Queensrÿche / Operation: Mindcrime II
Operation: Mindcrime II
Jetzt sind doch tatsächlich schon bald 20 Jahre vergangen, nachdem die Band Queensrÿche aus Seattle ihr damaliges Konzeptalbum "Operation: Mindcrime" vorgelegt hatte. Erinnert Ihr Euch noch an die Story um den mysteriösen 'Dr. X'? Nun, ich hatte es schon einmal an anderer Stelle beschrieben. Als in den 80er Jahren die Truppe um Geoff Tate und Chris De Garmo (letzterer ist nicht mehr dabei) plötzlich auf der Matte stand, da hatte diese Musik kaum jemand mit dem Begriff 'Prog.-Metal' verbunden. Meinetwegen packen wir es inzwischen dort hinein, waren doch die Kompositionen der Band schon immer vertrackt, abwechslungsreich und vor allen Dingen auf einem hohen Niveau.
"Operation: Mindcrime" aus dem Jahr 1988 war ein Album, welches wirklich kaum Wünsche übrig ließ. Da gab es harten Metal neben einfühlsamen Balladen, die Stimme von Geoff Tate klang an einigen Stellen in höchstem Maße extrovertiert. Ich habe Queensrÿche damals live gesehen und ich kann mich noch gut erinnern, wie die Band für das eine oder andere Gimmick sorgte. Da hingen die Becken von Schlagzeuger Scott Rockenfield an losen Ketten etc. Kurz um: Bomben Scheibe, bomben Show.

DAMALS!!!
Und nun ist es da, das von so vielen Fans heraufbeschworene Nachfolgealbum mit der Verschwörungsgeschichte zum Inhalt. Insgesamt 17 Teileinheiten befinden sich auf dem Album, die erneut alle im wesentlichen gekonnt miteinander verbunden sind. "Operation: Mindcrime II" wurde von Jason Slater (Snake River Conspiracy) produziert. Nach dem letzten Album "Tribe" von 2003 war die Hauptfrage: Können Queensrÿche überhaupt noch so wie damals klingen?"
Das Hauptproblem ist, dass sich die Band selbst mit dem 1988er Release die Messlatte extrem hoch angelegt hat. Man muss damit fertig werden, dass der neue Teil 2 von alten Fans gegen gehalten wird. Und das ist in meinen Augen falsch! Wenn man das macht, hat die neue Scheibe vermutlich kaum eine Chance. Und so habe ich zumindest versucht, neutral ans Hören ran zu gehen.
Thematisch passt es. Während damals die politische Lage in den USA die Story lieferte, ist es nun erneut das politische und soziale Klima, welches nebenbei aufgegriffen wird. Man beklagt die konservativen Haltungen der regierenden Partei. Der damals festgenommene 'Nikki' kommt unter einem Präsidenten gleichen Namens nach gut 20 Jahren raus, um 'Dr. X' zur Strecke zu bringen und so 'Sister Mary' zu rächen. Für die Stimme des 'Dr. X' mietete man sich niemand geringeren als Ronnie James Dio.
Als Neumitglied verzeichnet man Mike Stone an der Gitarre, ansonsten ist an sich alles beim alten. Im wahrsten Sinn des Wortes, denn Geoff Tate ist inzwischen stattliche 47 Jahre alt.
Vom Alter keine Spur, als nach einem ansprechenden Intro erstmals mit "I'm American" nach alter und gewohnter Manier gerockt wird. Das passende Video gibt es übrigens derzeit offiziell im Netz. Geradezu etwas schleppend ist "One Foot In Hell" und mit dem Song "The Hands" sind wir dann wirklich wieder in der Vergangenheit angekommen. Altbekannte Rhythmusgebilde lassen den Hörer in Erinnerungen schwelgen. "Re-Arrange You" strotzt schon mal wieder voller Energie, hat zudem interessante orchestrale Passagen eingebaut, die später auf der Bühne vermutlich vom Band laufen müssen. Als dann etwas später die beiden Kontrahenten 'Nikki' und 'Dr. X' aufeinander treffen, ist für alle die, die den Inhalt der Story verfolgt haben, eine gewisse Spannung angesagt. Nun ja, seien wir ehrlich, den Song alleine könnte auch Ronnie James Dio nicht so richtig rausreißen, im Konzept gesehen ist es dann allerdings richtig gut.
Auch das zum Klagelied anmutende "If I Could Change It All" geht einem durchaus ein und noch mal richtig gut wird es mit "A Junkies Blues", in dem sich gesunde Härte und sanfte Töne abwechseln. Dabei wird einem klar, dass sich die Story nun wohl dem Ende nähert. Und so komme ich in die Zwickmühle, dann doch endlich ein, zumindest für mich persönliches, Urteil zu fällen, welches ich Euch nicht vorenthalte.
"Operation: Mindcrime II" ist entgegen den ersten Höreindrücken schließlich doch ein tolles Album geworden. Da gibt es Teilbereiche, die vom Sound her an die 80er erinnern, aber auch vollkommen neue Eindrücke. Vielseitig waren Queensrÿche eigentlich schon immer. "Operation: Mindcrime II" ist im Ergebnis nicht so gut wie die 88er Platte, aber das beste Album seit "Promised Land". Man wird Fans von damals verlieren, aber auch neue hinzu gewinnen. Gebt dem Silberling einfach mehrere Umläufe und vielleicht zündet sie dann doch so richtig, wie es bei mir der Fall ist. Der größte Unterschied ist der, dass auf der Nummer 2 definitiv Totalausfälle zu verzeichnen sind, wenn auch deutlich in der Minderheit. Es ist eine Platte, die sicher zu häufigen Diskussionen innerhalb der Szene führen wird. Aber genau das ist es am Ende immer wieder, was unser Hobby so liebenswert macht.

Dann diskutiert man schön
Line Up:
Vocals: Geoff Tate
Guitars: Michael Wilton
Guitars: Mike Stone
Bassguitar: Eddie Jackson
Drums: Scott Rockenfield


Spielzeit: 59:10, Medium: CD, Warner Music, 2006
1:Freiheit Ouvertüre (1:35) 2:Concict (0:08) 3:I`m American (2:53) 4:One Foot In Hell (4:12) 5:Hostage (4:29) 6:The Hands (4:36) 7:Speed Of Light (3:12) 8:Signs Say Go (3:16) 9:Re-Arrange You (3:11) 10:The Chase (3:09) 11:A Murderer (4:33) 12:Circles (2:58) 13:If I Could Change It All (4:27) 14:An Intentional Confrontation (2:32) 15:A Junkies Blues (3:41) 16:Fear City Slide (4:58) 17:All The Promises (5:10)
Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, 04.04.2006