Bruce Springsteen / Springsteen & I
Springsteen & I Spielzeit: ~146:00
Medium: Blu-ray/DVD
Technik:
Bildformat: 16:9
Audio-Format Blu-ray: DTS-HD Master Audio, LPCM Stereo
Audio-Format DVD: DTS Surround, Dolby Digital 5.1, Dolby Digital Stereo
Format: Blu-Ray-Musik
Subtitles: GB, F, E, D, I, NL, P FSK 0
Label: Eagle Vision, 2013 (2010)
Stil: Rock

Review vom 09.12.2013


Jochen v. Arnim
Was bekommt man, wenn man Fans eines Superstars aufruft, sich selber zu filmen und darzustellen, was eben jener Star für diese Fans bedeutet? Warum spielt er eine so große Rolle und welchen Einfluss mag er ggf. auf das Leben des einzelnen Fans haben? Nun, im vorliegenden Fall bedeutete dieser Aufruf eine Flut von rund 2.000 eingesandten Clips, durch die sich der Regisseur Baillie Walsh und das Produzententeam unter Leitung von Ridley Scott zu kämpfen hatten. Und nach dem Gesetz der Großen Zahlen bedeutet das auch, dass je größer die Auswahl ist, umso besser und realistischer lässt sich der tatsächliche Querschnitt (der Fangemeinde) darstellen.
Mit knapp zweieinhalb Stunden Bild- und Tonmaterial kommt Eagle Vision auf dieser DVD/BRD daher, davon ist ein Großteil eben jenes Sammelsurium aus der Welt der Fans. Zusätzlich hat man, für eine Veröffentlichung ja immer interessant, ein halbes Dutzend Live-Aufnahmen vom Konzert im Londoner Hyde Park aus dem Jahr 2012 dazugepackt - bislang offiziell nicht veröffentlichte Takes.
Eigentlich kommt der 'Boss' in persona in dieser Doku gar nicht so richtig vor, wenngleich er natürlich absolut omnipräsent ist. Alles Denken und Handeln dieser vielen, vielen Fans kreist logischerweise um den Rocker aus 'Noo Joisey', sein Leben, sein Schaffen, seine Vorbildfunktion und seinen Idolstatus. Vom ersten 'Berührungspunkt' wird ebenso erzählt wie vom roten Faden Springsteen, der sich durch das Leben des Fans zieht.
Woher kommt diese unglaubliche Verbundenheit des 'blue-collar'-Musikers mit seiner Gefolgschaft? Ist er, einer der am besten verdienenden Superstars im Musik-Business, ein vielfacher und abgeschottet lebender Millionär denn immer noch ein Mann aus dem Volk? Wofür steht er wirklich? Eine richtige Antwort wird es auf diese Frage natürlich nicht geben, denn die Essenz der Aussagen geht eher in die Richtung, was Er mit dem Inneren der Fans macht. Ein Idol, gottgleich, von Millionen Jüngern verehrt.
Und die Frage nach der Bedeutung wird hinlänglich breitgetreten, von Angehörigen aller Gesellschaftsschichten. Da haben wir die Hausfrau vor ihrem Plüschsofa mit gerahmtem Bild vom 'Boss' in der Hand, zu dem der Sohn »Daddy« sagt, das Ehepaar auf der Parkbank, die Mutti, die die Kinder von der Schule abholt und mit Springsteen aus der Konserve quält oder die Truckerin, die frühmorgens über die Beziehung zu Bruce sinniert.
Natürlich gibt es auch Menschen, die sich in unglaublichem Geltungsdrang in eine Position reden, die ihnen gar nicht zusteht und die nur für sie selber überhaupt eine (vermeintliche) Bedeutung hat. Menschen, die sich allein darüber definieren, dass sie ein Idol haben. Und Menschen, die offensichtlich ein paar Pfund Geschichten zu viel aufgelegt haben, um mit ihrem Clip auf jeden Fall in die Endauswahl zu kommen.
Allen ist in jedem Fall gemein, dass es sich um qualitativ und auch inhaltlich mehr oder weniger gelungene Amateuraufnahmen handelt. [Irgendwie musste ich an eine deutsche Doku denken, die vor gefühlten 300 Jahren unter dem Titel "Deutschland privat", von Robert van Ackeren gedreht, in den Kinos rauf und runter lief und reihenweise Super 8-Filmchen zeigte. Filmchen von privaten Einsendern, denen ebenso wie im vorliegenden Fall teilweise keine Peinlichkeit zu schlimm war.] Dadurch wird selbstverständlich ein hohes Maß an Authentizität geboten. Bewusst wird der Begriff 'suggeriert' vermieden, denn der Amateurclip ist zwar unstrittig ein filmisches Stilmittel für eben genau das, aber wissen wir nicht alle, wie bekloppt richtige Fans sein können?!
Bekloppt genug, ALLES zu tun, nur um mal auf die Bühne zu gelangen. Bekloppt genug, von Hoffnung, Leidenschaft und Zusammenhalt zu reden, wenn es um das Idol und die Beziehung zu ihm geht. Frei nach dem Motto »Wer heilt, hat recht!« muss konstatiert werden, dass es unterm Strich vollkommen egal ist, was Bruce dafür getan, Hauptsache, der Fan fühlt sich gut.
Halt, da gab es doch noch das Bonusmaterial: Gut gefilmte Mitschnitte aus dem Hyde Park-Konzert, bislang unveröffentlicht. Sehr schön zu sehen, ist das Duett mit Paul McCartney, der seinerzeit für "When I Saw Her Standing There" und "Twist And Shout" auf die Bühne gekommen war. Weitere Songs sind "Thunder Road", "Because The Night", "Shackled And Drawn" sowie "We Are Alive".
Und am Ende gibt es noch ein wenig Footage aus dem Backstage-Bereich, in dem einigen Beitragenden die Möglichkeit geboten wird, den Chef persönlich zu treffen.
Sehenswert, aber nicht kritiklos zu konsumieren!
Wieder mal schön ist übrigens, dass der Film bei uns FSK 0 eingestuft ist und die Amis ihm das dicke M gegeben haben - Sprache und Inhalte eignen sich bei denen eben nur für Personen ab 16 gereiften Lebensjahren - nur weil Springsteen auf der Bühne das Wort Cunnilingus in den, ähh Mund nimmt und sagt »If you can pronounce it you can probably do itů«
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