Man kann den Jungs von Uriah Heep ja an Negativem nachsagen, was man will. Eines jedoch muss auch der ärgste Feind zugeben: Sie zeichnen sich durch einen gewissen Geschäftssinn aus. Neben ihren regulären Studioalben schieben sie mit schöner Regelmäßigkeit auch noch weitere Dokumente ihres Schaffens auf den Markt. Da gab es z. B. vor einigen Jahren die sehr schöne Celebration, mit der man das 40-jährige Bandbestehen gebührend feierte. Darüber hinaus hat man die Reihe der "Official Bootlegs" gestartet und ist mittlerweile bei Nr. 6 angekommen. Schweden, Ungarn, Japan, Australien und Griechenland sind schon bedacht worden und aktuell darf sich nun noch Deutschland einreihen. Außerdem gab es ja 2011 noch die Doppel-CD/DVD "Live In Armenia", die allerdings nicht in diese Reihe der "Bootleg"-Veröffentlichungen gehört.
Damit wir neben den Live-Zeugnissen auch noch etwas Schönes im Regal stehen haben, passen die Rücken der Digipaks so zueinander, dass man am Ende ein nettes Panoramabild anschauen kann. Neben der Optik gibt es natürlich auch noch den klanglichen Aspekt, der im Laufe der Reihe deutlich zugenommen hat. Mögen die beiden ersten Werke noch ein wenig wie tatsächliche Bootlegs rüberkommen, mit dem Kassettenrekorder unter dem Rock der Freundin mitgeschnitten, so hat man mehr Augen- und Ohrenmerk auf die späteren Veröffentlichungen gelegt. Gerade für die hier vorliegende sechste Ausgabe der Reihe wurde im Vorfeld viel Werbung für den professionell überarbeiteten Sound gemacht. Etwas Verwunderung mag allerdings bei der unreflektierten Frage nach dem Grund für die Wahl des Rock Of Ages-Festivals von 2008 aufkommen. Manch einer hätte wetten können, dass wir ein aktuelles Konzert bekommen würden, aber nein, man ging einige Jahre in der Band-Historie zurück.
Schaut man sich die Playlist an, so fallen natürlich sofort die guten alten Kracher auf, ohne die ein Heep-Konzert kein Heep-Konzert ist: "Free Me", "Sunrise", "Gypsy", "July Morning", "Easy Livin'" und die ubiquitäre "Lady In Black" gab es beim Rock Of Ages natürlich auch zu hören. Das ist jedoch nur der zweite Teil der mit fast achtzig Minuten randvollen CD. Unter den ersten sechs oder sieben Stücken sind auch drei zu hören, die man als regelmäßiger Heep-Show-Besucher, wie der Rezensent einer ist, bis dato noch nicht hatte live erleben können. Um das seinerzeit gerade erschienene Album "Wake The Sleeper" vorzustellen, musste davon natürlich etwas gespielt werden. Aber auch ein paar andere Songs haben den Weg auf die Setlist gefunden, die nicht einem regulären Live-Repertoire entstammen - schon mal etwas Mehrwert auf dieser Scheibe.
Songauswahl gut, Sound gut, Optik gut - Klassenziel erreicht. Bleibt nur noch das, was eine gute Live-Doku ausmacht: Spielfreude, Kommunikation mit dem Publikum und die Reaktion der Zuschauer. Und auch hier ist nur zu attestieren, dass die volle Punktzahl vergeben werden muss. Ich habe schon Shows gesehen, wo die Band schlecht drauf war - warum auch immer - und ihr Set einfach so runtergespielt hat. Ansonsten versteht sie es, wie beim Rock Of Ages 2008, dem Publikum zu vermitteln, dass es ein besonderer Abend ist und dass man echt Bock drauf hat, für die Leute zu spielen. Das spiegelt sich in Ansagen wider und auch Nuancen bei den Soli mögen das verraten.
Um nun ein wenig Öl ins Feuer der Spekulationen zu gießen, möchte ich die Frage in den Raum stellen, welcher Kontinent und welche Show aus welchem Jahr uns denn als "Volume 7" beschert werden soll? Wird man uns gar eine der letzten Shows (oder die letzte) mit Trevor Bolders Mitwirkung präsentieren oder vielleicht sogar etwas ganz Neues mit seinem derzeitig noch aktuellen Nachfolger Davey Rimmer? Wir dürfen gespannt sein - und außerdem muss das Bild im CD-Regal ja noch komplett werden…
Line-up 2008:
Bernie Shaw (vocals)
Mick Box (guitar)
Trevor Bolder (bass)
Phil Lanzon (keyboard)
Russell Gilbrook (drums)
| Tracklist |
01:Overload
02:Cry Freedom
03:Falling In Love
04:Words In The Distance
05:Tears Of The World
06:Between Two Worlds
07:The Wizard
08:Free Me
09:Shadow
10:Sunrise
11:Gypsy
12:July Morning
13:Easy Livin'
14:Lady In Black
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