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Zunächst gibt es über die Band Reggaekläuse zwei markante Zahlen zu vermelden. Die Combo ist mit zehn Leuten am Start und sie existiert seit drei Jahren. Ihr Stammsitz ist in Kassel und die Musik wurde bisher mit einer "Demo #1" genannten Platte dokumentiert. Viele Besucher werden ihre Clubkonzerte oder Auftritte bei Festivals in ganz Deutschland in bester Erinnerung haben.
Nun gibt es den ersten Longplayer der Reggaekläuse und man hat ihm den fetzigen Titel "Coco Rambo" gegeben. Die vierzehn Songs teilen sich in acht Eigenkompositionen und sechs Remixe auf. Mit fast einem Dutzend Musiker ist mächtig was los auf der CD. Nimmt man ihre deutschen Texte unter die Lupe, hat die Gruppe Themen drauf, die durchaus interessant klingen. Da gibt es Songtitel wie "Zieh dir einen durch", "Schnapps und Kippen" oder "Marihuana". Zu manchen Themen habe ich ein ambivalentes Verhältnis und bezüglich der Textzeilen von "Zieh dir einen durch" und "Marihuana" kommen mir spontan niederländische Zustände in den Sinn. Nein, das Ganja-Motiv gehört irgendwie zum Reggae wie die Schaumkrone zum Bier.
Die Musik der Kasseler ist breit gefächert und sie überzeugen den Hörer durch differenzierten Reggaerhythmus. Die Platte ist eine dufte Sache und man hat beim Hören förmlich das Parfüm der Reggaekläuse in der Nase. Alleine schon die in diesem Genre klassische dreiköpfige Bläsermannschaft (Jonas Köhler, Alexander 'Tingel' Wellhäuser, Max Schambach) innerhalb der Band bringt ein Mehr an Hörfreude. Die Holz- sowie Blechinstrumente liefern sowohl als perfekte Begleiter wie auch in der Rolle der Vorreiter eine tolle Stimmung. Das eine oder andere Solo ist super und die einzelnen Nummern haben ganz unterschiedliches Flair. Gepaart mit den Keyboard-, Orgel- und Synthesizer-Sounds versetzt man uns in karibische Stimmungen.
Klar, der Bass von Thilo Trumpoldt pumpt unentwegt und der Gesang von Alexander 'Erpel' Brenk ist einfach nur gut, weil entspannt. Reggaekläuse hat bemerkenswert ausgeklügelte Arrangements und auch bei der Tempoauswahl ist man versiert. Die deutschen Texte passen klasse zur Musik und wenn Brenk vokal richtig Gas gibt, nähert er sich dem Hip Hop.
Die rhythmischen Tönungen der E-Gitarren von Brenk sowie Martin Eppelein sind ausgefeilt und die zehnköpfige Gruppe bleibt schön in der Spannbreite des Reggaes. Zu der speedigeren Variante des Ska hat die Gruppe eine deutliche Grenze gezogen. Eher ungewöhnlich ist der Einsatz der Mundharmonika. "Marihuana" erhält dadurch einen besonderen Pfiff.
Eine Extraposition stellt aus meiner Sicht "Eine Nacht" dar. Hier treiben im positiven Sinn die Bläser ihr Unwesen. Das Trompetensolo zu Beginn ist ein ganz großer Schluck aus dem Reggaeglas. Max Schambachs Posaunensolo liegt da auf gleicher Höhe. Man muss sich die Bassvorstellung einfach öfters auf der Zunge zergehen lassen.
Quasi frei Haus und kostenlos liefert Reggaekläuse gleich sechs Remixe auf "Coco Rambo" mit. Die bereits aus den Studioaufnahmen bekannten Tracks werden in Feinarbeit und mit Ideenreichtum in unterschiedlicher Weise aufgebohrt. Da gibt es härtere Beats und viele Soundspielereien mehr. Der "Dub vom Dunst" im 'Kayaman Remix' geht zwischendrin richtig gut ab und die fast achteinhalb Minuten "Meine Stadt" als 'h1on2E Remix' setzt dem ganzen Treiben die Krone auf. Hier ist verdammt viel los und der Hörer kann sich so richtig austoben. Diese relaxten Grooves sind fantastisch! Da kann die Fußwippe nicht anders als mitmachen.
Wenn "Marihuana" durch Alexander Brenk als 'Erpel Remix' unter anderem mit Stimmvariationen und -verfremdungen anders in Szene gesetzt wird, dann braucht der Hörer sich über die Wirkung des Stoffs keine Gedanken zu machen. In "Burn Down Parade" geht man einen extremen Weg. So etwas nenne ich in seiner grenzenlosen Kreativität Avantgarde-Reggae.
"Coco Rambo" von Reggaekläuse ist eine klasse Platte, mit der man sehr viel anfangen kann.
Line-up:
Alexander 'Erpel' Brenk (guitar, vocals)
Martin Eppelein (guitar)
Aaron Seitz (organ, keyboards)
Jonas Köhler (trumpet, vocals)
Alexander 'Tingel' Wellhäuser (alto saxophone)
Max Schambach (trombone)
Moritz 'Erdmann' Lehr (percussion, harmonica, vocals)
Anyere Bendrien (percussion, synthesizer, effects)
Thilo Trumpoldt (bass)
Lukas Wohlfarth (drums)
| Tracklist |
01:Das Lied vom Dunst (3:40)
02:Burn Down (3:29)
03:Meine Stadt (3:19)
04:Zieh dir einen durch (3:55)
05:Schnapps und Kippen (3:47)
06:Marihuana (3:17)
07:Rausch und Ewigkeit (3:58)
08:Eine Nacht (4:59)
Bonus Tracks:
09:Der Dub vom Dunst [Kayaman Remix] (5:02)
10:Eine 8bit Nacht [The Genbananen Remix] (4:29)
11:Meine Stadt [h1on2 Remix] (8:25)
12:Marihuana [Erpel Remix] (4:37)
13:Rausch und Ewigkeit [GeeZeS Remix] (3:35)
14:Burn Down Parade [Parade Remix] (3:42)
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Externe Links:
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