SoDa / Die Aussichten für Morgen
Die Aussichten für Morgen Spielzeit: 37:07
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2012
Stil: Deutschrock

Review vom 09.09.2012


Udo Gröbbels
Jenseits der Charts
Nicht nur für die Redakteure unseres Online-Magazins ist es sehr schwer, noch den Überblick über aktuelle Veröffentlichungen zu behalten. Der Hörer bzw. der potentielle Käufer hat es da noch schwerer, und was nicht gerade in den Charts landet, geht oft leider schnell verloren. Das hat auch zumeist nichts mit Qualität zu tun, aber wenn man nun mal keine Hits am Start hat, die in Diskos oder im Radio läufen, ist es höchst unwahrscheinlich, dass man von der breiten Masse wahrgenommen wird. In letzte Kategorie passen auch die Deutschrocker von SoDa aus dem Großraum Braunschweig-Wolfsburg. Seit neun Jahren spielt man in dieser Formation bereits zusammen, aber bis auf eine EP aus dem Jahre 2005 mit dem Titel "Mett mit Schnauze" gab es bisher noch nichts auf Tonträger.
90er-Musik trifft auf 80er-Texte
Das norddeutsche Quartett präsentiert sich auf seiner ersten CD "Die Aussichten für Morgen" mit einer Mischung aus Alternative Rock, Deutschrock plus etwas Punk und hinterlässt dabei einen zwiespältigen Eindruck. Fangen wir mal mit den positiven Aspekten an, denn die vier Herren wissen, wie man die Instrumente bedient und die druckvolle Produktion unterstützt dies hervorragend. Ein wenig 90s-Rock im Stile von Rage Against The Machine oder auch Selig, die sich schnell als musikalische Vorbilder herauskristallisieren, kommt hinzu.
Von Pissrinnen und überfahrenen Katzen
Negativ dagegen fällt aber zum einen der Gesang auf. Sänger Dennis Hotop singt wie eine schlechte Peter Hein-Kopie (von den Fehlfarben). Auch die Texte sind leider größtenteils völlig unter aller Kanone. Man versucht sich an provokanten Texten, was aber völlig nach hinten losgeht. Exemplarisch dafür stehen "Sag nichts" (wo es um eine ueberfahrene Katze geht) und ganz übel ist auch "Zwischen 2", das von männlicher Toilettenphobie handelt. Das Songwriting ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei und mit sehr abgedroschenen Melodien und Songstrukturen kann man auch nicht punkten. Natürlich kann man das Rad im Songwrting nicht mehr neu erfinden, aber etwas mehr Originalität sollte es doch sein.
Nach dem Genuss der 37 Minuten kurzen CD "Die Aussichten für Morgen" bleibt eigentlich nichts hängen. Auch nach mehrmaligem akustischen Konsum will sich keins der Stücke festsetzen. Was bleibt, sind platte Texte und sehr vorhersehbare Lieder, aber das alles mit guter Produktion. Haarscharf an einer 'Wasted Time'-Plakette vorbei gerauscht ist die Band nur deshalb, weil ich den Mut und den Aufwand respektiere, den die Truppe in die CD gesteckt hat und ohne Plattenfirma nun versuchen muss, das Ding unters Volk zu bringen. Dafür wünsche ich der Band viel Glück, erwartet aber bitte nicht zu viel.
Musikalisches Potential ist vorhanden, leider fehlen noch die guten Songs.
Line-up:
Dennis Hotop (vocals)
Giuseppe Lo Presti (guitar)
Robert Polikarpow (bass)
Markus Mantsch (drums)
Tracklist
01:Ignoranzig
02:Im Grobschnitt
03:Ganz allein
04:Sag nichts
05:Gestern schon egal
06:Hast du nicht!
07:Der Wecker
08:Zwischen 2
09:Setz dich nicht
10:Die Aussichten für Morgen
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