Bill Phillippe kommt aus San Francisco und spielt den Blues aus dem Mississippi Delta. Bill Phillippe ist der Prediger, ist der Fingerpicker auf seiner akustischen Gitarre, ist ohrenfällig mit dem berühmten Delta verwachsen, ist der Beschwörer. Bill Phillippe schreibt Lieder, die ganz in der Künstler-Tradition von Robert Johnson, Son House, Charlie Patton oder zum Beispiel Mississippi John Hurt stehen.
Mit der vorliegenden Platte kehrt der amerikanische Künstler zurück zu den musikalischen Wurzeln seines dreißigjährigen Werdegangs. Er ist quasi eines der Bay Area-Sprachrohre für den Blues aus dem Delta.
In früheren Zeiten war einiges anders bei Bill Phillippe. 2003 gab es eine Band namens The Brothers Goldman und die drei Alben "Ascended Masters Of The Order Of The Tantric FOnk" (2003), "FOnk" (2008) sowie "FOnkOlOgy" (2011) haben nicht unbedingt in einer direkten Linie etwas mit dem Blues zu tun, sondern stehen in ihrem Gusto eher bei einer Musik à la The Meters.
Ein Künstler, eine Gitarre, eine Stimme. Bill Phillippe gab vorliegendem Album einen treffenden Namen, denn durch die insgesamt dreizehn Titel weht die Blues-Brise der Zeit, zu der der Blues noch in seinen Kinderschuhen durch die Baumwollfelder ging.
Die Interpretationen von Songs aus der Ära verzahnen sich auf magische Art und Weise mit den fünf Eigenkompositionen des Musikers. Mittlerweile ist ja kein Geheimnis mehr, dass der Zwölftakter nicht nur mit Bändern der Traurigkeit umhüllt ist.
Allerdings macht Bill Phillippes "Ghosts" da eine Ausnahme.
In fast jedem Track schwingt in gewisser Weise Trauer oder Melancholie mit. Wesentlich zu dieser Moll-Stimmung trägt sein Gesang bei. Der Musiker hat dieses leidenschaftlich-sehnsüchtige Timbre auf den Stimmbändern, die einen dazu bringt, mitzufühlen. Es werden Emotionen transportiert, die aus den Nebeln des Mississippi emporsteigen und sich in wunderschöner Weise zu Soundtracks der Sentimentalität entfalten.
Sein ständiger Begleiter ist die akustische Gitarre und ihr entlockt er phasenweise fröhliche Tonfolgen. Bei "The Ballad Of Blind Willie" ist aus meiner Sicht die tiefste Stelle der dunklen Gefühlswelt erreicht worden. Hier wird "Ghosts" zur kalten Hand, die einen auf die Schulter packt und auf diese Art eine Gänsehaut erzeugt.
Da lernt man alleine schon vom Songnamen "Death Letter" her das Fürchten. Bei dieser Nummer dient einem das relativ locker-flotte Tempo als Hilfsmittel, um sich gegen die mit der Gravitation arbeitenden Kräfte aus dem Sumpf der Depression zu ziehen.
"Ghosts" steht ganz in der Tradition/Geschichte des Blues. Auch wenn Bill Phillippe die etwas traurigere Art des Genres wählt, ist das Album sehr interessant für den Fan des 12-Takters.
Ein weiteres Merkmal der Verneigung vor dem alten Blues ist der Klang der Scheibe. Hier knistert zwar nichts, aber den Klang kann man schon als relativ typisch altmodisch bezeichnen. In Sachen Interpretation ist der Mann aus San Francisco ganz weit vorne. Da hört und spürt man seine Verbundenheit zum Mississippi Delta und die Eigenständigkeit der Coverversionen.
Eine Platte wie "Ghosts" findet man abseits der Straße. Eine Scheibe, die durchaus als Entdeckung bezeichnet werden kann. Bill Phillippe hat aus meiner Sicht den richtigen Schritt gemacht und sich dem Blues der Frühzeitgewidmet. Klasse Album!
Line-up:
Bill Phillippe (guitar, vocals)
| Tracklist |
01:Come On In My Kitchen (3:30)
02:Father's Lament (2:30)
03:Wedded Heart (2:43)
04:Broken Cup (2:44)
05:Keep Your Lamp Trimmed And Burning (2:57)
06:Tightrope (2:53)
07:Big Bill's Dream (3:35)
08:Motherless Child (3:00)
09:The Ballad Of Blind Willie (4:36)
10:God Don't Never Change (3:18)
11:In My Time Of Dyin' (2:48)
12:Death Letter (3:53)
13:You're Gonna Need Somebody On Your Bond (3:11)
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