Steelpreacher / Devilution
Devilution Spielzeit: 40:34
Medium: CD
Label: Eigenproduktion, 2015
Stil: Heavy Metal

Review vom 26.09.2015


Jochen v. Arnim
Heavy Metal made in Koblenz - da fallen dem geneigten Fan und Kenner der Szene nicht so richtig viele Bands ein, aber zu denjenigen, die den Weg aus dem Gedächtnis finden, gehört in jedem Fall unser Trio hier. Steelpreacher, die Brüder Hübinger an den Klampfen und ihr Kumpel Weber hinter der Schießbude, sind eine feste Größe, wenn es um schnörkellosen klassischen Heavy Metal aus deutschen Landen geht.
Vier volle Alben ("Route 666", "Start Raising Hell", "Drinking With The Devil" und Hellraiser) haben sie seit ihrer Gründung im Jahre 2001 auf den Markt geschmissen und zudem in 2014 mit den Äppler-Metallern von Dragonsfire noch eine Split-Single ("The Wild Hunt") auf Vinyl. Nun kommt Langeisen Nr. 5 dazu, das auf den Namen "Devilution" lauscht und auf rund vierzig Minuten garantiert keine Langeweile verspricht.
Klassisch, schnörkellos, eingängig, zum Mitsingen, zum Abfeiern - an derlei Attributen mag es noch einige mehr geben, jedoch reichen diese wenigen schon für die Klassifizierung. Steelpreacher werden ihrem Ruf auch in der fünften Runde voll gerecht, keinen Schnickschnack zu produzieren. Es wird ein Potpourri von Songs geboten, das, nicht ganz frei von Selbstironie, dem Fan genau das bietet, was er haben will: Heavy Metal & Spaß, Punkt, Ende, Aus.
Es wird im sog. Underground ja immer wieder diskutiert, wer und welche Band sich den Ruf erspielt hat, diesem auch ernsthaft angehören zu dürfen. Die Gratwanderung ist eine durchaus gefährliche, denn allzu schnell driftet man in Bereiche, die ob überzogen spaßiger Attitüden eher zu einer schlechten Persiflage, denn zu ernsthaftem Anliegen verkommen. Spaß muss dabei sein, das ist keine Frage, und Steelpreacher gehören zu jener Sorte von Bands, die diesen zwar ganz oben ansiedeln, aber dabei nie den Blick für die richtige Spaß-Perspektive verlieren - zumindest kommt das subjektiv empfunden so rüber (und das hat der Rezensent vielfach live prüfen können).
Assoziationen zu und Entlehnungen von den großen Helden der Achtziger dürfen dabei natürlich sein. Und auch hier verstehen es die Jungs, den gefährlichen Grat nicht zu überschreiten. Die Vorbilder schimmern (mächtig) durch und doch wird ihnen die Szene auch die neuen Tracks von "Devilution" abkaufen. Dazu kommt ein sahnemäßiger Sound, vom sich auch so manch Veröffentlichung mit fettem Label im Rücken eine gehörige Portion abschneiden kann. Rolf Munkes' Studio war hier sicherlich eine astreine Wahl.
So haut das Trio hier nun zehn neue, bzw. in dieser Version neue Tracks raus. Beginnend mit dem Titelsong wird es dann auch direkt richtig kernig: "Devilution" ebnet den Weg für eine knappe dreiviertel Stunde bester Unterhaltung, ach ja, und Spaß fehlt natürlich auch nicht. Da galoppiert als Beweis gleich mal der zweite Song, "We Don't Get Drunk (We Just Get Awesome)", augenzwinkernd heran. Mehr braucht es eigentlich an Text oder Erläuterungen auch nicht, um die Message klarzumachenů
Aber auch Ernsthaftes kommt auf "Devilution" zum Tragen und das in Form von "Too Old For Dying Young". Für den einen oder anderen vielleicht vordergründig etwas platt in der Aussage, jedoch ist dieser Song dem früheren Frontmann von Dragonsfire und engem Freund der Band, Torsten Thassilo Herbert gewidmet, der im vergangenen Jahr die weltliche Bühne leider viel zu früh verlassen hat.
Besinnlichkeitsmodus aus und Spaßmodus an: "El Pollo Diablo" ließ mich schon beim ersten Hören laut lachen. Das klingt wie die Charlie Daniels Band auf einem schlechten Trip bei "El Toreador", Mariachi-Gitarren (von Rolf Munkes eingespielt) und Kastagnetten inklusive, aber geil ist's schon. Im anschließenden "Rock'n'Roll On My Mind" wird dem guten alten "Johnny B. Goode" gehuldigt und eine Chuck Berry-Passage eingebaut.
Epischer Muskel-Metal darf auch nicht fehlen und die Koblenzer frönen diesem in "The Wild Hunt" genauso, wie sie bei "Let's Get Loaded" voll in die L.A.-Kiste greifen - den Song hätten wir auch vor vielen Jahren schon in amerikanischen Stadien hören können. Dagegen könnte "Seasons Of The Witch" auch gut und gerne eine unbekanntere Nummer aus der Harris-Schmiede sein.
Die abschließende Balladen-Interpretation von "Atlantean Dawn", das auch schon auf "Hellraiser" zu finden war, ist vielleicht nicht die Über-Granate, macht sich aber bestimmt prima, wenn einige hundert Metalheads mit je zehn Dosen Bier im Kopp zum gemeinschaftlichen Fäusteschwingen ansetzen.
Ein schlauer Kopf postuliert in der Szene ständig, dass es (das Leben) ohne Metal keinen Spaß macht. Ich möchte diesen Satz mal umdrehen und behaupten, dass Metal ohne Spaß auch Kacke ist. Zum Glück haben wir ja Steelpreacher!
Line-up:
Jens Hübinger (vocals, guitar)
Andy Hübinger (bass)
Hendrik Weber (drums)

Guests:
Henny Wolter (guitar - #2)
Andreas Dötsch (guitar - #6)
Rolf Munkes (Mariachi guitars - #5)
Tracklist
01:Devilution
02:We Don't Get Drunk
03:Rock'n'Roll Children
04:Too Old For Dying Young
05:El Pollo Diablo
06:Rock'n'Roll On My Mind
07:The Wild Hunt
08:Let's Get Loaded
09:Seasons Of The Witch
10:Atlantean Dawn (Ballad Version)
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