Ana Popovic Band
24.09.2010, Kniestedter Kirche, Salzgitter
Ana Popovic Ana Popovic Band
Live In Concert 2010
Kniestedter Kirche, Salzgitter
24. September 2010
Stil: Blues, Blues Rock


Artikel vom 30.09.2010


Jürgen Bauerochse
Ana PopovicDas nenne ich mal einen gelungenen Coup. Hut ab, Kleinkunstbühne Salzgitter! Mit dem Konzert von Ana Popovic und ihrer Band ist dem Verein, der sich bisher fast ausschließlich im Bereich des Kabaretts einen guten Namen gemacht hat, der wohl wichtigste Schlag in Sachen Rockmusik gelungen. Ort des Geschehens war natürlich die kleine, aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammende Kniestedter Kirche an der Braunschweiger Straße in Salzgitter-Bad, seit Jahren der Stammsitz der Kleinkunst-Macher. Schon einmal konnte sich die RockTimes-Redaktion von der hervorragenden Akustik in dem ehemaligen Gotteshaus überzeugen, als Bernard Allison seine Visitenkarte dort abgab.
Ana PopovicDa vorauszusehen war, dass es ziemlich voll werden würde, waren wir frühzeitig vor Ort, und das erwies sich als genau die richtige Maßnahme, da die ersten Sitzreihen (!), ja ja, die Halle war komplett bestuhlt, für die Abonnenten der Kleinkunstbühne reserviert waren. Als die Plätze belegt waren, beschlichen uns doch leise Zweifel, ob dieses Publikum sich so richtig darüber im Klaren war, was sie gleich erwarten würde, denn wir hatten schon Teile des Soundchecks mitbekommen, und was uns da an die Lauschlappen drang, war schon ganz schön heftig. Doch ziemlich schnell wurden unsere Zweifel zerstreut. Zwar sah man etliche Leute, die sich zum Schutz die Ohren zuhielten, und nach dem ersten Teil des Sets blieben einige Stühle leer, was aber der Stimmung unter den ca. 200 Personen keinerlei Abbruch tat. Ana Popovic versteht es eben, (fast) jeden Besucher in ihren Bann zu ziehenů!
Ana PopovicFast pünktlich, kurz nach 20.00 Uhr, betrat die Ana Popovic Band, zunächst noch ohne ihre Frontfrau, die Bühne und legte gleich mal eine kraftvolle Einleitung für die Namensgeberin hin. Schon bei den ersten Tönen wurde klar, dass es sich bei der Multi-Kulti-Truppe um eine perfekt eingespielte Einheit von hervorragenden Musikern handelt. Die Rhythmus-Sektion machte sofort richtig Dampf im Kessel und erzeugte einen Sound, der sofort in die Knochen des Publikums ging. Dazu kam ein schweres Orgelspiel, das in vielen Passagen an selige, alte Frumpy-Zeiten erinnerte. Sehr schnell sprang der Funke auf die Besucher über. Die Kniestedter Kirche war bereit für den Auftritt von Ana Popovic.
Ana PopovicUnd dann war sie da, die 1976 in Belgrad geborene Serbin, deren Karriere 1999 mit der Gründung ihrer ersten eigenen Band Hush begann. Inzwischen kann die Sängerin/Gitarristin auf sechs Alben zurückblicken. Außerdem wurde sie im Jahr 2002 mit dem französischen French Blues Award als 'Best Singer', 'Best Guitarist' & 'Best Album' ausgezeichnet und ein Jahr später für den WC Handy Awards in Memphis USA, Kategorie 'Best New Artist Debut' nominiert, was ein weiterer Beleg für die Klasse dieser Frau ist. Jahr für Jahr ist sie Gast auf den großen Festivals in Europa und den USA, bei denen es ihr immer wieder spielend gelingt, die Publikums-Massen in ihren Bann zu ziehen und für sich einzunehmen.
