Sinner / One Bullet Left
One Bullet Left Spielzeit: 50:39
Medium: CD
Label: AFM Records, 2011
Stil: Hard Rock

Review vom 30.08.2011


Jochen v. Arnim
Muss man ja eigentlich nichts zu sagen, oder? Der Name Sinner steht seit gut 25 Jahren immer wieder für soliden Rock der härteren Sorte. Und Namensgeber Mat Sinner ist ja als Hans-Dampf-in-allen-Gassen mehr als nur dieser einen Band verpflichtet. Sofort fallen natürlich Primal Fear (die auch gerade an einer neuen Scheibe basteln) und Voodoo Circle ein, aber noch wesentlich mehr in vieler Munde ist meist - und das oft ohne es zu wissen - sein zeitaufwendiges Engagement bei der "Rock Meets Classic"-Produktion.
Trotzdem schaffen es Sinner als Band immer wieder mit bestechender Regelmäßigkeit, quasi in Erfüllung des Drei-Jahres-Plans, ein neues Album auf den Markt zu bringen. Für das jetzige wurde die Band mit hochqualifizierten Musikern um- und neubesetzt und das Line-up hält genau das, was es einem beim ersten Lesen der Info verspricht. Neben Christof Leim, der ja bereits seit gut zehn Jahren dabei ist, kommen Schlagwerker André Hilgers von Rage an die Stöcke, Tarja-Gitarrist Alex Scholpp an die Saiten und nach einigen Jährchen Unterbrechung kehrt nun auch der hinlänglich bekannte und ebenfalls multibeschäftigte Alex Beyrodt (u. a. Voodoo Circle) wieder an den Ort seines früheren Schaffens zurück. Richtig gezählt, drei Gitarristen, und das lieben wir doch!
Nomen est omen, der Opener des neuen Silberlings "One Bullet Left", "The One You Left Behind", beginnt mit dem Durchladen und Abfeuern einer Schusswaffe, bevor uns das erste Riff um die Ohren gehauen wird. Schöne Gitarrenarbeit, untermalt von einem andeutungsweise choral angehauchten Gesang, weist dem Hörer direkt die weitere Ausrichtung der Scheibe auf. Fast wie eine Hymne bietet sich uns "Back On Trail" mit einem extrem eingängigen Refrain, der zumindest mich an Zeiten erinnert, als wir gerade aus der Hard Rock-/Southern-Ecke noch so einige Scheiben mehr bekamen. "Give & Take" besticht wieder durch ein kräftiges Gitarrenintro und, dieser Vergleich wurde ja schon oft gezogen, wir werden ein bisschen an Thin Lizzy erinnert. Kaum ein Wunder, denn Chef Sinner ist bekennender Fan.
Apropos Gitarren: Das mit den drei Gitarristen zahlt sich wirklich aus. Endlich mal wieder eine richtig kernig abrockende Scheibe mit schnellen Läufen und guten Soli aus mehreren Ecken. "One Bullet Left" wird mit rauem Gesang und mehrstimmigem Refrain präsentiert, ist ständig von den Drums und dem treibenden Riff angefeuert. Danach kommt "10 2 Death" daher, schnell, ohne jedoch Geschwindigkeit um ihrer selbst willen an den Tag zu legen. Wieder wird die rauchige Stimme Sinners im Refrain von den Kollegen unterstützt und man braucht nicht viel Fantasie, um sich diesen Song live zum Mitgrölen vorzustellen. Anspieltipp! Genauso wie die folgende Ballade "Haunted", die mit für diese Form der Darbietung typischem Gesang und sich schön ziehender Gitarre ins Ohr dringt und dort haften bleibt.
Mit "Atomic Playboys", entlehnt bei Steve Stevens, nimmt die Platte schnell wieder Fahrt auf. Anhören, und besonders auf die Passagen mit den kleinen zusätzlichen Soli in der Saitenarbeit achten. Beinahe nahtlos schließt sich "Suicide Mission" an und erneut fällt es nicht schwer, sich die Band mit diesem Song auf die Bühne zu wünschen. Bei "Wake Me When I'm Sober" schalten wir noch einmal einen Gang zurück und betreten wieder das Feld der Balladen. Strickmuster wie oben, rauchige Stimme mit choral anmutendem Refrain, dabei ein in Teilen treibendes Schlagzeug und von allen Seiten die Klampfen. "Mind Over Matter" und "Mend To Be Broken" geben noch einmal richtig Gas, um das drohende Ende der Scheibe auch stilecht einzuläuten. Ein letztes Mal können wir bei "Mend To Be Broken" leichte gesangliche Parallelen zu Phil Lynott herstellen und werden erneut mit kräftigen Riffs und Soli verwöhnt, bevor uns ein tolles "Rolling Away", das auch vor 30 Jahren hätte erscheinen können, mit fast sphärisch anmutenden Gitarrenparts unwiederbringlich vor vollendete Tatsachen stellt: Die CD ist aus.
Fazit für mich: Natürlich wurde das Rad mit "One Bullet Left" nicht neu erfunden. ABER, Sinner haben mal wieder etwas produziert, was den Fans sowieso und auch sonstigen Liebhabern guten Heavy Rocks einfach nur gefallen muss. Satt und kernig, sehr gut abgemischt mit klarem Sound. Hervorragende Gitarrenarbeit, die nicht als breiige Wand daherkommt, sondern sich gut differenzieren lässt. Mat Sinner am Bass und André Hilgers an den Drums gehen ebenso wenig unter wie der raue Gesang mit wohl modulierten Backing Vocals. (Nebenbei bemerkt: Wer nun genau für die Vocals verantwortlich ist, erschließt sich mir aus der vorliegenden Info leider nicht.) Es sind einige Songs dabei, die ich unbedingt live erleben möchte, wenn Sinner mit Voodoo Circle (kleine, unbedeutende 'Doppelbelastung' für die Herren Sinner und Beyrodt) und Downspirit in Bälde auf Tour gehen und uns beehren werden.
Line-up:
Mat Sinner (b, voc)
Alex Beyrodt (g)
André Hilgers (dr)
Christof Leim (g)
Alex Scholpp (g)
Tracklist
01:The One You Left Behind
02:Back On Trail
03:Give & Take
04:One Bullet Left
05:10 2 Death
06:Haunted
07:Atomic Playboys
08:Suicide Mission
09:Wake Me When I'm Sober
10:Mind Over Matter
11:Mend To Be Broken
12:Rolling Away
(Das Ltd. DigiPak enthält noch zwei Bonustracks sowie den Song "Back On Trail" als Videoclip)
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