Sia / Some People Have Real Problems
Some People Have Real Problems Spielzeit: 59:24
Medium: CD
Label: Universal Music Group, 2008
Stil: Pop

Review vom 24.01.2009


Daniel Daus
Mit Musik aus Kanada bin ich eigentlich bis jetzt immer gut gefahren. Erst Nea, dann Ela jetzt Sia, meine unfreiwillige Begegnung mit dreibuchstabigen jungen Damen im Musikbusiness findet seine schicksalhafte Fortsetzung. Bei Sia handelt es sich um eine 33-jährige, im australischen Adalaide geborene Sängerin (bürgerlicher Name Sia Kate Isobelle Furler), die jetzt mit "Some People Have Real Problems" ihren dritten Longplayer ins Rennen schickt, der hier bei uns nachträglich veröffentlicht wird, nachdem er in den Staaten bereits Charterfolge aufweisen konnte, was ihr sogar zu einem Auftritt in der berühmten 'David Letterman-Show' verhalf.
Sia begann in einer australischen Formation Crisp, die sich dem Acid-Jazz (Musikrichtung ist dem Autor leider nur namentlich geläufig) verschrieben hatte, wanderte dann aber nach Großbritannien aus, um ihre Solo-Karriere zu forcieren und erlangte dort auch erste kommerzielle Erfolge. So richtig berühmt wurde sie allerdings erst, als sie für das Ambient-Duo Zero 7 ihre Stimme zur Verfügung stellte (ihr Album "The Garden" war immerhin Grammy-nominiert), die sich u.a. mit Remixen von Radiohead und Soundtracks für Fernsehserien wie "CSI", "Six Feet Under", "Dr. House" oder "Sex And The City" etablierten.
So weit so gut. Für den Rezensenten stellt sich allerdings nach einigen Hördurchgängen die Frage, ob die Besprechung ihrer neuen Scheibe "Some People Have Real Problems" in einem Rockmusikmagazin sinnvoll ist, da es so gut wie keinen Rock-Anteil im Werk ausfindig zu machen gibt. Sicher ist es kein Problem, mal ein Review auch für einen eher nicht Rockmusik-kompatiblen Silberling zu erstellen, aber solche Künstler zehren doch dann meist mit ihren Outputs gehörig an den ungeübten Nerven des ausführenden Schreiberlings. Das Zitat der Promoagentur »... mal introvertiert, mal extrovertiert, ist Sia in jeder Beziehung ein Traumobjekt eines jeden Psychotherapeuten...« lässt Schwieriges erahnen, zumal der Autor, trotz seines von den Kollegen geschätzten Einfühlungsvermögens, leider nicht auf ein abgeschlossenes Psychologie-Studium verweisen kann...
Die komplette CD enthält im Großen und Ganzen zwei Stücke ("Little Black Sandals" und "Day Too Soon"), die in Richtung Nora Jones-mäßigem R&B interpretierbar sind und aufgrund des rauchigen, recht sexy wirkenden Gesangs dem Gehörgang des Rezensenten schmeicheln. Gelobt werden muss in jedem Fall die Stimme von Sia, die wirklich sehr variabel klingt und von einer poppigen Janis Joplin, über ganz dezent Stevie Nicks, bis hin zu Chrissie Hynde (nicht nur wegen dem Pretenders-Cover "I Go To Sleep") Ähnlichkeiten aufweist, meist aber, aus welchen Gründen auch immer, sehr kindlich verstellt wird. Beim Rest der Songs, der teilweise demnach kindlich verspielt und introvertiert klingt (wie einst Kate Bush, dazu kommen oft orchestral wirkende Arrangements mit Bläsern und Streichern, sowie zum Teil kammermusikartiges und psychedelisches Flair) sehnt der Rezensent mit zunehmender Dauer ein schnelles Ende herbei, wobei schon der Blick auf den letzten geteilten Track ("Lullaby/Buttons") mit seiner drohenden Neun-Minuten-Spielzeit eine echte Herausforderung darstellt und in der Realität dann auch ist.
Fazit: Insgesamt ist Sias "Some People Have Real Problems" eine Scheibe, mit der der Autor absolut nichts anzufangen weiß und ihn im Unklaren lässt, welche Zielgruppe von Menschen mit derartig starken Nervenkostümen ausgestattet ist, diesen knapp einstündigen musikalischen Ego-Trip der Künstlerin mit Genuss durchzustehen. Auch die infantile Selbstbemalung der Protagonistin auf dem Coverbild lässt den RockTimes-Psycho-Banausen ratlos zurück. Der sehnt sich unweigerlich wieder nach seinen einfach gestrickten New Country-Mädels. Sia aber, denke ich, wird angesichts ihres bestehenden Erfolges diese Autorenkritik problemlos verschmerzen und verzeihen können. Letztendlich gibt es, wie es der Titel ihres Albums auch suggeriert, sicherlich Schlimmeres auf dieser Welt...
Tracklist
01:Little Black Sandals
02:Lentil
03:Day Too Soon
04:You Have Been Loved
05:The Girl You Lost To Cocaine
06:Academia
07:I Go To Sleep
08:Playground
09:Death By Chocolate
10:Soon We'll Be Found
11:Electric Bird
12:Beautiful Calm Driving
13:Lullaby/Buttons
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