force-Ritt. So duster ist Besinnliches von Night Horse gar nicht. Schöne Gitarren werden von einer höchst motivierten Orgel begleitet und die Nachtaktiven sind damit ganz dicht an einer hervorragenden Southern-Ballade dran.
Was die ruhigeren Fahrwasser angeht, muss man schon bis zum Schluss warten. Bei Night Horse alles andere als strapaziös, um noch ein zweites Mal Relaxtes geboten zu bekommen. Erst durch das Zielfoto hat "Same Old Blues" die Nase vorne. Mag sein, dass das an den feinen Pianoläufen liegt, die den Track, neben der Orgel mit leichten kosmetischen Veränderungen so schön machen.
Bei Night Horse packen alle an, um den 12-Zylinder am Brabbeln zu halten. Die Rhythmusabteilung aus Nick D'Itri (bass) sowie Drummer Jamie Miller gießt fleißig immer das richtige Fundament für die herrlichen gemeinsam oder getrennt gespielten Gitarrenausflüge der Herren Justin Maranga und Greg Buensuceso. Ja, wenn es gemeinsam zur Sache geht, dann klingen sie auf der einen Seite so twining wie bei Wishbone Ash und andererseits kracht es sehr mit dem Dreck von AC/DC unter den Fingernägeln aus den Lautsprechern.
Neben dem klasse Songwriting und den tollen Arrangements hat Matt Bayles für den guten Aufnahmeton gesorgt. Der hat Kenne, weil er schon für Mastodon, The Sword und Pearl Jam die Knöpfchen geregelt hat.
Wenn die Saitenarbeit bei "Perdition Hymns" ohne Bottleneck stattgefunden hätte, würde ich der Band einen Tritt versetzen. Aber die Aktion kann ich mir sparen, denn schon bei "Rollin' On" ist es so weit. Die Kerle haben es einfach drauf. Deren Rock ist für den Hörer Anmache pur. Beachtlich, was das Team auf die Beine stellt. Vorliegende Platte ist erst ihr erster Longplayer. Vorher gab es nur eine EP mit dem verdächtig guten Titel "The Dark Won't Hide You". Es gab auch eine Zeit vor Night Horse. Da firmierte man unter dem Namen The Mother Fucking Razorbacks.
"Perdition Hymns" enthält ausschließlich Perlen. Ganz prächtig ist der etwas längere Track "Hard To Bear" mit feiner, sphäriger Gitarreneinleitung und dezent aufspielendem Schlagzeug. Von einem Kavalierstart kann hier, wie bei anderen Tracks, keine Rede sein. Dann wird sehr gefühlvoll das Gaspedal nach unten bewegt und mit zunehmender Lautstärke dreht man stetig weiter auf. Die beiden Gitarren sind ganz sauber im linken beziehungsweise rechten Kanal getrennt und zusammen kulminieren sie immer wieder in einen voll klingenden Sound.
Night Horse: Den Namen muss man sich merken und "Perdition Hymns" kaufen. Mit viel Boogie unter den Armen hat dieses Quartett aus dem Stand einen großen Sprung gemacht und makellos überzeugt. Vernichte eine Kanne und lass die Band rocken.
Line-up:
Sam James Velde (vocals)
Justin Maranga (guitar)
Greg Buensuceso (guitar)
Nick D'Itri (bass)
Jamie Miller (drums)
| Tracklist |
01:Confess To Me (3:46)
02:Angel Eyes (3:57)
03:Rollin' On (4:54)
04:Goodbye Gone (5:11)
05:Black Clouds (5:15)
06:Come Down Halo (4:33)
07:Blizzard Of Oblivion (3:42)
08:Hard To Bear (6:30)
09:Shake Your Blues (3:29)
10:Choose Your Side (5:18)
11:Same Old Blues (3:57)
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