Cristiano Roversi / AntiQua
AntiQua Spielzeit: 51:25
Medium: CD
Label: Galileo Records, 2013
Stil: Retro Prog

Review vom 15.05.2013


Steve Braun
Hereinspaziert, liebe Progressive-Gemeinde, in Cristiano Roversis Wunderland "AntiQua"; in einen seltsamen Kosmos voller Schönheit und Harmonie, in der die Zeit in einem anderen, vielleicht natürlicheren Tempo fließt. AntiQuas Tore stehen jedem offen, der sich noch den Blick für das Zauberhafte und den Mut zum Träumen bewahrt hat. Ein Blick auf das farbenfrohe Cover der vorliegenden CD lässt den Hörer erahnen, was er in "AntiQua" erwarten darf...
Das dritte Soloalbum sollte ganz bewusst ein 'Solo' des Keyboarders und Chapman Stick-Virtuosen Cristiano Roversi werden. Deshalb hat der Moongarden-Mastermind ganz bewusst auf eine Band verzichtet. Ganz gezielt verpflichtete er für einige wenige Passagen eine Handvoll Gastmusiker - organische Drums gibt es nur bei einem Stück zu hören.
Seine musikalischen Wurzeln versucht Roversi überhaupt nicht erst zu verbergen, begannen doch die italienischen Progger Moongarden als eine Genesis-Tribute Band. Doch diese fetten Moog Taurus-, String Ensemble- und Mellotronklänge machen nur einen Teil von "AntiQua" aus. Folkloristische Elemente verschiedenster Provenienzen gehören genauso dazu, wie typische Zitate aus der Elektronischen Musik, wobei gerade hier eine gewisse Nähe zu dem New Age-Gekleistere nicht verleugnet werden kann. Wer davon keine 'Pickel' bekommt, wird dies möglicherweise als Bereicherung empfinden.
Beim vorliegenden Konzeptalbum entwirft Cristiano Roversis vielschichtige Klanglandschaften. Schicht um Schicht trägt er auf die 'musikalische Leinwand': mal fröhlich - mal wehmütig, mal ätherisch - mal erdverbunden, selten furios - manchmal langatmig, aber immer mit hoher Musikalität und dem untrüglichen Gespür für 'wattige' Harmonien. Des Öfteren fühlt man sich an Solowerke von Steve Hackett oder Anthony Phillips erinnert. Roversi bietet 'Easy Listening' für das sanfte Entgleiten in hypnotische Zustände, auch wenn gerade in diesen Momenten gelegentlich die Grenze zum New Age-Kitsch touchiert wird.
Das Glanzstück von "AntiQua" ist die vierteilige "Tales From Solitude Suite", die sich nicht nur beim Mellotron-geschwängerten dritten Part ("Crave Some Loneliness") unverhohlen bei Genesis bedient. Das Konzept dieses Longtracks wurde ganz maßgeblich von Bernardo Lanzetti, dem Sänger der italienischen Prog-Veteranen Acqua Fragile, mitentwickelt, der zudem leicht theatralische Vocals beisteuert.
Richtig peinlich wird es eigentlich nur einmal, wenn das Prog-Urgestein Aldo Tagliapietra (Le Orme) bei "L'Amore" seinen muttersprachlichen Gesang besteuert - das hat in Verbindung mit Akustikgitarren-Geschrammel schon was von Adriano Celentano. Paradoxerweise ist die übrige musikalische Untermalung dieses Stücks enorm stark und erinnert mit bombastischen Moog Taurus-Bässen und einer glasklaren Hammond L-100 ganz deutlich an beste Barclay James Harvest-Taten. In Kombination mit dem schnulzigen Habitus klingt dies allerdings wie eine Karikatur.
Bis auf das (großartige) Titelstück, bei dem Gigi Cavalli Cocchi (Mangala Vallis) teilweise infernalisch in die Felle haut und Moongarden-Kollege Mirko Tagliasacchi dazu einen luftigen Fretless streichelt, muss man mit einer Drum Machine Vorlieb nehmen. Wobei ich ausdrücklich anmerken muss, dass dieser Umstand mich hier ausnahmsweise mal nicht nervt. Cristiano Roversi setzt 'Herrn Roland' (Vorname: CR-78) auf "AntiQua" recht geschmackvoll und vor allem dezent ein!
"AntiQua" ist ein durchweg melodisch-symphonisches, entspannendes und abwechslungsreiches Progressive-Album, dem man zwar das Branding 'Easy Listening' verpassen mag, ein durchaus anspruchsvolles Niveau allerdings nicht verleugnen kann.
Abgerundet wird diese - in der Summe - erfreuliche Veröffentlichung durch ein hübsches Artwork und ein ebensolches Booklet.
Line-up:
Cristiano Roversi (12-string guitar, classical guitar, electric guitar - #4, grand piano, various synthesizers, Taurus bass pedals, Polymoog, Mellotron, Hammond Organ L100, Roland CR-78 drum machine, samples)

Guests:
Fabio Serra (electric guitar)
Bernardo Lanzetti (vocals - #2) David Cremoni (electric guitar - #2)
Aldo Tagliapietra (vocals, acoustic guitars - #3)
Leonora (vocals - #5)
James Larcombe (hurdy-gurdy - #6)
Mirko Tagliasacchi (bass - #8)
Gigi Cavalli Cocchi (drums - #8)
Tracklist
01:Morning in AntiQua (5:20)
02:Tales From Solitude Suite (13:39)
   a)A Silent Rite
   b)Tales From Solitude
   c)Crave Some Loneliness
   a)East Or West?
03:L'Amore (3:41)
04:Nessi Revealed (3:34)
05:Falling (9:17)
   a)Falling
   b)Celestial Slowfall
06:Dimlit Tavern (5:18)
07:Nirayed's Secret Diary (3:23)
08:AntiQua (5:46)
09:AntiQua's Evening (1:27)
Externe Links: