Treacle People / Same
Treacle People Spielzeit: 44:22
Medium: CD
Label: World In Sound, 2006
Stil: Hardrock


Review vom 06.09.2006


János Wolfart
Treacle People sind eine Rockband aus dem Südwesten der Republik, deren Debüt-CD bereits im Januar erschienen ist, aber erst vor kurzem ihren Weg in die virtuelle Redaktion von RockTimes gefunden hat (besser spät als nie). Die fünf Jungs machen Retro-Musik vom Allerfeinsten, nämlich Hardrock mit psychedelischen und progressiven Elementen. Die Musiker sind trotz ihres jugendlichen Alters alle Könner an ihren Instrumenten, haben zum Teil eine klassische Ausbildung hinter sich.
Es lohnt sich gar nicht, all die üblichen Verdächtigen aus den frühen 70ern aufzuzählen, die die Band als Einflüsse nennt, denn sie haben bereits auf ihrer allerersten Scheibe einen eigenständigen, zuweilen düsteren, bedrohlichen, eben psychedelischen Sound, der von schweren Gitarrenriffs und -Soli, der Hammond-Orgel und dem Gesang von Josh Maccoy beherrscht wird. All dies verdeutlicht der düstere Opener "Anschlag I", dessen Mittelteil durch einen gesprochenen Antikriegs-Kommentar des Sängers eine politische Note erhält.
Ganz anders, etwas deplatziert wirkt dagegen der fröhlich losrockende Heavy-Boogie "I Know What I'm Here For". Bei "Psychosomatic" schrammeln die tief gestimmten Gitarren ähnlich einer Alternative-Band - vielleicht hat die Band ja noch eine winzige Chance bei Newcomer-TV. "Neptune's Kiss" - hier wird zum ersten Mal einen Gang zurückgeschaltet, bereits das Intro ist große Klasse. Die Spannung steigert sich mit jeder Sekunde, es folgt ein genialer Break und Peter Bartsch steigt an der Gitarre ein, um ein Jahrhundert-Solo auf uns Nichtwissende loszulassen. Der Höhepunkt des Albums!
Die Atmosphäre von "Zero Gravity" ist ähnlich der des vorangegangenen Stückes psychedelisch-bedrückend, der aggressive Riff brennt sich ins Gehirn ein; zusammen mit dem pumpenden Bass von Robert Maaß, der hier wahrlich Maß nimmt und ein paar beeindruckende Fills einstreut. Der balladeske "Cruelest Secret" ist ein weiteres Highlight des Albums, das mit seinem instrumentalen Beginn an ähnliche Passagen von Wishbone Ash zu "Argus"-Zeiten erinnert, nur dass diese hier abwechslungsreicher geschrieben sind. Schon wieder ein brillantes, da äußerst atmosphärisches Jahrhundert-Solo von Bartsch. Hut ab!
Der epische "Moonchild" ist ein Song für die Progressiv- und Jam-Freunde: Nach einem Twin-Leads-Thema von Keyboards und Gitarre kommt es zu Solo-Ausflügen, um nachher wieder beim ohrwurmmäßigen Thema zu landen. Passenderweise beschließt "Last Song" die CD, indem die Band nochmal alle psychedelische und progressive Register zieht. Genial!
Ich möchte dieses Album - welches auch als Vinyl-LP erhältlich ist - allen ans Herz legen, die die Rockmusik der 70er Jahre mögen. Livehaftig kann man die Jungs auch erleben: Erst kürzlich einen Auftritt beim Burg-Herzberg-Festival absolviert, gehört die Band auch zum Line-up des Mannheimer Trip-In-Time-Festivals am 16. September (u.a mit Siena Root und ihren Label-Kollegen von Dragonwyck), weitere Tourdaten hier in RockTimes.
Treacle People - den Namen sollte man sich merken!
Line-up:
Josh Maccoy (vocals)
Peter Bartsch (guitars)
Robert Maaß (bass)
Winfried Eckhart Rimbach-Sator(hammond, rhodes piano, midi moog)
Paul Klingler (drums)
Tracklist
01:Anschlag I (5:19)
02:I Know What I'm Here For (3:45)
03:Psychosomatic (3:54)
04:Neptune's Kiss (5:35)
05:Zero Gravity (3:55)
06:Cruelest Secret (5:58)
07:Moonchild (8:44)
08:Last Song (6:52)
Externe Links: