T&N / Slave To The Empire
Slave To The Empire Spielzeit: 66:11
Medium: CD
Label: earMUSIC (Vertrieb über Edel), 2012
Stil: Hard Rock

Review vom 17.11.2012


Jochen v. Arnim
Lässt man die Namen einiger der Protagonisten unserer neuen Band hier mal in Ohr klingen, dann kommt man unweigerlich auf die US-Hard-Rocker Dokken.
Gitarrist George Lynch (auch Lynch Mob), Sänger, Basser und Multiinstrumentalist Jeff Pilson (auch Foreigner) sowie Schlagwerker Mick Brown (u. a. ebf. Lynch Mob) standen nämlich einst auf der Lohnliste des Don Dokken und gemeinsam formte man einige Jahre lang das wohl erfolgreichste Line-up dessen Band. Zieht man sich dann noch den neuen Bandnamen T&N rein, was für Tooth & Nail steht, dann wird man unweigerlich an gleichnamiges Album aus der kommerziellen Hochphase des Dokken'schen Schaffens erinnert. Zu guter Letzt wirft man noch einen kurzen Blick auf die Trackliste und findet außer sieben neuen Songs auch schlappe fünf alte Dokken-Nummern. Ein Schelm, wer Böses denktů
Neben all diesen bekannten Komponenten erscheinen zudem in den Credits noch die Namen prominenter Musikerkollegen, die sich Lynch und Konsorten an Bord geholt haben. Da taucht zuerst Brian Tichy (u. a. Whitesnake, Foreigner, Ozzy) auf, der bei gleich mehreren Songs die Trommelstöcke schwingt. Dieses geschieht bei allen neuen Kompositionen, denn hier ist Pilson für die Vocals verantwortlich. Als nächstes hätten wir dann Doug Pinnick (King's X), Robert Mason (ebf. Lynch Mob, Warrant), Sebastian Bach (u. a. Skid Row) und Tim 'Ripper' Owens (u. a. Judas Priest, Iced Earth, Malmsteen), die allesamt als gesangliche Interpreten für fast alle Neueinspielungen des Dokken-Materials herangezogen wurden.
Die Scheibe eröffnet direkt mit dem Titelsong "Slave To The Empire" und setzt damit gleich eine überzeugende Duftmarke. Kerniger Hard Rock ganz im Stil der Achtziger wird uns da geboten und man merkt, dass hier einfach Profis am Werk sind, für die Zufälle kein Kriterium sind. Coole Riffs und natürlich mächtig viel von Lynchs Soli-Fertigkeit an der Gitarre dringen an allen Ecken und Enden der Scheibe durch. Logisch, ist ja auch 'sein' Ding. Bei diesem und den folgenden 'neuen' Tracks stimmt das von vorne bis hinten. OK, ich gebe zu, dass ich anfangs sehr hin- und hergerissen war, was Kompositionen und Arrangements anbelangte. Bei einigen Stücken ging der innere Daumen sofort nach oben (u. a. "Slave To The Empire" oder "When Eagles Die"), während mir andere ein wenig überarrangiert vorkamen. Nun, diverse Durchläufe später, hat sich dieser erste Eindruck weitestgehend zum Positiven relativiert und ich komme nicht umhin, das Album als durchweg gelungen zu bewerten. Die Verpflichtung der vorgenannten Gastsänger bringt zudem eine gewisse Abwechslung ins Spiel und sorgt mit den unterschiedlichen stimmlichen Facetten für eine durchaus interessante Abfolge der Tracks - mit Höhen und Tiefen. Es ist ja immer eine Art Vabanquespiel, alte und bekannte Songs neu einzuspielen und dabei andere Akzente zu setzen als vom Hörer (und Fan) gewohnt. Höre ich z. B. "Kiss Of Death", hier von 'Ripper' Owens gesungen, so gehört das zu den eher zweifelhaft gelungenen Songs dieses Albums. Damit wir einander nicht missverstehen, das ist wahrlich nicht schlecht und ich mag den Ripper an und für sich wirklich sehr, aber er passt m. E. nicht auf jede Art von Musik. Sebastian Bach hingegen ist bei der Einspielung der Power-Ballade "Alone Again" sicherlich die bessere Wahl gewesen.
Mir liegt nichts ferner, als dieses Album zu zerreden: Es bleibt eine tolle Scheibe, die uns mit solidem Eighties-Hard Rock bedient. Eighties-Hard Rock, der nicht ohne Konzessionen an die heutige Zeit dargeboten wird. Es wäre ja auch eine Schande, hätten sich die Jungs nicht weiterentwickelt. Das Ensemble aus guten und bekannten Musikern weiß trotz einiger Abstriche (z. B. "Mind Control") im Endergebnis zu überzeugen. Ich betone noch einmal, dass es mehr als nur einer Umdrehung bedurfte, bis bei mir der Funke übergesprungen war. Jetzt aber wird "Slave To The Empire" nicht einfach so auf den Stapel 'Alte Rezensionen' wandern. Einmal richtig 'eingehört' macht dieser Rundling deutlich Spaß, denn man merkt es den Musikern an, dass sie nicht einfach nur einen auf Retro machen, sondern aus eben dieser Zeit stammen und ihre Wurzeln nicht verleugnen können. Trotz fortgeschrittenen Alters kommen sie authentisch rüber und wissen, dieses Gefühl überzeugend zu vermitteln. Ich bin sehr froh, bei der Zuteilung den Finger gehoben zu habenů
Line-up:
George Lynch (guitars)
Jeff Pilson (vocals, bass, keyboards, acoustic guitar, backings)
Brian Tichy (drums)
'Wild' Mick Brown (drums, backings)
Doug Pinnick (lead vocals - #3)
Robert Mason (lead vocals - #4)
Sebastian Bach (all vocals - #8)
Tim 'Ripper' Owens (lead vocals, screams - #10)
Tracklist
01:Slave To The Empire
02:Sweet Unknown
03:Tooth And Nail
04:It's Not Love
05:Rhythm Of The Soul
06:When Eagles Die
07:Into The Fire
08:Alone Again
09:Mind Control
10:Kiss Of Death
11:Jesus Train
12:Access Denied
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