Skid Row / Revolutions Per Minute
Revolutions Per Minute Spielzeit: 40:31
Medium: CD
Label: SPV/Steamhammer, 2006
Stil: Hard Rock/Poser Rock


Review vom 12.02.2008


Boris Theobald
Album Nummer zwei nach dem Comeback - und der Abwärtstrend im Hause Skid Row hält an. Auch anno 2006 auf "Revolutions Per Minute" klingen sie wie ein müder Abklatsch ihrer selbst, wie die guten alten Skid Row mit zwei Promille.
Viele andere Rockbands der 80er/frühen 90er - Europe, Winger, House Of Lords, um nur einige zu nennen - sind beeindruckend ins Tagesgeschäft zurückgekehrt, präsentieren neue Sounds, modernen Hard Rock, Musik mit mehr Tiefgang. Ist das nicht normal, wenn man als Musiker älter wird? Bei Skid Row offenbar nicht.
Gut, Skid Row waren schon immer von der wilderen Sorte. Aber diesem Album hört man eine aufgesetzte Attitüde an - fi**** und saufen bis zum Delirium. Wir waren mal jung und wild. Jetzt sind wir jünger und wilder. Wenig glaubhaft nach all den Jahren. Und nicht 'cool', sondern unverschämt. »Fuck you, motherfucker, dirty little whore, so many hours in the day to piss my life away…«. Wie bitte? Die Lyrics sind das Letzte; und auch bei den Thankyous werden die »drunken Jersey brothers« gegrüßt.
Die Bandfotos sind absolut widerlich. Beim Durchblättern des Booklets kann man Männer mit zerzausten Haaren, voller Tattoos und Piercings in verschwitzten Unterhemden bewundern, die einem die Zunge aus einer kindischen Grimasse rausstrecken und mit beiden Händen gleichzeitig den Stinkefinger zeigen, während ihnen der Alkohol in Dosen und Flaschen beinahe aus den Händen fällt. Danke Jungs, ihr seid wirklich erwachsen geworden.
Leider hat auch das Niveau der Musik stark gelitten. Das Gros der Songs 'glänzt' mit dem Akkord-Repertoire einer mittelprächtigen Punkrock-Band. Nur der Opener "Disease", eine echte Groove-Walze mit düsterem Heavy-Riffing, ist musikalisch richtig wertvoll. So müsste das ganze Album klingen. Annehmbar sind noch "Another Dick In The System" und "Love Is Dead", die als groovende Rocker seinerzeit bei "Slave To The Grind" wohl knapp am Cut gescheitert wären.
Größtenteils muss man sich jedoch mit Songs wie dem wilden Country Punk-Mix "When God Can't Wait" begnügen - ab einer halben Flasche Tequila ein echter Party-Hit - oder mit einem vulgären Lovesong wie "Shut Up Baby, I Love You": »I'd give you the moon, I'll give you my last beer, I'd rather move too fast than be stuck in gear« . Wow, das ist wahre Poesie.
Einmal wird's noch witzig, bei "You Lie", einer Art 'Anti-Lovesong' der als flotte Country-Parodie beginnt und sich in Richtung Thrash-Metal steigert. Ganz nett - 'cool' war aber "Get The Fuck Out". Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Alles in allem viel zu wenig. Schon beim Comeback-Album "Thickskin" von 2003 musste man die Spreu vom Weizen trennen - aber ein guter und weitere zwei, drei hörbare Songs sind ein Witz.
An Sänger Johnny Solinger liegt es übrigens nicht. Der kann zwar einen Sebastian Bach natürlich nicht ersetzen, ist aber ein klasse Screamer. Und die Songschreiber Rachel Bolan und Dave 'The Snake' Sabo sind immerhin sogar die gleichen wie früher. Aber wo ist der Poserock hin? Heavy-Metal-Kracher wie "Slave To The Grind" und Gänsehaut-Stücke wie "18 And Life", "In A Darkened Room" oder "Wasted Time" waren einmal. Schade, dass die Jungs ihren Band-Namen zum Programm machen ... .
Line-up:
Johnny Solinger (vocals)
Rachel Bolan (bass)
Scotti Hill (guitar)
Dave 'The Snake' Sabo (guitar)
Dave Gara (drums)
Tracklist
01:Disease
02:Another Dick In The System
03:Pulling My Heart Out From Under Me
04:When God Can't Wait
05:Shut Up Baby, I Love You
06:Strength
07:White Trash
08:You Lie
09:Nothing
10:Love Is Dead
11:Let It Ride
12:You Lie (com fed mix)
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