Johnny Rieger Band / Come Closer
Come Closer Spielzeit: 48:16
Medium: CD
Label: Fuego, 2013
Stil: Blues Rock

Review vom 10.03.2013


Joachim 'Joe' Brookes
Die Zahl der zweihundert Konzerte, bei denen man bisher auch die Bühne mit Bernard Allison, Henrik Freischlader, Timo Gross, Meena oder Stoppok geteilt hat, wird sich nach dem Album "Come Closer" bestimmt schnell erhöhen.
Deutschland hat mit der Johnny Rieger Band einen Newcomer in der Blues-Szene, zumindest, was die Tonträgerveröffentlichungen angeht, denn vorliegendes Album ist das Debüt des Trios und erscheint bei dem Label Fuego. Die Gruppe hat in Teamarbeit alle Songs geschrieben und Timo Gross saß im Produzentenstuhl. Zusammen mit Andreas Schorpp war er auch für das Mixing zuständig. Dabei hat man für klare Verhältnisse bezüglich des Sounds der Scheibe gesorgt.
Alles unter Dach und Fach. Jetzt muss es nur noch mit der Musik hinhauen. Die Johnny Rieger Band hat es mit dem Blues und ihn gut studiert. Nein, so etwas reicht natürlich nicht. Alles nur Theorie. Davon abhängig ist begeisternder Blues nicht unbedingt, steht ihm aber auch nicht im Weg. Worauf es ankommt, sind die auf dem Papier befindlichen Noten so zu spielen, dass dem Hörer dieses bedeutungsvolle Feeling entgegenschwappt.
Da geht bei der Johnny Rieger Band die Saat über ins Keimen. Der Mann an der Gitarre und dem Gesangsmikrofon beeindruckt mit Frische, ohne die Tradition aus dem Blick zu verlieren und seine Stimmbänder sind sehr gut geölt. Ab und an vernimmt man einen gewissen Reibeiseneffekt und der hat überzeugende Wirkung.
Aus meiner Sicht ist das Titelstück "Come Closer" eines der Highlights des Albums. Einerseits setzt es den Gesang mit den Backing Vocals von Michael Jochum bestens in Szene und andererseits kommen in diesem gleichermaßen die Akustische sowie E-Gitarre zum Zug. Durchgehend klasse ist Jan Becker an den schwarzen und weißen Tasten. Er ist für mich das vierte Bandmitglied. Die Rhythmusabteilung liefert einen tollen Groove dazu und schon ist die Freude des Hörers groß, aber bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht befriedigt.
Johnny Riegers Gitarrenspiel ist voller Kraft und emotionaler Verführung auf sechs Saiten. Er hat sich die Meister sehr gut angehört und seine eigene Sache daraus entwickelt. In diese Lobhudelei passt auch die Erwähnung des Bottlenecks, das nicht unbedingt alle Bluesgitarristen einsetzen. Johnny Rieger stellt es in so manchem Track (zum Beispiel "Good For You") prominent in den Vordergrund seiner Fingerakrobatik, bevorzugt auf der Dobro. Damit kreiert man ja immer eine besondere Atmosphäre, die einen unter anderem an das Mississippi Delta denken lässt.
Nicht nur das kollektive Songwriting bürgt für Qualität. Die Texte zeugen ebenfalls von der Klasse der Gruppe. Musikalisch bewegt sich bei der Johnny Rieger Band viel. Man findet auch zwischen den Spektralfarben des 12-Takters (Funk, Soul, Country) seine Spielräume, die hervorragend ausgenutzt werden. Der Wechsel von Strom-Gitarre und Akustischer ist sehr gut gelungen und so werden "Hey Boy" oder "Free And Alive" zu wunderschönen Akustik-Nummern. Bei dem hohen Standard des Songwritings kann man sich quasi schon bildlich vorstellen, wie die Johnny Rieger Band während einer Tour das eine oder andere Konzert als Acoustic Set ankündigt.
Natürlich verstehen sich der Dreier sowie Jan Becker auch auf die rockige Variante des Blues. Dann heißt es zum Beispiel "Seven Month Out" oder "Break Out". In letztgenanntem Track zeigt der Frontmann, was es heißt, staubig-knackige Riffs an den Mann zu bringen. Matthias Scherer (Bass) sowie Schlagzeuger Michael Jochum bilden eine zupackende Rhythmusfraktion, die es versteht, im Slow Blues zusammen mit Johnny Rieger Ausrufezeichen zu setzen. Die Scheibe wird zur Dauerrotation im Player verpflichtet. Im souligen "Moon Wakes Up" ist im Refrain die Rede von »light shines bright« oder »lucky guy«. Diese Zitate darf man ruhig auf die Johnny Rieger Band beziehen. Ein Trio und Jan Becker bahnen sich ihren Weg durch die südpfälzischen Swamps und werden bei ihren nationalen und internationalen Konzerten wahre Begeisterungsstürme entfachen.
Vielleicht wird man in fünf bis sechs Jahren und zirka drei weiteren Alben das Titelstück "Come Closer" bereits als eine Art Klassiker in den Setlists zu den Konzerten und Auftritten bei Festivals zählen dürfen.
Line-up:
Johnny Rieger (guitar, vocals)
Matthias Scherer (bass)
Michael Jochum (drums, vocals)

With:
Jan Becker (keyboards, Hammond, Wurlitzer)
Tracklist
01:Road Trip (3:32)
02:Good For You (4:10)
03:I Want To Fly (4:10)
04:Hey Boy (4:21)
05:Closer To Me (4:00)
06:Seven Months Out (3:13)
07:Free And Alive (3:01)
08:Butchery (5:07)
09:Power Comes Back (3:51)
10:Break Out (4:20)
11:Moon Wakes Up (4:31)
12:Sandy Ground (3:34)
(all songs written by Johnny Rieger Band)
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