Ana PopovicWarum das so ist, das zeigte sie auch an diesem Freitagabend. Gott sei Dank scheinen ihr die Gigs in kleinen Clubs auch weiterhin am Herzen zu liegen, denn auch in dieser intimen Atmosphäre fühlte sie sich sichtbar wohl und verzückte nur durch ihr bloßes Erscheinen die anwesenden Musikfans. Ana Popovic wirkte zu keiner Zeit abgehoben, sondern kam durch ihre freundliche und absolut natürliche Art bei den Besuchern dieses Konzertes prima an. Wenn jeder Musiker so auf dem Teppich bleiben würde, dann hätten wir Redakteure wesentlich leichteres Spiel bei Interviews und Konzertberichten, denn schließlich schreiben wir lieber über gelungene Gigs, als über irgendwelche Kapriolen oder Zickigkeiten.
Ana PopovicUnd nicht nur optisch war Ana Popovic ein Erlebnis. Auch in musikalischer Hinsicht ließ sie keine Wünsche offen. Ihre Gitarrenarbeit war auf einem hohen Level angesiedelt, egal ob sie das Slide-Röhrchen einsetzte oder die Klampfe herkömmlich bearbeitete. Dabei stand der Blues in verschiedenen Variationen im Mittelpunkt des zweiteiligen Gigs, doch auch bei Ausflügen in Funk- bzw. Jazzgefilde konnte sie voll überzeugen, ohne sich in irgendeiner Weise in den Vordergrund zu stellen. Im Gegenteil, immer wieder ließ sie den anderen Bandmitgliedern die Möglichkeit, sich so richtig auszuleben. Der Höhepunkt dabei war mit Sicherheit das Bass-Solo von Ronald Jonker, der dabei Songs wie Queens "Another One Bites The Dust" und Deep Purples "Smoke On The Water" einfließen ließ, was vom Publikum begeistert abgefeiert wurde.
Ana PopovicStark war auch das äußerst differenzierte Schlagzeugspiel von Drummer Stéfane Avellaneda, der erst in diesem Jahr zur Ana Popovic Band stieß und übrigens an diesem Abend Geburtstag hatte, was natürlich lauthals mit einem kräftigen "Happy Birthday To You" quittiert wurde. Auch dieser Mann hat eine besondere Klasse und beschränkte sich nie auf die reine Songbegleitung, sondern baute immer wieder kleine Kabinettstückchen mit ein.
Keyboarder Michele Papadia konnte ebenfalls öfter zeigen, was er drauf hat und ergänzte sich perfekt mit Anas Gitarre. Immer wieder warfen sie sich die Solo-Parts zu, wobei die Tasten-Sounds zwischen treibenden Pianoklängen und schweren Orgelsounds variierten. Klar, dass der Mann sich ausführlich als Solo-Interpret zeigen konnte, wobei sein Spiel vollkommen ausgereift wirkte.
Ana PopovicDoch natürlich waren alle Augen und Ohren auf die Namensgeberin gerichtet. Unspektakulär, ja fast unauffällig und dennoch hoch konzentriert setzte sie ihre Aktionen, steuerte ihren Gitarrensound, wobei auch das Wah Wah-Pedal ein ums andere Mal zum Einsatz kam und bedankte sich dann artig nach jedem Song bei ihrem Publikum. Auch stimmlich bot Ana Popovic trotz einiger technischer Probleme mit der Gesangsanlage eine prima Leistung. Zwar verfügt sie nicht über ein so gewaltiges Organ wie ihre Kolleginnen Dana Fuchs oder Dani Wilde, aber trotzdem singt sie mit enorm viel Ausdruck und Gefühl und verleiht so ihren Songs genau die richtig Intensität.
So verlief der Auftritt in richtig guten Bahnen, wobei die Songauswahl sich quer durch die Historie von Ana Popovic zog. Zusätzlich gab es noch Coverversionen aus der Feder von Stevie Ray Vaughan und
T-Bone Walker, die beide zu den persönlichen Favoriten der Sängerin gehören. Auch die Länge der Show ließ mit exakt 150 Minuten keine Wünsche offen. Mit solchen Auftritten wird die sympathische Musikerin überall auf der Welt neue Fans finden. Danke Ana für diesen schönen Abend!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Klaus Geisser von der Kleinkunstbühne Salzgitter für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Ana Popovic (guitar, vocals)
Ronald Jonker (bass, vocals)
Michele Papadia (keyboards, vocals)
Stéfane Avellaneda (drums)
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