Trick Or Treat / Rabbits' Hill Pt. 1
Rabbits' Hill Pt. 1 Spielzeit: 46:33
Medium: CD
Label: Valery Records, 2012
Stil: Power Metal

Review vom 18.03.2013


Jochen v. Arnim
Wer beim ersten schnellen Betrachten des Covers der "Rabbits' Hill Pt. 1" nicht sofort an Richard Adams und sein "Watership Down" denkt, den müssen wir leider noch mal in die Schule schicken. Ganze Generationen (nun ja, ist ja erst 1972 erschienen) wurden damit im Englischunterricht und später auch beim Deutschlehrer traktiert. Diese alte Hasengeschichte, die von Heimat, Flucht und anderen Aspekten handelt, oft als reines Kinderbuch fehlinterpretiert wurde und sich weltweit grandios verkaufte. Und in der Tat haben die Italiener von Trick Or Treat den Schmöker zur Hand genommen und ein Konzeptalbum daraus gebastelt. Wer mag, kann ja parallel zum Hören im Buch blättern, die Scheibe folgt der Erzählung chronologisch.
Bislang galten die Jungs aus Modena ja eher als stark an die teutonischen Metaller aus der Hansestadt angelehnte Band, hatte die Karriere ursprünglich sogar mit dem Covern von deren Songs begonnen. Mit diesem vierten Output (inkl. Demo) schieben sie jedoch eine Scheibe auf den Markt, die ganz klar einen Reifungsprozess dokumentiert. Hier wird nicht nur einer auf Kiske & Co. gemacht, es kommen auch ganz andere Töne zur Geltung.
Natürlich können sie sich ihrer nach wie vor präsenten Vorliebe für Helloween, für die sie ja auch auf deren letzter Tournee eröffnen durften, nicht ganz entziehen, aber zwischendurch klingen dann auch mal Töne an, die diese durchmachte Horizonterweiterung demonstriert. Unverkennbar und auch unbestritten gut singt ebenso nach vor der Frontmann Alessandro Conti, der ja mittlerweile mit Rhapsody auch noch eine Liga höher spielt. Unterstützt wird er auf "Rabbits' Hill" vom mehrstimmigen Rabbits' Hill Choir, der neben ihm selbst aus Damnagoras von Elvenking, Fabio Dessi von Arthemis sowie Sonia Piacentini besteht.
Das Dutzend Tracks zeichnet sich durch einen hohen Grad von Abwechslung aus, die ein breites Spektrum musikalischer Vielfalt bietet. So bleibt man nicht nur bei einem einzigen Genre, dem reinen Power Metal hängen, es wird doch auffallend häufig nach rechts und links geschaut. Dabei fallen dann auch noch gesprochene Passagen auf, die dem reinen Erzählcharakter eines derartigen vertonten literarischen Werks geschuldet sind, so z. B. der kurze Opener "Dawn Of Times". Ansonsten geht es mit 'richtiger Musik' dann erst im zweiten Stück los. Power Metal mit leichten Anlehnungen an die Kollegen aus Hamburg dröhnt da bei "Prince With A 1000 Enemies" aus dem Player, bzw. den mit ihm verbundenen Speakern. Kontrastschalter auf Folk Rock gestellt und "Spring In The Warren" gelauscht, nur um danach direkt wieder zäh fließendes Riffing bei "Premonition", der musikalisch umgesetzten Vorahnung des Hasen Fiver, zu bekommen - schöner Song. Und so wechseln wir von schnelleren zu verhalteneren Nummern, betreten zwischendurch sogar mal fast klassisches melodiöses Hard Rock-Terrain, wo bei "False Paradise" u. a. mit mehrstimmigem Refrain alle dazu passenden Register gezogen werden.
Wundern darf man sich nicht, wenn am Ende der CD eine Interpretation von Art Garfunkels "Bright Eyes" ertönt, übrigens seinerzeit von Mike Batt geschrieben, denn schließlich war dieses auf dem Soundtrack der späteren Verfilmung zu finden. Für mich ist auch nach mehrmaligem Hören das instrumentale und jazzig angehauchte "SassoSpasso" irgendwie nicht so der Weisheit letzter Schluss, aber man wird sich schon etwas dabei gedacht haben. Produziert wurde "Rabbits' Hill Pt. 1" übrigens von Simone Mularoni, der nicht nur bei DGM die Axt schwingt, sondern für viele weitere Veröffentlichungen mit italienischer Provenienz verantwortlich ist.
Das Scheibchen macht Spaß, ich kann es nicht anders sagen. Es ist weder ein Abklatsch der norddeutschen Kürbisköpfe, noch verschwindet es im Sumpf der vielen namenlosen südländischen Metaller, egal welchen Sub-Genres. Und wenn man mal die kleinen Abstriche außen vor lässt, dann kommt unterm Strich eine gelungene Vertonung eines gelungenen literarischen Werks dabei raus. Bleibt am Ende nur die spannende Frage, wie es denn in der für dieses Jahr angekündigten "Rabbits' Hill Pt. 2" weitergehen wirdů
Line-up:
Alessandro Conti (vocals)
Luca Cabri (guitar)
Guido Benedetti (guitar)
Leone Villani Conti (bass)
Luca Setti (drums)
Tracklist
01:Dawn Of Times
02:Prince With A 1000 Enemies
03:Spring In The Warren
04:Premonition
05:Wrong Turn
06:False Paradise
07:Between Anger And Tears
08:Rabbits' Hill
09:The Tale Of Rowsby Woof
10:SassoSpasso
11:I'll Come Back For You
12:Bright Eyes
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