Patrick Sweany / 30.10.2011, Cultureel Podium Roepaen, Ottersum (NL)
Cultureel Podium Roepaen Patr4ick Sweany
Cultureel Podium Roepaen, Ottersum (NL)
30. Oktober 2011
Stil: Blues, Soul


Artikel vom 03.11.2011


Joachim 'Joe' Brookes
Patrick Sweany In der Biografie des Amerikaners Patrick Sweany kann man auf seiner Homepage lesen, dass er sich in der Plattensammlung seines Vaters bediente und sich als Autodidakt das Fingerpicking durch Hören von Leadbelly- oder Lightlin' Hopkins-Alben beibrachte. Noch nicht zwanzig Jahre alt, spielte er in Clubs und erhielt durch seine aussagekräftige Stimme, sein Fingerpicking sowie den Einsatz des Bottlenecks Anerkennung. Jimmy Thackery wurde auf den Musiker Sweany aufmerksam und gab ihm die Möglichkeit noch mehr zu touren. 1999 kam Sweanys Debüt-Album "I Wanna Tell You" auf den Markt und 2002 spielte der Künstler auf dem MerleFest in Wilkesboro, North Carolina. Von seiner Liebe zum Fünfzigerjahre-Soul sowie -Rock geprägt, gründete er eine Band und veröffentlichte unter dem Namen Patrick Sweany Band "Henryfordbedroom" (2003) beziehungsweise "C'mon C'mere" (2006). Unter eigenem Namen folgten "Every Hour Is A Dollar Gone" (2007) und "That Old Southern Drag" (2011). Patrick Sweany tourte bereits im Vereinigten Königreich. Mit fünf Auftritten in den Niederlanden ist er zum ersten Mal auf dem europäischen Festland unterwegs und was er in einem fast zweistündigen Konzert im Nightclub auf Roepaen bot, schlug echte Wellen der Begeisterung.
Patrick Sweany Für den Beginn des Gigs wählte Sweany eine eher vedächtige Nummer mit dem Titel "Hotel Women" vom Album "Every Hour Is A Dollar Gone". Schon in den ersten Minuten waren die zahlreich erschienenen Zuschauer von seiner klasse Stimme mit dem rauen Timbre beeindruckt und auch sein Fingerpicking war überzeugend. Rhythmisch unterstützte er seinen energetischen Auftritt durch ein (wohl selbst gebautes) Poarchboard. Hammer! Man war jetzt echt gespannt darauf, was der Mann in seiner Solo-Show noch zu bieten hatte.
Patrick Sweany Wie er seine Einflüsse aus Blues, Soul und Rock zu einem ureigenen Stil entwickelte, machte er ein ums andere Mal deutlich. Da gab es herrliche Nummern mit viel Groove, Drive und Rock'n'Roll. Obendrein waren seine Songs mit einem bemerkenswerten Hang zu wunderschönen Melodien versehen. Neben deutlichen Wurzeln im 12-Takter ließ er seine Gitarre auch in Indie-Manier erklingen. Sweany ist mit einer fantastischen Stimme gesegnet. Er trägt seine Lieder mit einer frappierenden Emotionalität vor. An manchen Stellen überschlugen sich seine Gefühle förmlich und wenn er mit einigem Abstand zum Mikrofon dennoch sehr laut rüber kam, war der allseits bekannte Cocker-Schrei in "With A Little Help ..." so etwas wie ein heißes Lüftchen.
Patrick Sweany So bunt wie seine Fingerpicks waren auch die Spielereien auf den sechs Saiten seiner mintfarbenen halbakustischen Gitarre beziehungsweise Fender Telecaster, auf der er bevorzugt das Bottleneck einsetzte. Mit dem Metallröhrchen am kleinen Finger kreierte er ebenfalls tolle Töne und selbst mit dem Poarchboard wusste er ganz unterschiedlich ausgeprägte Stimmungen zu erzeugen. Besonders, wenn er sich in den guten alten Country Blues hineinkniete, kam einem der Nightclub wie ein Juke Joint vor.
Patrick Sweany Sweany spielte sich in einen immer dynamischer werdenden Set und die Soli wurden auch immer ausladender. Seine Kompositionen enthielten viele Rhythmus- und Tempowechsel. "Corner Closet" war herrlicher Rock'n'Roll, der ganz anders arrangiert war, als es die Studioaufnahme hergibt. Der sympathische Musiker hatte wunderschöne Gitarren-Licks als zusätzliche Aufheller in seinen Nummern untergebracht.
Patrick Sweany Sweany war auch ein Erzähler. So hielt er von Beginn an sehr guten Kontakt zum Publikum und er war mächtig beeindruckt vom ehemaligen Kloster. Bei einem Rundgang fiel ihm in der Kapelle ein Bild von Solomon Burke auf. So baute er als Verneigung vor dem Künstler das von Jim Reeves komponierte, aber auch durch Burke bekannte Stück "You'll Have To Go" in seine Setlist ein. Ja, Sweany hatte auch noch verdammt viel Soul auf seinen Stimmbändern.
Patrick Sweany Es war zum mit der Zunge schnalzen, wie der versierte Musiker ganz locker und wie selbstverständlich die Saiten für einen Boogie zum Schwingen brachte und bei dem einzigen Instrumental des Abends war dann auch noch ein wenig Rag Time angesagt. Wow! Mit seinem "The Chelsea Swing" brachte er tatsächlich eine flott vorgetragene Swing-Nummer unters begeisterte Volk. Seine Fingerfertigkeit war zum Niederknien und immer wieder ließ er auf beglückende Art und Weise den Blues durchschimmern. Dieser Mann war mit allen Wassern gewaschen und dann erzählte er mit einem schelmischen Unterton von einer Band, die in den Sechziger- beziehungsweise Siebzigerjahren sehr bekannt war und spielte eine hinreißende Version von der Rolling Stones-Nummer "Moonlight Mile", die auf dem Album "Sticky Fingers" zu finden ist. Hammer!
Patrick Sweany Der letzte Song, den er seiner Ehefrau widmete, war Intensität sowie Emotion pur. Ein krönender Abschluss eines bis dahin sehr überzeugenden Auftritts. An und für sich hätte hier auch Schluss sein können, denn der Rausschmeißer war schon so etwas wie ein perfekter Ausklang. Natürlich wollten die Anwesenden eine Zugabe und man bekam zunächst mit "It's My Imagination" (im Original von den Tempations) und "Happy" noch einen Stones-Doppelpack als Medley. Danach war Standing Ovations angesagt und Sweany ließ sich abermals auf die Bühne bitten. Den endgültigen Schlusspunkt setzte er mit einer Nummer aus seinem "Henryfordbedroom"-Album. Mit "More Better" wählte er zum Chill-out ein sehr ruhiges Stück.
Es ist alles geschrieben und Patrick Sweany sollte, nein, muss man auf dem Notizzettel haben. Was er über fast zwei Stunden in seinem Solo-Programm ablieferte, war beeindruckend gut. Hoffentlich wird er weiterhin über den Teich kommen, vielleicht auch mit Band. Hats off to Patrick Sweany!
Wir bedanken uns bei Chris Tangelder vom Cultureel Podium Roepaen für die problemlose Akkreditierung.
Line-up:
Patrick Sweany (guitars, poarchboard, vocals)
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Patrick Sweany        Patrick Sweany        Patrick Sweany
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