Hat man automatisch den Blues in der Seele, wenn man im Mississippi Delta geboren wurde? "Mehr oder weniger", mag eine Kompromiss-Antwort lauten. Leute, ganz gleich wo sie zur Welt kamen, haben ebenfalls mehr oder weniger Blues im Blut.
Allerdings kann man sich das berühmte Delta auf die Werbe-Fahne schreiben und wenn in der Biografie von Kern Pratt auch noch steht: »[...] brings the Blues alive every time he starts to play [...]«, dann ist dieses Statement nicht von der Hand zu weisen. In seiner Telefonliste befinden sich, ganz gleich ob er mit ihnen zusammengearbeitet hat oder für sie Konzerte eröffnet hat, Namen wie zu Beispiel Hubert Sumlin, B.B. King, Mississippi Slim, Elvin Bishop, Bobby Rush, James 'T-Model' Ford, Bo Diddley oder Gregg Allman.
Das Platten-Intro zu "Broken Chains" wurde von Gastmusiker Wes Lee auf einer akustischen Gitarre gespielt und dieser Song ist die perfekte Einleitung für "Greenville Mississippi Blues". Dieser Track ist eine der insgesamt fünf Eigenkompositionen des Künstlers, der jetzt in Jackson seinen Lebensmittelpunkt hat. Das Eden Brent-Piano klingt klasse, das Bottleneck treibt seine Spielchen auf den sechs Saiten und schon hier sind die Leute mit ihren Holz- beziehungsweise Blechblasinstrumenten vorne weg. Den Mann am Klavier hätte man noch öfter zu Wort kommen lassen sollen, denn der ist richtig gut. Gepasst hätte es an weiteren Stellen der Scheibe. Schade!
Schon sind wir bei den Coversongs. Den Anfang macht "Lights Are On, But Nobody's Home" von Albert Collins. Die E-Gitarre des Bandleaders klingt wie die des 'Iceman'. Kern Pratt drückt ein wenig mehr auf das Tempo als im Original und die Bläser sind hier abermals das Salz in der Suppe. Saxofonist Bob Henderson bringt eine höchst interessante Variante in diese Interpretation. Über den Gesang des Frontmannes kann man nicht meckern. Reibeisen auf den Stimmbändern und Engagement prägen seinen Ausdruck.
Auch wenn nicht von ihm geschrieben, kommt beim Nennen des Songtitels "It Hurts Me Too" an erster Stelle der Slide-Meister Elmore James. In Kern Pratts Händen hat die Nummer Frontporch Feeling. Er spielt die akustische Gitarre, Luc Borms sentimentalisiert auf der Harp und Denise Owen singt im Hintergrund. Dieses Stück ist bestimmt ein Volltreffer des Albums.
Apropos Denise Owen. Sie singt in "Smokin' Gun" die Lead Vocals und siehe da, diese Sängerin ist richtig gut. Kompliment! Nach der Midtempo-Nummer geht es im folgenden "Soulshake" viel flotter zu. Denise Owen und Kern Pratt agieren gewinnbringend im Duett. Mit Soul im Titel hat die Nummer auch Soul Style in der Musik und abermals stehen die Bläser, wieder mit einem, dieses Mal ziemlich langen Solo, im Vordergrund. Guter Rückblick auf die Siebzigerjahre.
Der Rausschmeißer und Titeltrack "Broken Chains" ist nach "Cotton Pickin'" ein zweites Instrumental und Soloeinlage von Kern Pratt und hier ist Party mit Tanzbein-Aufforderung angesagt. Die Bläser sind im Orchester-Format arrangiert worden und Kern Pratt spielt ein gutes Solo auf seinem Arbeitsgerät.
Die Funk-Schiene fährt die Combo mit dem Track "Handcuffed To The Blues". Kern Pratt, Denise Owen und Schlagzeuger/Keyboarder Nelson Blanchard stimmen bei ihrem gemeinsamen Gesang den Gospel an. Gut! B.B. King hatte seine Lucille, James 'T-Model' Ford nannte seine Gitarre Black Hannah und genau darum geht es in "Black Hannah", einem Track mit Blues Rock-Outfit und deutlichem Siebzigerjahre-E-Gitarren-Riffing. Die Bläser sind auch wieder dabei.
Kern Pratt bringt einige Varianten des Blues auf den Plan, hat mit Denise Owen eine tolle Sängerin an seiner Seite, weiß die Gebläse-Abteilung zu schätzen und spielt einen guten Blues. Nicht mehr und nicht weniger. Bei diesem Album-Angebot wird Antesten empfohlen.
Line-up:
Kern Pratt III (guitar, vocals)
Denise Owen (lead & background vocals, percussion)
David Hyde (bass guitar, horn arrangements)
Nelson Blanchard (drums, keyboards, background vocals)
Sam Brady (Hammond B-3 organ)
Elaine Foster (background vocals)
Lacy Blackledge (trumpet)
Bob Henderson (tenor & alto saxophone)
Pete Verbois (baritone saxophone)
Chris Belleau (trombone, Luzianna washboard)
With Special Guests:
Eden Brent (piano - #2)
Kenny Neal (2nd guitar - #7)
Luc Borms (harmonica - #8)
Wes Lee (Resonator guitar - #1,12)
| Tracklist |
01:Delta Mourn' (0:35)
02:Greenville Mississippi Blues (3:08)
03:Lights Are Out, But Nobody's Home (7:00)
04:Somewhere South Of Memphis (4:01)
05:Black Hannah (4:26)
06:Cotton Pickin' (2:54)
07:Don't Leave Me Baby (5:07)
08:It Hurts Me Too (2:42)
09:Handcuffed To The Blues (4:34)
10:Smokin' Gun (4:07)
11:Soulshake (4:30)
12:Broken Chains (1:02)
|
|
Externe Links:
|